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Lauenburg „Bürgerinitiative Pro Natur Duvenseer Moor“ gegründet
Lokales Lauenburg „Bürgerinitiative Pro Natur Duvenseer Moor“ gegründet
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20:50 08.06.2017
Am Rande des Moores: Gründungsmitglieder der „Bürgerinitiative Pro Natur Duvenseer Moor“. Von links Klaus Däkena, Andreas Hagge, Janett Deckert und Eckhard Bahr. Quelle: Foto: Strunk
Duvensee

Geht da ein Riss durch die Bewohnerschaft von Duvensee, Lüchow, Labenz und Klinkrade? Viele Anzeichen deuten darauf hin. Anlass ist das Bestreben des Landesumweltministeriums in Kiel, das Duvenseer Moor zu einem Naturschutzgebiet (NSG) auszuweisen.

Naturschützer wollen sich gegen „Hinterzimmergespräche“ und „Falschinformationen“ durch Lokalpolitiker und ortsansässige Flächenbesitzer wehren.

„Einige Gemeinde-

vertreter vermischen ihr öffentliches Mandat mit ihren privaten Interessen. Klaus Däkena

Bürgerinitiative Pro

Natur Duvenseer Moor

Sehr zum Missfallen einiger Einheimischer und Landwirte, denen in dem betreffenden Gebiet Flächen gehören, sowie zumindest drei von vier Gemeindevertretungen. Diese und die Bürgermeister Hans-Peter Grell (Duvensee), Axel Funck (Lüchow), Ulrich Hardtke (Labenz) und Ernst-August Bruhns (Klinkrade) befürchten negative Auswirkungen auf die Planungshoheit der Gemeinden – vor allem bei der Ausweisung oder Erweiterungen von Neubau- und Gewerbegebieten.

Am 17. Mai sollte eigentlich eine öffentliche Informationsveranstaltung in der Duvenseer Schmiede stattfinden, zu der Umweltminister Robert Habeck (Grüne) persönlich kommen wollte. Doch die nach der Wahl nötig gewordenen Koalitionsverhandlungen ließen den Termin platzen. Grob hat man nun den Herbst als Wiederholung angesetzt. Konkret gibt es aber noch kein Datum.

Dessen ungeachtet haben sich nun die Befürworter eines Naturschutzgebietes im Café Brandtschatz in Anker getroffen und die „Bürgerinitiative Pro Natur Duvenseer Moor“ gegründet. „Wir wollen die Wünsche und Bedürfnisse der Allgemeinheit vertreten“, sagt Janett Deckert, eines von acht Gründungsmitgliedern.

Vor allem wolle man gegen Falschbehauptungen vorgehen wie „Die stellen Schilder auf mit ,Betreten verboten‘. Dann ist es vorbei mit Ausritten durchs Moor. Und Spaziergänge mit eurem Hund könnt ihr dann sowieso vergessen“. Deckert sagt: „Das oberste Ziel soll nicht die Konfrontation mit den NSG-Gegnern sein, sondern die umfassende Information der Öffentlichkeit.“ Ein erstes Flugblatt sei der Anfang gewesen, künftig werde auch eine Webseite installiert und ein Facebook-Konto eröffnet, „um Meinungsäußerungen der breiten Bevölkerung Gehör zu verschaffen“.

Auch wollen sich die Mitglieder der Bürgerinitiative erkundigen, inwiefern manche Lokalpolitiker in der Angelegenheit befangen seien: „Einige Gemeindevertreter sind als Grundeigentümer im Moor direkt involviert und vermischen so ihr öffentliches Mandat mit ihren privaten Interessen“, sagt Klaus Däkena. Es gebe kein Vertrauen mehr zu jenen Gemeindevertretern, die in Hinterzimmergesprächen Fakten schaffen wollten.

Was den Natur und Klimaschutz betrifft, werde „langfristig eine Wiedervernässung und Entwicklung eines naturnäheren Wasserstandes mit dynamischen Überschwemmungsbereichen angestrebt, Grundlage hierfür sind bereits Überlegungen aus den 1980er Jahren“, erklärt Andreas Hagge, der sich als Hydrobiologe mit der Thematik bestens auskennt.

Kritik seitens der NSG-Gegner, durch die komplette Wiedervernässung und ohne Pflege der Wiesenflächen am Rand würde das Moor schnell zu einem Urwald, weisen die Mitglieder der Bürgerinitiative zurück. Andreas Hagge sagt: „Das ist hier menschgemachtes Land. Das muss auch weiter so behandelt werden. Am besten wäre beispielsweise eine Mutterkuhherde mit ihren Kälbern auf diesen Wiesen.“

Die Geschichte des Duvensees

Das „Duvenseer Moor“ ist eine ehemalige Seeniederung von rund 300 Hektar Größe im Bereich der Gemeinden Duvensee, Klinkrade, Labenz und Lüchow.

Die Niederung ist durch nacheiszeitliche Verlandung und Vermoorung glazialer Seen entstanden. Es entwickelte sich ein Niedermoorgebiet mit partiellen Hochmoorstandorten.

Außer den typischen wertgebenden Tier- und Pflanzenarten, sind die Überschwemmungsflächen des ehemaligen Duvensees von großer Bedeutung für Tausende von Zugvögeln.

Seit 1850 ist der Duvensee ausgetrocknet. In der Mittelsteinzeit, vor 10 000 Jahren, war er ein See ohne Abfluss (daher auch der Name: „duv-“ für „Taube; taub, tot, still“) und ein beliebter Jagd- und Sammelplatz der damaligen Menschen. Um Wiesenland zu kultivieren und Torfstich auf dem Moor zu ermöglichen, begann 1773 die erste Trockenlegung des Duvensees durch den Bau eines Kanals zum Bergrader Teichbach.

 Joachim Strunk

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