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Lauenburg Dank schneller Helfer blieb es bei Sachschäden
Lokales Lauenburg Dank schneller Helfer blieb es bei Sachschäden
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18:12 30.10.2017
Diesen Baum am Farmsener Weg in Geesthacht, der auf ein Mehrfamilienhaus gestürzt war, sperrte die Feuerwehr nur ab. Eine Fachfirma muss sich um die Bergung kümmern. Quelle: Fotos: Timo Jann
Ratzeburg/Geesthacht

Wie im Deichvorland am Geesthachter Stauwehr: Dort war am Sonntag gegen 10.30 Uhr ein Spaziergänger (73) mit seinem Hund von der Sturmflut überrascht worden. Das Wasser staute sich elbaufwärts und hatte ihm plötzlich alle Wege abgeschnitten. Oder am Altengammer Elbdeich, wo eine Kuhherde von der Feuerwehr aus den Fluten gerettet werden musste.

Orkantief „Herwart“ hat am Sonntag zum zweiten Mal innerhalb von vier Wochen auch das südliche Schleswig-Holstein ordentlich durchgeschüttelt. Anders als bei „Xavier“ Ende September blieb es diesmal vor allem bei Sachschäden. Auch, weil umsichtige Helfer Menschen und Tiere aus Notlagen retteten.

441 Einsätze gingen bis Sonntag, 11 Uhr, über den Tisch der Integrierten Regionalleitstelle-Süd in Bad Oldesloe. Von dort werden die

Einsätze in den Kreisen Ostholstein, Stormarn und Herzogtum

Lauenburg koordiniert.

Begonnen hatte das Ungemach nachts gegen 2 Uhr. Anders als „Xavier“, der in der Region nur 45 Minuten gewütet hatte, hielten die Orkanböen diesmal bis gegen 8 Uhr an. „Bis 11 Uhr am Sonntag haben wir 441 Einsätze registriert. Vor allem mussten Feuerwehren mit den Stichwörtern Baum auf Straße oder 'Droht zu fallen', was in Schieflage geratene Bäume oder lose Dachziegel bedeuten kann, ausrücken“, meldete der Schichtleiter der Integrierten Regionalleitstelle-Süd in Bad Oldesloe. Von dort aus werden die Feuerwehren in den Kreisen Herzogtum Lauenburg, Stormarn und Ostholstein alarmiert. „Wir sind in Ratzeburg 30 Mal im Einsatz gewesen, meistens, um umgestürzte Bäume oder abgebrochene Äste zu beseitigen“, erklärte Christian Nimtz, der Chef der Ratzeburger Wehr. In Lauenburg musste ein vom Winde verwehtes privates Trampolin vom Büchener Weg geräumt werden, am Raiffeisenweg hatten sich später Dachplatten des Veranstaltungszentrums gelöst, die die Feuerwehr sicherte. „Wir hatten unseren ersten Alarm um 4.17 Uhr mit einem Baum auf der Strecke nach Lanken. Danach ging es eigentlich von einem zum nächsten Einsatz“, erklärte Schwarzenbeks Feuerwehrchef Thorsten Bettin. Unter anderem halfen seine Retter mit der Drehleiter auch in Aumühle, Trittau und Müssen. Geesthachts Feuerwehr fuhr mit der Drehleiter bis in niedersächsische Tespe. „In Geesthacht selbst hatten wir zwar einige Einsätze, aber längst nicht so viele wie vor einem Monat. Einige Bäume, wie am Farmsener Weg, haben wir auch nur abgesperrt. Da müssen Fachfirmen ran“, sagte Feuerwehrchef Sven Albrecht. Ein großer Baum war dort auf den Giebel eines Mehrfamilienhauses gefallen und hängen geblieben.

Dramatisch war es im Deichvorland oberhalb der Geesthachter Elbbrücke, wo Notarzt Dr. Florentin Stachow mit im Einsatz war. Ein 73-Jähriger ging dort mit seinem Hund Gassi und wurde von der Sturmflut – die Elbe überwand das Stauwehr und lief quasi bergauf – überrascht. „Dem Mann waren schlagartig alle Wege über die Wiesen abgeschnitten, er rettete sich auf eine kleine Anhöhe und wartete dort auf seine Rettung durch die Feuerwehr“, so Stachow. Ein Großaufgebot war mit Booten im Einsatz. „Wir konnten schließlich mit einem flach gebauten Boot über die Wiesen fahren und den Mann und seinen Hund aufnehmen“, berichtete Feuerwehrsprecher Lutz Wreide. In Altengamme traf die Flut im Deichvorland eine Kuhherde. Feuerwehrleute und Landwirte brachten die Tiere in Sicherheit.

„Diese Sturmflut macht einmal mehr deutlich, wie wichtig es ist, dass wir den Menschen Informationen zum Thema bieten können“, sagte Wolf-Rüdiger Busch, der in Geesthacht die Idee für ein „HochWasserHaus“ genanntes Informationszentrum verfolgt. Durch die Sturmflut und das überwundene Stauwehr stieg selbst in Lauenburg der Pegel der Elbe um mehr als 1,20 Meter an und überschwemmte die Elbuferpromenade. Eigentlich, so die Meinung der Experten des Landes, sei das unmöglich, weshalb der Hochwasserschutz in Lauenburg nicht in die Schutzmaßnahmen zum Sturmflutschutz integriert ist.

Zeitgleich mit einem Hochwasser von oberhalb hätte so eine Sturmflut von der Nordsee her wie am Sonntag verheerende Folgen für die Altstadt.

Timo Jann

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