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Lauenburg „Der Standort ist gesichert“
Lokales Lauenburg „Der Standort ist gesichert“
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18:21 28.09.2018
Luftaufnahme der Bundespolizei-Bereitschaftsabteilung in Ratzeburg. Der hier mit Bäumen besetzte Streifen oben entlang der Mecklenburger Straße ist das 7800 qm große Grundstück, das die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) gekauft hat. Quelle: Bundespolizei/hfr
Ratzeburg

Große Freude und auch Erleichterung machte sich am Donnerstag in Ratzeburg breit, als die Nachricht über den Zukauf eines 7800 Quadratmeter großen Grundstücks für die Bundespolizei vom Bundestagsabgeordneten Norbert Brackmann (CDU) verbreitet wurde.

Vor knapp anderthalb Jahren ergab sich die Situation in der Kreisstadt, dass der Eigentümer des Grundstücks, das früher dem Konservenfabrikanten Walter Jokisch gehört hatte, verkaufen wollte. Brackmann schaltete sich auf Hinweis der Stadt ein und setzte sich beim Bundesinnenministerium für den Erwerb des Grundstücks und eine zügige Entscheidung ein.

Grüner Weg, Ecke Mecklenburger Straße: Der rechts hinter der alten Jokisch-Villa (Walter Jokisch - Ratzeburger Konserven- und Likörfabrik) entlang der Mecklenburger Straße mit Bäumen besetzte Streifen ist das 7800 qm große Grundstück, das die Bundespolizei gekauft hat. Quelle: Joachim Strunk

Nach einer detaillierten Bedarfsbeschreibung durch die Bundespolizei wurde die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) tätig und erwarb im Auftrag des Bundes die Liegenschaft für die Bundespolizeiabteilung Ratzeburg. „Die räumlichen Kapazitäten auf dem Gelände waren begrenzt, anstehende Baumaßnahmen können deshalb nur mit dem jetzt getätigten Zukauf der Fläche zwischen der Mecklenburger Straße und dem Bundespolizeigrundstück realisiert werden“, sagte Brackmann. Der Zeitpunkt der Realisierung steht allerdings noch nicht fest.

Ein Glücksfall

„Dass sich der Standort innerhalb des Stadtgebietes erweitern kann, ist ein echter Glücksfall“, so Brackmann weiter. Der gemeinsame Einsatz mit der Stadt Ratzeburg habe sich gelohnt.

Bürgermeister Rainer Voß bestätigt dies: „Ich freue mich sehr über diese Nachricht. Das ist sehr gut für unsere Bundespolizei, denn so können die erforderlichen Baumaßnahmen überhaupt erst verwirklicht werden. Und was gut ist für unsere Bundespolizei, das ist auch gut für Ratzeburg. Mein Dank gilt Herrn Brackmann für die tolle Unterstützung auf unsere Bitte hin und den Organisationen des Bundes für die Umsetzung.“

Stärkerer Bestandsschutz

Ottfried Feußner, seines Zeichens Bürgervorsteher von Ratzeburg und früher selbst lange Jahre als Beamter in der Bundespolizeiabteilung tätig, sagte: „Es freut mich in erster Linie für meinen früheren Arbeitgeber, die Bundespolizei, dass der Standort jetzt erweitert werden kann und dieser damit auch noch stärkeren Bestandsschutz hat. Und in zweiter Linie freut es mich für die Stadt Ratzeburg, denn mit rund 600 Mitarbeitern ist die Bupo ja auch einer der größten Arbeitgeber vor Ort.“

Feußners Erleichterung resultiert aus den Ereignissen Ende der 1990er Jahre. Damals herrschte große Unsicherheit in Ratzeburg und beim BGS. Aufgrund notwendiger Umstrukturierungen bei der damals noch Bundesgrenzschutz (BGS) genannten Behörde, drohte die Auflösung der Dienststelle auf dem Jägerberg. Feußner selbst engagierte sich damals stark in der „Interessengemeinschaft zum Erhalt des Standortes Ratzeburg“. Am Ende erfolgreich. Ratzeburg blieb als Standort bestehen, dafür wurde Schwarzenbek dichtgemacht.

Hocherfreut über „Deal“

Polizeidirektor Thorsten Rapp Quelle: jeb

Auch der jetzige Abteilungsführer Thorsten Rapp unterstützte damals die Arbeit der Interessengemeinschaft, war er doch zwischen 1995 bis 2003 bereits hier stationiert. „Etwas Besseres hätte uns gar nicht passieren können“, zeigte er sich hocherfreut über den „Deal“ der BImA (Sitz in Bonn). „Wir platzen wirklich aus allen Nähten.“ Das liege daran, dass nicht nur seine Bundesbereitschaftspolizei hier untergebracht ist, sondern auch weitere Dienststellen und Behörden wie die regionale Bereichswerkstatt des Polizeipräsidiums Ratzeburg oder das „Referat 52“, Infrastruktur der Informations- und Kommunikationstechnik, der Bundespolizei.

Laut Polizeidirektor Rapp bräuchte die Bereichswerkstatt beispielsweise eine Durchfahrtshalle. Die einst in Lübeck angesiedelte und nun nach Ratzeburg umgezogene Technische Einsatzhundertschaft hat in der Hansestadt immer noch Hallen, wo die schweren Fahrzeuge und sensible Technik gesichert und frostfrei gelagert werden. Das sollte nach Möglichkeit auch dann nach Ratzeburg verlegt werden.

Hintergrund

Die Liegenschaft der Bundespolizeiabteilung ist in das östliche Stadtgebiet („Vorstadt“) von Ratzeburg integriert. Früher beherbergte hier die damalige Below-Kaserne den Bundesgrenzschutz. Im Jahr 2005 wurde der BGS während der Amtszeit des damaligen SPD-Innenministers Otto Schily in Bundespolizei umbenannt.

Das Bundespolizeigelände wird im Norden, Westen und Süden durch das öffentliche Straßennetz (Riemannstraße, Mechower Straße, Grüner Weg) und die Wohnbebauung begrenzt. Nur an der Ostseite, zur Mecklenburger Straße hin, gab es noch mit dem länglichen Grundstück Entwicklungspotenzial.

Die Villa an der Ecke Grüner Weg, Mecklenburger Straße gehört nicht zu dem verkauften Grundstück und bleibt bestehen. Die Stadt Ratzeburg hatte dieses Flurstück im Flächennutzungsplan für eine Nutzung durch Polizei oder Zoll vorgesehen.

„Neben größeren Hörsälen für die Aus- und Fortbildung wünschen sich beispielsweise unsere Taucher einen Tauchturm zu Übungszwecken“, so Rapp. Das Anforderungsportfolio an die Bereitschaftspolizisten sei immer stärker gestiegen, so dass eine entsprechend qualifizierte Ausbildung gewährleistet werden müsse.

„Hier gehören wir hin“

„Wir stellen uns diesbezüglich ein multifunktionelles, zukunftsorientiertes Trainingsgelände vor, wo man Atemschutzübungen ausführen kann, wo die Spezialisten das Öffnen von Türen in Gefahrsituationen üben können, wo andere Experten an einer Kletterwand das Aufsteigen und das Abseilen trainieren“, sagt Rapp. Letzteres fände konkret gerade beim Einsatz im Braunkohlegebiet Hambacher Forst Anwendung, wo die Demonstranten in Baumhäusern protestieren.

Thorsten Rapp ist sich – wie Ottfried Feußner – ebenfalls sicher: „Der Grundstückserwerb ist ein deutliches Signal aus dem Bundespolizeipräsidium in Potsdam und aus der Bundespolizeidirektion in Bad Bramstedt, dass der Standort gesichert ist.“ Das sei schön, denn: „In Ratzeburg sind wir Teil der Stadt. Hier gehören wir hin und hier fühlen wir uns wertgeschätzt.“

Joachim Strunk

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