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Lauenburg Schüler üben vor Günther Kritik an Betrieben
Lokales Lauenburg Schüler üben vor Günther Kritik an Betrieben
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17:04 28.11.2018
Trotz Kälte bereiten Schüler Daniel Günther (Mitte) einen warmen Empfang. Laura Garlipp und Daniel Kastner begleiteten den Politiker hinein.
Mölln

In gewohnt lockerer und ruhiger Art hörte sich Ministerpräsident Daniel Günther die Berichte der verschiedenen Berufsschüler an. Köche, Hauswirtschafterinnen, Zimmerleute und Friseure boten Einblick in ihre Lehrwerkstätten an der Schule. Laut stellvertretendem Schulleiter Matthias Links wollte man beim Besuch aus Kiel für die duale Ausbildung werben. Nach dem Rundgang jedoch redeten einige Schüler bei der Podiumsdiskussion allerdings Tacheles. Dabei kamen einige Ausbildungsbetriebe schlecht weg. Niedrige Löhne oder unterschiedliche Gehaltsniveaus innerhalb einer Stadt wurden angesprochen. Außerdem würden vorgeschriebene Ausbildungsinhalte in den Firmen immer wieder vorenthalten.

Putzen statt kreativerTätigkeiten

„Viele werden ausgenutzt und müssen putzen“, sagte etwa Miranes Sofie Bacher, Auszubildende im Friseursalon. Das sei in ihrem Betrieb zum Glück anders. Doch sie habe dies immer wieder von verschiedenen Kollegen gehört. Schließlich habe man doch einen kreativen Beruf lernen wollen. Industriekaufmann Paul Schütt gab seiner Vorrednerin Recht. So höre er von vielen Kollegen, dass sie über zwei Jahre in der gleichen Abteilung arbeiten müssten und sich täglich mit den selben Vorgängen beschäftigten, ohne wie in den Ausbildungszielen vereinbart ein breiten Einblick in das praktische Berufsfeld zu bekommen.

Daniel Günther hat das Berufsbildungszentrum in Mölln besucht. Mit Schülern diskutierte er über die duale Ausbildung.

Babysitten, um über die Runden zu kommen

„Wir haben hier Azubis, die nach der Arbeit Babysitten oder Nachhilfe geben müssen, um über die Runden zu kommen“, sagte Schütt. „Das ist ein dramatisches Problem, um das ich mich gern kümmern möchte“, sagt Günther. Wenn Betriebe sich nicht an die Vorgaben hielten, müssten Schüler diese Missstände ihren Lehrern melden, die schließlich in Vorbereitung auf Prüfungen ein hohes Interesse daran haben müssten, dass die Ausbildung auch im Betrieb gut funktioniere.

Mindestlöhne müssten steigen

Die Politik habe aber nur begrenzt Einfluss – etwa durch Mindestlöhne, die realistischer Weise vielleicht auf 11 oder 12 Euro steigen müssten. „Es ist ungünstig, dass Azubis die Kontrolle der Betriebe selbst leisten müssen. Es sollte eine Kontrolle durch den Staat geben“, monierte Industriekaumann Schütt. Auch durch Gütesiegel werde den Kunden vorgegaukelt, dass ein Betrieb hohe Qualität in der Ausbildung biete, es aber durch fehlende Kontrollen oft nicht einhalte. „Meine Chefin ist in 30 Jahren nur einmal bezüglich ihrer Ausbildungsqualität kontrolliert worden“, sagte Miranes Sofie Bacher.

Unterschiedliche Gehälterin einem Ort

Auch das unterschiedliche Lohnniveau in Betrieben der gleichen Stadt wurde moniert. Günther gab zu bedenken, dass in Zeiten von Fachkräftemangel doch auch Druck auf die Betriebe ausgeübt werden könne und ein Azubi androhen könne, zu dem besser bezahlenden Betrieb zu wechseln. „Auf meine Ausbildungsstelle gab es 60 Bewerbungen. Ich glaube mit dieser Strategie hätte ich meine Stelle nicht bekommen“, sagte eine Auszubildende im Publikum. Günther erklärte, dass es beispielsweise im Friseurhandwerk auch eine Rolle spiele, ob die Konsumenten geringe Preise für den Haarschnitt zahlen wollten. „Ein Problem ist, wenn alle einen Haarschnitt für neuen Euro haben möchten. Ich zum Beispiel zahle für einen Herrenhaarschnitt 28 Euro“, so Günther. Dafür könne er davon ausgehen, dass die Mitarbeiter des Friseurs gut bezahlt werden.

Günther: „Standards müssen kontrolliert werden“

Ob Standards eingehalten würden, müsse kontrolliert werden und auch, ob Qualitätssiegel zu Recht vergeben worden seien. Das hohe Gut der dualen Ausbildung an dieser Stelle geschützt werden“, erklärte Günther. Eine junge Mutter, die das Angebot einer Teilzeit-Ausbildung genutzt hatte, berichtete, dass sie 40 Bewerbungen geschrieben habe und kaum ein Betrieb dieses Ausbildungsmodell überhaupt gekannt habe. Außerdem berichtete sie, wie schwer es sei auszukommen, wenn sie allein für die Kita-Betreuung ihrer beiden Kinder 700 Euro zahlen müsse. Günther erklärte, dass es bereits BAföG gebe, dass die Informationen über mögliche Förderungen jedoch möglicherweise besser werden könnten. Er erklärte, dass es in Schleswig-Hostein finanziell nicht möglich sei, die Kitagebühren ganz zu erlassen.

Digitalisierung bedrohtAusbildungsberufe

Doch die Beiträge würden nun stetig sinken. Von Zimmermann-Azubi Michele Berling auf die Gefahren der Digitalisierung für bedrohte Ausbildungsberufe abgesprochen gab sich Günther optimistisch: „Machen sie sich nicht zu viele Sorgen, dass das ihren Job kostet. Ich sehe die Digitalisierung eher als Chance.“ Die dem Land vom Bund für die Digitalisierung zugesagten 170 Millionen Euro würden zügig genutzt werden. Bis 2025 sollten etwa alle Schulen am Glasfasernetz angeschlossen sein. „Günther: Die Kohle wollen wir so schnell wie möglich einsetzen, zum Beispiel für Tablets.“

Florian Grombein

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