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Das Herrenhaus in Horst ist voller Jagdtrophäen

Horst Das Herrenhaus in Horst ist voller Jagdtrophäen

Die Familie von Treuenfels betreibt von hier aus heute Jagd und Landwirtschaft.

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Die Eingangshalle des Herrenhauses in Alt-Horst: eher rustikal als luxuriös, aber gemütlich.

Horst. Nein, das ganze Dorf Horst im Nordosten des Kreises gehört nicht der Familie von Treuenfels — etwas mehr als das halbe aber schon. Knapp zwölf Quadratkilometer ist die nur 211 Einwohner zählende Gemeinde groß, sechseinhalb Quadratkilometer entfallen in Form von Ackerland und Wald auf die Treuenfels-Familie. Und mittendrin liegt das schmucke Herrenhaus im Ortsteil Alt-Horst.

LN-Bild

Die Familie von Treuenfels betreibt von hier aus heute Jagd und Landwirtschaft.

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In siebenter Generation betreibt diese alteingesessene Familie hier nun schon Landwirtschaft. Rund um das Herrenhaus mit seinen 450 Quadratmetern Wohnfläche, das sein Aussehen seit der Errichtung im Jahr 1862 kaum verändert hat, gruppieren sich dann auch etliche landwirtschaftliche Gebäude.

Das ursprüngliche Gut Horst gehörte der Familie von Wackerbarth, die es aber schon anno 1666 veräußerte. Die nächsten Besitzer waren der Reihe nach mehrere norddeutsche Patrizier- und Kaufherrenfamilien, später auch fürstliche Beamte, so genannte „gelehrte Räte“, die sich zeitweilig im Lauenburgischen niederließen. Wechselte ein Grundbesitz, wurde er meist versteigert. Von einer der Versteigerungen im Jahr 1722 ist überliefert, dass zur zeitlichen Begrenzung des Vorgangs eine brennende Kerze auf den Rand eines Buches gestellt wurde. Derjenige, der das letzte Angebot vor dem Erlöschen der Kerze abgab, bekam den Zuschlag.

1819 erwarb Ernst Friedrich von Treuenfels aus dem östlich des Schaalsees gelegenen Dörfchen Neuhof für das Meistgebot von 122200 Talern das Gut Horst „mitsamt dem Dorf Oldenburg und allen Zubehörungen“, so der damalige Kaufvertrag. Dieses Oldenburg übrigens liegt zwischen Neu-Horst und Lehmrade.

Großherzog Georg von Lauenburg bestätigte den Vertrag offiziell, und für eine Zahlung von 55 Reichstalern jährlich erklärte er „die Freiheit von allen sonstigen Abgaben“. Das freute die Familie von Treuenfels. Sie besaß vor dem Erwerb von Horst bereits mehrere Güter im Mecklenburgischen, darunter Benz, Briest und Boissow, später kam noch das Gut Möllenbeck hinzu. Mittelpunkt der Familie blieb aber lange Schloss Neuhof bei Zarrentin. Dort wohnte man, nach Alt-Horst fuhr man zur Jagdzeit.

Und das sieht man dem dortigen, längst ständig bewohnten Herrenhaus auch heute noch an. Es wirkt wie ein Jagdschlösschen und ist innen mit Trophäen reichlich geschmückt. Hunderte von Geweihen hängen an den Wänden, viele aus dem vorigen oder gar vorvorigen Jahrhundert. Man blickt aber auch einem Wildschwein in die dunklen Augen, entdeckt einen ausgestopften Waschbären und ein Stückchen weiter einen Marderhund. Natürlich ist auch der heutige Hofherr Michael von Treuenfels Jäger.

Das jetzige Gebäude hatte einen Vorgänger an der selben Stelle, doch dieses im Fachwerkstil erbaute Haus brannte 1862 ab und wurde durch einen zweigeschossigen Neubau mit einer offenen Terrasse zur Hofseite und einem Balkon darüber ersetzt. Das neue, vergleichsweise schlichte Herrenhaus passte nicht unbedingt in die damalige Zeit, in der man eher im spätklassizistischen und neugotischen Stil baute.

Bis 1969 wurde auf dem Hof Viehwirtschaft betrieben. Dann wurden die Milchkühe abgeschafft, ihre Haltung war unwirtschaftlich geworden. Tiere gab es hier aber noch weitere fünf Jahre, wie Michael von Treuenfels erzählt: „Wir hatten zuletzt 500 Schafe und 500 Lämmer“. Seit 1974 dreht sich auf diesem Betrieb alles um den Ackerbau. Getreide und Zuckerrüben — damit wird heute Geld verdient. „Unseren Hof zu hegen und zu pflegen und für die nächsten Generationen zu erhalten, ist eine echte Verpflichtung“, sagt von Treuenfels. Auch das 154 Jahre alte Herrenhaus in Schuss zu halten, bedeute trotz der soliden Grundsubstanz viel Arbeit.

Lange mecklenburgisch, in den 1930er Jahren dann lauenburgisch

Jahrhundertelang gehörte das Gut Horst zu Mecklenburg. 1648 fiel das Bistum von Ratzeburg im Westfälischen Friedensvertrag als Entschädigung für verlorene Gebiete im 30-jährigen Krieg an den Herzog von Mecklenburg-Strelitz. Damit wurde auch das Gut Horst dem Großherzogtum zugeschlagen und unterlag jetzt dem mecklenburgischen Recht. Die Folge: Fuhrwerke, die das Gutsgebiet Richtung Mölln verlassen wollten, mussten die Grenze zum Herzogtum Lauenburg passieren. Die Zollstation lag bei Brunsmark, und für jede Durchfahrt war eine Zollgebühr zu entrichten.

Die Grenzkontrollen führten immer wieder zu Streitereien und gerichtlichen Auseinandersetzungen mit den herzöglichen Beamten. Im Zweifelsfall wich man über einen offiziell nicht anerkannten kleinen Weg aus, der über Oldenburg aus dem Gutsgebiet Richtung Lehmrade führte.

Erst am 1. April 1937 wurde das Gut Horst auf Grund des „Gesetzes über Groß-Hamburg und andere Gebietsbereinigungen“ zusammen mit vier weiteren mecklenburgischen Enklaven dem Kreis Herzogtum Lauenburg und damit Schleswig-Holstein eingegliedert.

Von Norbert Dreessen

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