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Dankbarkeit für die Schätze der Natur

Ratzeburg Dankbarkeit für die Schätze der Natur

Die Kunden auf den Wochenmärkten wissen Gutes und Frisches aus der Region mit einem Klönschnack als Gratiszugabe zu schätzen - und viele von ihnen finden: Erntedank ist ein wichtiges Fest.

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Treffen sich jeden Dienstag auf dem Markt: Ottfried Feußner, Thomas Kuehn, Arno Lehnhardt, Armin Balowski und Jürgen Reinhold (v.l.).

Ratzeburg. Unser tägliches Brot gib uns heute. Diese Zeile aus dem Vaterunser kennt wohl fast jeder. Dankbarkeit für die immense Fülle, mit der unsere Tische an 365 Tagen im Jahr gedeckt sind: die geht nach und nach flöten. „Viele junge Menschen verlieren den Bezug zu Natur und Landwirtschaft. Was wächst wo, wie sieht es aus, wann wird es geerntet?“ Kerstin Rosen aus Breitenfelde kommt aus der Landwirtschaft, sie weiß, wovon sie redet. Und sie findet: „Ja, Erntedank ist ein wichtiges Fest.“

LN-Bild

Die Kunden auf den Wochenmärkten wissen Gutes und Frisches aus der Region mit einem Klönschnack als Gratiszugabe zu schätzen – und viele von ihnen finden: Erntedank ist ein wichtiges Fest.

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Ausgesprochen bibelfest ist auch Arno Lehnhardt. „Erntedank heißt, wir danken Gott für alles, was er auf den Feldern hat wachsen lassen, was wir in die Scheunen einfahren konnten, kurz: dass wir nicht hungern müssen.“ Der gebürtige Bayer Lehnhardt lebt zwar seit vielen Jahren in Ratzeburg, aber seiner katholischen Erziehung ist er treu geblieben. Der sonntägliche Kirchbesuch in St. Ansver ist für ihn selbstverständlich. Aber auch sein dienstägliches Treffen mit seinen Freunden Jürgen Reinhold, Armin Balowski, Thomas Kuehn und Bürgervorsteher Ottfried Feußner ist ihm lieb und teuer.

Früher hat die Runde sich auf eine Suppe getroffen, da es aber nun keine heiße Leckerei mehr zu Löffeln gibt für die muntere Runde, die sich selbst den Namen „Suppkultur“ gegeben hatte, versammeln die Herren sich nun auf ein herzhaft belegtes Brötchen und Kaffee am Wurst- und Schinkenwagen. Kaffee? Arno Lehnhardt grient: „Ja, reiner Kaffee. Wir sind doch keine Pharisäer, wir sind ja schließlich in Schleswig-Holstein!“

Knackig präsentieren sich die Auslagen am Stand der Gärtnerei Klaus Witt auf dem Ratzeburger Wochenmarkt. Den Fahrradhelm unter den Arm geklemmt, sucht Manfred Behrens Obst aus. Bei den Verkäuferinnen ist er bekannt: „Ich kaufe hier jeden Dienstag frisches Obst für mein Praxisteam“, sagt der Zahnarzt. Der Sinn von Erntedank ist ihm klar: „Wir feiern in Utecht, erst in der Kirche, und dann auch mit Tanz und Kränzen.“

Christiane Witt hat ein Lächeln für jeden Kunden. „Wir leben von unseren Stammkunden. Klar, die Discounter haben die Poolposition, das merken wir. Zum Wochenende verlagert sich das Kaufverhalten, freitags kommen vermehrt ganze Familien.“ Wer auf dem Wochenmarkt kaufe, sei aber nicht unbedingt überzeugter Öko: „Wir merken das auch am Tütenthema. Da ist das Bewusstsein noch nicht da.“

Marlies Schulz aus Mustin hat sich für Kohlrabi, Zitronen und Salatgurke entschieden. „Ich kaufe dann auf dem Markt, wenn der eigene Garten nichts mehr hergibt“, erklärt die Landwirtin. Und: „Ich bin keine Grüne. Aber als Landwirtin empfinde ich natürlich Dankbarkeit für die Natur und das, was wir ernten dürfen – da geht einem das Herz auf.“ „Bei uns gibt es ja keinen Markt“, sagt die Berkenthinerin Birte Scherding, „darum nutze ich die Gelegenheit, wenn ich hier bin, auf dem Markt ganz gezielt frisches Obst und Gemüse und gutes Brot zu kaufen.“ Klappt das nicht, fährt sie gern direkt zum Erzeuger nach Hollenbek. Dankbar ist sie für frische Produkte aus der Region.

Zwei Meter weiter überlegt Ilse Harms-Lipski noch ein wenig, für welchen Kuchen sie sich entscheiden soll. Die alte Dame ist Stammkundin am Wagen der Hofbäckerei Wittmaack: „Ich kaufe auf dem Markt immer Brot und Kuchen und etwas für den Garten“, erzählt sie. Die Malerin und Grafikerin lebt in Ratzeburg, ist aber in der Gemeinschaft Lübecker Künstler engagiert – und seit vielen Jahren Vegetarierin. Frische und gesunde Produkte sind ihr wichtig, das Erntedankfest hingegen weniger.

Verkäuferin Angela Petersen packt ihrer Stammkundin noch zwei Stück Schokokuchen mit Himbeeren ein, dann geht Ilse Harms-Lipski vorsichtig über die gepflasterte Fläche zum Blumenstand. Dort nutzt Verkäuferin Andrea Derlin jede freie Minute, um herbstliche Kränze zu binden. „Für die ältere Generation ist Erntedank im Moment ein wichtiges Thema“, sagt sie. Und auch sie findet: „Wir müssen dankbar sein für das, was hier alles wächst. Die Menschen hier jammern doch alle auf sehr hohem Niveau.“ Für ihre Kränze hat sie sich gestern noch in der Natur bedient: „Die silberne Pflanze hier heißt Stacheldraht.“ Daraus windet sie Kränze, die dann mit Hagebutten, Heidekraut, Gerste, Hochzeitsäpfeln, Eicheln, Tannenzapfen und mehr dekoriert werden. Gutes auf den Tisch und schönes in die Wohnung – Erntedank!

Wochenmärkte in der Region – Frisch, knackig und mit Gratis-Klönschnack

Lauenburg: mittwochs und

sonnabends von 7 bis 12.30 Uhr

in der Fußgängerzone.

Mölln: sonnabends von 7 bis 13 Uhr auf dem Parkplatz der Kreissparkasse.

Ratzeburg: dienstags von 7.30 bis 14 Uhr auf dem Marktplatz im Zentrum und freitags von 7.30 bis 14 Uhr auf dem Rathausplatz.

Schwarzenbek: mittwochs und sonnabends von 7 bis 13 Uhr auf dem Ritter-Wulf-Platz.

Geesthacht: mittwochs und sonnabends von 7 bis 13 Uhr auf dem Parkplatz des Kaufhauses Nessler.

DREI FRAGEN AN . . .

1 Ist Erntedank eigentlich ein Feiertag?

Ja, Erntedank ist in der Gottesdienstordnung tatsächlich als kirchlicher Feiertag aufgeführt. Übrigens steht schon auf den ersten Seiten der Bibel: „Und Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte.“

2 Finden Sie es denn noch zeitgemäß, Erntedank zu feiern? Auf jeden Fall! Um es mal ganz untheologisch und ohne das Wort Gott zu benutzen zu formulieren: Es braucht doch sehr viel mehr als menschliche Arbeit, um zu einer Ernte zu kommen. Wir sollten dankbar sein, dass wir in dieser Welt leben dürfen!

3 Dann ist Erntedank ein christliches Fest mit ganz weltlichem Bezug, das man feiern sollte, ohne dass man grün oder christlich sein muss?

Wenn ich ganz spitzfindig sein soll, kann ich Erntedank auch noch anders definieren – nämlich unter dem Aspekt der selbstkritischen Rückschau und der Besinnung. Was habe ich eigentlich aus meinem Leben gemacht? Habe ich meine Talente genutzt?

 Dorothea Baumm

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