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Lauenburg Das Haus der tausend Düfte
Lokales Lauenburg Das Haus der tausend Düfte
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10:16 22.08.2016
Heiko Behrens öffnet die Türen ins Innere der alten Mälzerei. Quelle: Fotos: Wiemer
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Lauenburg

Ein Mann, ein Lebenswerk, ein altes Haus. Ein Dreiklang, der sofort zu spüren ist, wenn man erstmals das alte Mälzereigebäude an der Lauenburger Hafenstraße betritt. Dieses alte Fabrikgebäude schien förmlich gewartet zu haben auf eine späte neue Bestimmung, lange nachdem es 1886/87 in diesen steilen Hang im Elbe-Urstromtal gebaut wurde.

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In der alten Mälzerei in der Lauenburger Hafenstraße werden Tabake aus aller Welt veredelt.

Nachdem Heiko Behrens den Besucher freundlich herein gebeten hat, findet man sich in einer anderen Welt wieder. Es duftet nach einer Mischung aus Erde, getrockneten Pflanzen und Aromen. Alles zusammen ergibt eine exotische Duftmixtur – tausend Nasen müsste man haben. Auch wenn man kein Raucher ist. Denn in diesem Stadium ist Tabak noch unschuldig. In der alten Mälzerei betreibt Behrens seit mehr als einem Vierteljahrhundert seine kleine aber feine Tabakfabrik Dan Tobacco Manufacturing GmbH. Mit seinen Pfeifentabaken und Zigarren hat sich der 72-Jährige einen Kundenkreis erarbeitet, der von der direkten Nachbarschaft bis nach Übersee reicht.

„Ich darf mal vorgehen“, lädt der freundliche Tabakexperte zu einem Rundgang durch die Räume und Hallen, insgesamt 2100 Quadratmeter über drei Ebenen, ein. Das 130 Jahre alte Gebäude ist in weiten Teilen so geblieben, wie es war. So hängen neben den Fensterluken zur Straße hin noch die schweren Seilzüge aus früheren Tagen, mit denen der Lastenkran bedient wurde. Blickt man vor dem Haus stehend die Fassade empor, findet man den Haken für schwere Lasten oben, knapp unter dem First baumeln. „Man könnte damit noch arbeiten“, lächelt Behrens und schlägt die Richtung in die Lagerräume ein.

Es ist gleich zu merken: Hier herrscht ein besonderes Raumklima. Und genau das ist es, was Behrens mit seiner ganz besonderen Nase für Tabak einst hier an der Hafenstraße 30 hängenbleiben ließ. „Ich habe noch nie ein Gebäude mit einem so günstigen Raumklima für die Tabakverarbeitung vorgefunden“, betont der Firmeninhaber, der selbst passionierter Pfeifenraucher ist und ab und an auch eine gute Zigarre nicht verschmäht. „Das liegt hier an der Hanglage“, erklärt Behrens. Die bewirke nämlich, dass es in dem Gemäuer im Winter nicht zu kalt wird und im Sommer keine trockene Hitze gibt. Dieses Gebäude ist sozusagen ein überdimensionaler Humidor – einfach ideal für Tabak.

Zu diesen alten Mauern mit dem besonderen Mikroklima gehört hier aber auch eine alte Technik, ohne die die Verarbeitung der Spitzentabake kaum möglich wäre. Da stehen Pressen, Aromaschränke und Trocknungsgeräte. „Das ist Technik, die es so praktisch nicht von der Stange gibt“, sagt Behrens und legt die Stirn in Falten, während er nach innen zu blicken scheint. „Diese Technik muss natürlich auch von Spezialisten gewartet werden, die es nicht an jeder Straßenecke gibt.“ Glücklicherweise, sagt Behrens, habe man einen guten Mitarbeiterstamm mit erfahrenen Leuten, die eine hohe Identifikation mit dem Betrieb aufwiesen. „Die Erfahrung der älteren Kollegen ist uns besonders wichtig“, betont der 72-Jährige.

Einer seiner Lieblingsplätze in der alter Mälzerei ist der Verkaufsraum, der die Gemütlichkeit eines Rauchsalons in einem englischen Landsitz ausstrahlt. „Das war die Ausstattung einer alten Apotheke, in die ich mich sofort verguckt habe“, lacht Behrens. Fortan lagerte er Tabake, Zigarren und Zubehör dort ein, wo einst die Pillen waren.

Unbeirrt gegen den Zeitgeist anrauchen

Gegen Genuss allein ist ja nichts zu sagen; aber der Genuss von Tabak ist in Zeiten des weltweiten Kampfes der Gesundheitsbehörden mit Schockfotos auf Zigarettenpackungen und forcierten Rauchverboten mehr als verpönt. Blaue Wölkchen als Symbol von Lebensart oder „meilenweit gehen“ für einen Glimmstängel? Das war einmal.

So sind auch für Dr. Heiko Behrens, der selbst allen gesundheitlichen Warnsignalen zum Trotz gern mal zum Pfeifchen greift, die Zeiten als Tabakproduzent schwerer geworden. Sein Konzept ist die Qualitätsnische für Kenner im Umfeld der Hochtechnologieproduktion. Nur so könne man sich in diesen schwierigen Zeiten behaupten, betont Behrens und verweist auf treue Stammkundschaft aus Übersee.

Und zum Dauerkonflikt Rauchen und Gesundheit hat der Tabak-Experte eine klare, streitbare Haltung: Vielleicht, sagt er, würde er länger leben ohne Tabakgenuss. Aber dafür würde ihm eben dieser Genuss fehlen – eine Abwägung.

 Matthias Wiemer

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