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Lauenburg Das Krankenhaus, das Mölln „Mutter Hoeltich“ verdankt
Lokales Lauenburg Das Krankenhaus, das Mölln „Mutter Hoeltich“ verdankt
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20:14 03.06.2016
Recht steile Treppen führen in die einzelnen Stockwerke mit ihren hohen Räumen.

Dass Mölln vor etwas mehr als 100 Jahren ein Krankenhaus bekam, war nicht etwa sozial engagierten Stadt- oder Kreispolitikern zu verdanken, sondern hauptsächlich einer großzügigen Kaufmannswitwe: Der Neubau wurde zu erheblichen Teilen von Johanna Dorothea Elisabeth Hoeltich bezahlt, die extra dafür eine Stiftung gegründet und diese nach ihrem früh verstorbenen Sohn Adolph benannt hatte. „Adolph-Hoeltich-Stift“ steht heute noch in großen roten Lettern an dem am Wasserkrüger Weg gelegenen Haus, das aber schon längst kein Krankenhaus mehr ist.

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Stiftung einer großzügigen Kaufmannswitwe brachte die medizinische Versorgung in der kleinen Stadt entscheidend voran.

Die Versorgung ernsthaft erkrankter Menschen in Mölln war früher, vorsichtig ausgedrückt, bescheiden. Es gab einige „Hospitale“, doch das waren Häuser, in die Alte, Kranke und Sieche abgeschoben wurden, ohne dass man sie medizinisch versorgte. 1848 wurde im hinteren Flügel des Rathauses eine kleine Krankenstation eingerichtet, die 1894 ins Heilig-Geist-Hospital an der Seestraße verlegt wurde.

Der damalige „Kreisphysikus“ Dr. Buddenberg kam anno 1897 zu einer Inspektion in die Eulenspiegelstadt und empfahl den baldigen Bau eines öffentlichen Krankenhauses. Doch vorerst geschah nichts. 1906 schließlich schenkte Johanna Hoeltich der Stadt 30 000 Mark zum Bau einer Klinik. Ihre einzige Bedingung: Das Gebäude müsse Adolph-Hoeltich-Stift heißen, der Name müsse auf Dauer bestehen bleiben.

Ihr Sohn war ein Jahr zuvor gestorben. Das neue Krankenhaus sollte ein bleibendes Andenken an ihn werden.

Bis genug Geld für den kompletten Neubau, nämlich 95 000 Mark, zusammengekommen war, vergingen noch einmal ein paar Jahre. Am 21. April 1911 wurde endlich der Grundstein für das Hoeltich-Stift gelegt, schon zwei Monate später fand das Richtfest statt, und am 9. August 1913 konnte das erste „richtige“ Krankenhaus in Mölln übergeben werden. Die Stifterin erlebte diesen Tag nicht mehr, sie war 1912 im Alter von 86 Jahren gestorben. „Mit stiller Trauer nimmt die ganze Einwohnerschaft an dem Heimgang der 'Mutter Hoeltich', wie sie kurz und herzlich von allen genannt wurde, Anteil“, stand damals in der „Möllner Zeitung“.

Das Krankenhaus verfügte anfangs nur über 25 Betten, doch es stellte sich schnell heraus, dass der Bedarf weit größer war. 1929 und 1930 erfolgte eine Erweiterung des Hauses auf nunmehr 50 Betten.

Dabei blieb das Möllner Krankenhaus von der Einweihung 1913 bis ins Jahr 1953 ein Belegkrankenhaus ohne feste, ausschließlich dort angestellte Ärzte.

Heute auch kaum noch vorstellbar: Bis 1917 waren gerade mal zwei Krankenschwestern im Haus tätig. 1918 kam eine dritte hinzu, 1919 eine vierte, 1926 eine fünfte. 80 bis 90 Stunden Arbeit pro Woche waren für sie eher die Regel als die Ausnahme. Erst am 1. Oktober 1953 wurde das Hoeltich-Stift vom Belegkrankenhaus in ein Akutkrankenhaus mit hauptamtlich angestellten Ärzten umgewandelt. Chefarzt wurde der Chirurg Dr. Hans Rottmann. Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger waren von nun an allesamt städtische Angestellte.

Da das Möllner Krankenhaus längst zu klein geworden war, wurde 1957 mit einem Neubau auf dem Nachbargrundstück begonnen, 1961 wurde dieses Gebäude bezogen. Das Hoeltich-Stift, im Besitz des Roten Kreuzes, wurde zur Sozialstation, anschließend fanden hier die DRK-Rettungswache und zahlreiche Organisationen und Vereine Platz, die Beratungen aller Art anbieten.

Das blieb bis heute so. Von der Schuldnerberatung über die Migrationssozialberatung bis zur Drogen- und Alkoholberatung - in dem großen Haus ist Platz für viele Büros, in denen Menschen arbeiten, die gern anderen Menschen helfen. Und das wäre bestimmt im Sinne von Mutter Hoeltich gewesen.

Möllns Krankenhaus

Knapp 87 Jahre lang, nämlich von August 1913 bis April 2000, besaß Mölln mitten in der Stadt ein eigenständiges Krankenhaus. Dann verschmolzen das städtische Krankenhaus Mölln und das DRK-Krankenhaus Ratzeburg zu einer Einrichtung mit zwei Betriebsteilen. Träger der neuen Klinik wurde die „DRK-Krankenhaus Mölln-Ratzeburg gGmbH“, an der der Landesverband des Roten Kreuzes mit 60 Prozent und die Stadt Mölln mit 40 Prozent beteiligt waren.

Am 1. Januar 2006 war dann für das Krankenhaus am Wasserkrüger Weg in Mölln endgültig Schluss. Im Zuge der Konzentration der stationären Krankenhausversorgung in der Nordhälfte des Kreises Herzogtum Lauenburg blieb nur noch die DRK-Klinik auf dem Röpersberg in Ratzeburg übrig. Das Möllner Krankenhaus wurde in eine Praxisklinik umgewandelt, in der inzwischen ein knappes Dutzend Fachärzte vom Chirurgen bis zum Urologen ihre Patienten behandeln.

Norbert Dreessen

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