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Lauenburg „Dampferfreie Zone“ Küchensee
Lokales Lauenburg „Dampferfreie Zone“ Küchensee
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22:48 06.06.2017
Der Ausflugsdampfer „Heinrich der Löwe“ ist noch das einzige Schiff, mit dem sich gemütlich die Seeseite der Inselstadt und ihre Umgebung erkunden lässt. Der Küchensee kann nur mit einem kleinen Schiff erreicht werden, das wurde aber unlängst verkauft. Quelle: Fotos: Wiemer/hfr (2)

Sommer, Sonne, Wasser, das ist ein wesentliches Stück des Ratzeburger Flairs. Doch seitdem die Schifffahrt Ratzeburger See GmbH ihr kleineres der beiden Ausflugsschiffe im März verkauft hat, können Gäste nur noch eingeschränkt die frische Luft auf den Seen rund um Ratzeburg genießen. An dem verringerten Angebot sei die Stadt schuld, klagen kritische Stimmen schon länger. In das Thema Schifffahrtsangebot ist Bewegung gekommen. Der Kreis als Eigner des See bestätigt: Es gibt Interessenten für weitere Genehmigungen, auf den Seen Touristen umherzuschippern.

Dauerbaustelle in Ratzeburg führte zur Beschränkung des touristischen Ausflugsangebots auf den Seen – Gastronomie klagt über mangelnde Zusammenarbeit seitens der Stadt.

Gut zehn Jahre tat die „Inselstadt Ratzeburg“ ihren Dienst rund um die Kreisstadt und war für den Küchensee zuständig. Der Betriebsleiter der Ratzeburger See-Schifffahrt, Hans-Werner Jarr, freute sich im März 2006 bei der Inbetriebnahme des über 80 Gäste fassenden Schiffes. Er sagte: „Damit können wir ab der kommenden Saison die Ratzeburger Vier-Seen-Inselrundfahrt anbieten. Dann wird auch das beliebte Ausflugsziel Farchauer Mühle angefahren.“

Diese Zeiten sind vorbei, allerdings schon länger. Seit Jahren konnte die „Inselstadt Ratzeburg“ – einst für die niedrige Durchfahrt unter dem Königsdamm extra flach gebaut – nicht mehr nach Farchau fahren und den Anleger des Restaurant-Hotels Der Seehof im Küchensee ansteuern, da die Umbauarbeiten der Brücke am Königsdamm so lange dauerten, das gleich zweimal die Saison ausfiel. Die Brücke ist zwar nun fertig, aber jetzt steht die Sanierung der nächsten Unterführung, der Kleinbahnbrücke nahe des Aqua Siwa-Schwimmbades an.

Das wäre der nächste unkalkulierbare Ausfall auf unbestimmte Zeit gewesen, sagt Elka Jarr von der Ratzeburger See-Schifffahrt: „Die Stadt kann uns einfach nicht sagen, wie die Planung ist. Da ist für uns die Kalkulation unmöglich.“ Auch der Fahrplan der noch verbliebenen „Heinrich der Löwe“ auf dem Ratzeburger See musste geändert werden. Nicht zuletzt wegen der lange geschlossenen Gaststätte Rothenhusener Fährhaus. Früher konnte man etwa von Lübeck aus über die Wakenitz (Quandt-Linie) mit Umstieg in Rothenhusen bis nach Farchau schippern – wenn man Lust hatte von Gasthaus zu Gasthaus.

Für die Verzögerung beim Umbau des Rothenhusener Fährhauses kann die Stadt Ratzeburg nichts, für die deutliche Verringerung der Fahrgastschifffahrt schon – das sagt jedenfalls Eva-Maria Sievers, Inhaberin des Restaurant-Hotels Farchauer Mühle. Sie findet deutliche Worte für Bürgermeister Rainer Voß, die sie lieber nicht wörtlich in der Zeitung gedruckt wissen möchte.

Der Verwaltungschef hatte seinerzeit alle Verantwortung von sich gewiesen und betont, die Fahrplangestaltung und der Einsatz von Schiffen liege allein in der unternehmerischen Freiheit der Anbieter.

„Ja“, schimpft die Restaurant-Inhaberin, „das ist leicht gesagt aus Verwaltungssicht, aber die Schifffahrtsanbieter brauchen doch eine mindeste Planungssicherheit. Anscheinend ist der Stadt das touristische Angebot nicht so wichtig, hat man den Eindruck.“ Was Rainer Voß auf LN-Anfrage von sich weist: „Die Angebote der Ausflugsschifffahrt sind für Ratzeburg von großer Bedeutung“, betont er.

Aber die Stadt habe eben keinen Einfluss auf unternehmerische Entscheidungen.

Auch beim Ratzeburger Seehof zeigt man sich enttäuscht über die weggefallene Möglichkeit, die große Seeterrasse direkt per Boot anlaufen zu können. „Das war ein echtes Alleinstellungsmerkmal für die ganze Region“, sagt Hoteldirektor Philip Gravekamp.

Die Stadt hat keinen Einfluss darauf, wer sich mit welchen Schiffen auf den Seen tummelt, denn der Ratzeburger See gehört dem Kreis. Ganz so unattraktiv kann das Fahrgastgeschäft auf den Gewässern rund um die Insel nicht sein, denn dem Kreis liegen zurzeit Anfragen für Genehmigungen vor – von einer Betreibergruppe aus dem Raum Bremen.

 Matthias Wiemer

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