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Bye, bye älteste Klopse der Welt

Mölln Bye, bye älteste Klopse der Welt

Ein Kapitel geht für die Vertriebenen zu Ende: Die wohl ältesten Königberger Klopse sind nicht mehr in Mölln, sondern mit der Sammlung der Massower zurück in Polen. Im Rathaus von Maszewo werden sie für die Nachwelt erhalten.

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Siegfried Projahn zeigt auf diesem Archivbild das Glas mit den Königberger Klopsen. Eine Massowerin hatte sie kurz vor ihrer Flucht eingeweckt und mitgenommen.

Quelle: privat/wr

Mölln. Die schlechte Nachricht zuerst: Die ältesten Königsberger Klopse der Welt werden nicht mehr in Mölln aufbewahrt. Die gute Nachricht: Die Massower Heimatgemeinschaft hat ihre volkskundlichen Exponate für die Nachwelt gesichert und sie zurück nach Massow, dem heutigen Maszewo in Westpommern, gebracht. Zum Ursprung. Seit dem Jahre 2000 hatten die zahlreichen Ausstellungsstücke, die Familie Projahn und die Massower Landsleute in jahrzehntelanger Arbeit zusammengetragen haben, einen festen Platz im Gemeinschaftshaus der Stadt Mölln. Die Exponate sind nicht nur Erinnerung an die alte Heimat, sondern ein wenig auch Zeugnis der Vertreibung aus der vertrauten Umgebung. Sie ging mit teilweise traumatischen Erlebnissen einher, die Siegfried Projahn, der mit elf Jahren fliehen musste, noch heute im Kopf und im Herzen herumgeistern. Heute ist er 81.

 

„Wir Kinder haben alle sehr geweint“, berichtet Projahn. Er erinnert sich noch genau an den wohl schlimmsten Tag seiner Flucht vor 70 Jahren. Seine Familie war nach einer langen und kräftezehrenden Reise im heutigen Mecklenburg angekommen. Die Besatzungstruppen hätten dort einen deutschen Soldaten gezwungen, sich selbst ein Grab zu schaufeln und töteten ihn dann vor den Augen der Familie „mit einem Genickschuss“. Es sind unter anderem diese schlimmen Umstände, die Siegfried Projahns Motor für die jahrzehntelange Arbeit in der Landsmannschaft waren.

Am 3. März 1945 klopfte ein Bekannter seines Vaters in Massow an der Tür. „Ihr müsst sofort fliehen“, hieß es. 25 Kilometer waren die gefürchteten russischen Truppen zu dieser Zeit noch von seinem Elternhaus entfernt. Mit fünf Kindern, das jüngste erst sechs Jahre alt, startete die Flucht seiner Familie aus der Heimat. Erst ging es nach Gollnow, dann mit Lorenzügen, auf denen sonst nur Güter transportiert werden, nach Berlin. Es waren bange Tage, in denen die Kinder mehr als einmal um ihr Leben oder das ihrer Mutter bangen mussten. Es folgten Güstrow, Parchim und Dassow. Zwischenzeitlich ging es mit einem Planwagen und zwei Pferden weiter. Die letzte Station für die Familie war schließlich Mölln, wo sie ihre neue Heimat fand.

In Mölln pflegten die Massower Bräuche, Traditionen und Erinnerung an die alte Heimat. Die Vertriebenen litten unter dem Schicksal, dass ihr Leid im Schatten der Grausamkeiten der Nazis stand, die nach 1945 die gesamte Welt erschütterten. Dass deutsche Zivilisten ihre Heimat verloren hatten, war häufig nur ein Randaspekt. Dieses schmerzliche Gefühl verwandelte Projahn in Energie für sein Engagement.

Neben Heimattreffen organisierte er Reisen nach Polen und förderte die Völkerverständigung und Aussöhnung. Die Sammlung wuchs und wuchs und bekam ihren Platz im Stadthaus. „Wir pflegen ein sagenhaft freundschaftliches Verhältnis zur Bürgemeisterin und den Stadtvertretern in Massow“, berichtet Projahn. So entstand auch die Idee, die Sammlung zurück zu bringen. „Ich habe keinen Nachfolger für den Vorsitz gefunden“, erklärt Projahn. So galt es, die Exponate für die Nachwelt zu sichern. Wenn nicht in Deutschland, dann in Polen. Eine Delegation aus Maszewo reiste nach Mölln und schaute sich die Ausstellung an. Die Idee gefiel, doch es verging einige Zeit. Nach geduldigen Bemühungen der Möllner gelang es, einen Raum im Massower Rathaus für die Sammlung zur Verfügung zu stellen und herzurichten.

Zusammen mit seiner Ehefrau Helga und Marko Laux machten sie sich in einem vom Lebenshilfewerk zur Verfügung gestellten Transporter auf den Weg nach Polen. „Nur mit den Königberger Klopsen war ich sehr vorsichtig. Die habe ich extra in meinem Privatauto transportiert“, berichtet Projahn. Nicht auszudenken, wenn die zerbrechlichen Einweckgläser mit den ältesten Klopsen der Welt beschädigt worden wären. Auch den Geruch mag sich niemand so recht vorstellen.

Projahn ist zufrieden: „Nach 71 Jahren ist die Sammlung wieder dahin gekommen, von wo wir aus schwerster Bedrohung fliehen mussten“, sagt der Möllner — auch die Flucht begann im März. Ein bisschen ist die Rückkehr der Klopse, Koffer und Fotos nach Polen auch seine eigene Rückkehr, möchte man meinen. Zumindest ist sie ein würdiger Abschluss für Projahns jahrzentelanges Wirken.

Ausstellung mit 1000 Exponaten

Seit dem Jahr 2000 hatten die zahlreichen Ausstellungsstücke, die Familie Projahn und die Massower Landsleute in jahrzehntelanger Arbeit zusammengetragen haben, einen festen Platz im Gemeinschaftshaus der Stadt Mölln. Im Obergeschoss wurden in der „Massower Heimatstube“ die verschiedensten Erinnerungsstücke und Gebrauchsgegenstände wie Fotos, Koffer, Geschirr, Kleidung, Pferdegeschirre und vieles andere ausgestellt.

Selbst verschiedene Gläser mit Eingemachtem zählten zum Inventar. Unter den 1000 Exponaten ist eine Uniform der Massower Schützengilde von 1401.

Von Florian Grombein

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