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Das Haus, das schon einmal umgezogen ist

LN SERIE: HINTER ALTEN MAUERN – Die „Borgschüün“ in Niendorf Das Haus, das schon einmal umgezogen ist

Die für Feiern beliebte Scheune in Niendorf bei Berkenthin wurde abgetragen und nach drei Jahren an anderer Stelle neu aufgebaut.

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Hauseigentümer Gunther Lorenz sorgt dafür, dass die Räume der alten Scheune stilvoll erleuchtet werden – mit vielen Kerzen. Der Ofen der Marke Bullerjan ist an kalten Wintertagen ein wenig überfordert. FOTOS: NORBERT DREESSEN

Niendorf. Ab und zu mal umziehen – das ist für Menschen ganz normal. Häuser dagegen bleiben üblicherweise genau an der Stelle stehen, an der sie einst errichtet wurden. Die reetgedeckte „Borgschüün“ in Niendorf bei Berkenthin bildet da eine Ausnahme.

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Die für Feiern beliebte Scheune in Niendorf bei Berkenthin wurde abgetragen und nach drei Jahren an anderer Stelle neu aufgebaut.

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Wie alt das Gebäude ist, weiß niemand so genau. Die Durchfahrtscheune wurde vermutlich irgendwann um 1780 herum errichtet. Wie lange sie aber an ihrem jetzigen Platz steht, können die Eigentümer genau angeben: „2007 haben wir das Haus hier neu aufgebaut“, erzählt Heidi Brockhaus.

Die Ärztin und ihr Mann, der Finanzmanager Gunter Lorenz, lebten bereits in Niendorf, als sie davon hörten, dass ein Landwirt eine alte Scheune abreißen wollte – sie nahm ihm das Licht für sein benachbartes Wohnhaus. „Die Scheune fanden wir schön und wollten sie gern erhalten“, sagt Lorenz. Man kam mit dem Bauern ins Geschäft, und so gab es keinen Abriss, sondern einen vorsichtigen Abbau des Gebäudes.

Alle Balken des Fachwerks wurden genau registriert, auch die Steine wurden so markiert und gelagert, dass man sie hinterher wieder an jene Stelle in der jeweiligen Wand setzten konnte, an der sie sich einst befanden. Im Jahr 2004 erfolgte der Abbau des Hauses.

„Wir wussten damals noch gar nicht, was wir mit der Scheune anfangen sollten“, so Heidi Brockhaus. Außerdem hatte man für den Wiederaufbau Fördermittel der EU beantragt, deren Bewilligung lange dauerte. Drei Jahre lang wurde das zerlegte Gebäude, eingepackt in eine Folie, also zwischengelagert.

Schließlich gab es doch einen kräftigen Zuschuss für den „Erhalt eines dorfbildprägenden Gebäudes“, und nun konnte der Bau beginnen. Jene Fläche neben ihrem eigenen Haus, die sich das Paar als Baugrundstück ausgesucht hatte, erwies sich allerdings als wenig geeignet. Der Moorboden war viel zu weich und zu feucht, so dass eine zwei Meter dicke Schicht komplett ausgetauscht werden musste.

Nur so war gewährleistet, dass das Fundament nicht irgendwann im Erdboden versunken wäre.

Dann ging es los mit dem Wiederaufbau, rund 100 Meter vom ursprünglichen Standort entfernt. Die Arbeiten dauerten immerhin fünf Monate. Das lag nicht zuletzt daran, dass das Gebäude wieder ein Reetdach erhielt, wie es früher einmal vorhanden gewesen war. Als der Abbau erfolgte, war dieses Reetdach längst durch ein nicht sehr ansehnliches Dach aus Bitumen-Wellpappe ersetzt worden.

Ein Konzept zur Nutzung ihres Zweithauses hatten die Besitzer immer noch nicht. Als es nach fünfmonatigem Wiederaufbau endlich stand, beschlossen Heidi Brockhaus und Gunter Lorenz zu heiraten und den neuen Altbau für eine große Hochzeitsfeier zu nutzen. Bei diesem fröhlichen Anlass wurde dann die Idee geboren, die ehemalige Scheune für Feste aller Art, vor allem aber für Hochzeitsfeiern, zu vermieten. Zwei kleine Wohnungen wurden eingebaut, so dass die frischgebackenen Eheleute selbst und noch mindestens ein anderes Paar nach der Feier hier gleich übernachten können. Der größte Teil der Scheune aber wurde als Festraum eingerichtet. „Bis zu 150 Menschen können wir unterbringen, richtig schön ist es mit etwa 80 bis 90“, erzählt Heidi Brockhaus. Rund 20 Mal jährlich wird die Borgschüün vermietet, fast ausschließlich zwischen Ende April und Mitte Oktober. Zwar gibt es es einen großen Ofen der Marke Bullerjan, der seinem Namen alle Ehre macht, aber er schafft es an kalten Tagen doch nicht so recht, den großen und nicht sonderlich gut gedämmten Bau genügend zu erwärmen.

Der Begrifft „Borgschüün“ wurde übrigens aus dem Straßennamen Borggraben (an dem das Haus steht) und dem plattdeutschen Wort für Scheune zusammengesetzt.

Zum zweiten Mal erfolgreich

Ein altes Haus retten, das sonst unwiederbringlich verschwunden wäre – das ist Heidi Brockhaus und Gunter Lorenz ja schon einmal gelungen. Deshalb griffen sie auch zu, als sie vor einiger Zeit hörten, dass in der Gemeinde Lankau ein schönes altes Bauernhaus abgebrochen werden sollte. In dem Gebäude hatte sich auch schon einmal eine Gaststätte befunden.

Das Ehepaar aus Niendorf sorgte dafür, dass alle Bestandteile des Lankauer Hauses behutsam abgebaut wurden. Alles lagert jetzt abgedeckt in Niendorf, und die jetzigen Besitzer würden das gesamte Material gern an jemanden abgeben, der ein neues altes Haus bauen will. Näheres ist unter Telefon 04544/808754 zu erfahren.

Norbert Dreessen

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