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Lauenburg Das „Lebenshilfe-Schiff“ in voller Fahrt übergeben
Lokales Lauenburg Das „Lebenshilfe-Schiff“ in voller Fahrt übergeben
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20:34 30.06.2017
Stehende Ovationen: Am Ende der Verabschiedungsfeier für den scheidenden Chef des des Lebenhilfewerks, „Jockel“ Grätsch (re.) gab es lang anhaltenden Applaus der rund 300 Gäste als Ausdruck der Wertschätzung. Quelle: Fotos: Wiemer
Mölln

Es kommt nicht oft vor, dass das Wirken einer Person des öffentlichen Lebens solch eine große Würdigung erfährt wie in diesem Fall. Der Geschäftsführer des Lebenshilfewerks Mölln-Hagenow, Hans-Joachim Grätsch, ist gestern im Rahmen eines großen Festes mir 300 geladenen Gästen im Haus der sozialen Dienste in Mölln nach 42 Berufsjahren verabschiedet worden. Vertreter aus Politik, Kirche und öffentlichem Leben würdigten die Arbeit des 66-Jährigen als herausragend im Bestreben, für Menschen mit Behinderungen einen besseren Platz in der Gesellschaft zu schaffen.

Großer Abschied mit 300 Gästen in Mölln für den scheidenden Chef des Lebenhilfewerks, Hans-Joachim Grätsch – Nachfolgerin wird Ines Senftleben.

Es waren die letzten Stunden seiner Amtszeit, und die waren mindestens so aufregend wie vielleicht die haarigsten Verhandlungen mit Kostenträgern. Wochenlang hatten Mitarbeiter des LHW eine Feier vorbereitet, die eigentlich mehr den Namen Festakt verdient. Der gesamte Vorplatz des Hauses der sozialen Dienste im Grambeker Weg war für mehrere Großzelte in Beschlag genommen worden, und dennoch kamen kaum alle der knapp 300 Gäste unter. Im Mittelpunkt der Feier stand vor allem der offizielle Wechsel der Geschäftsführung. Der Landespastor des Diakonischen Werks, Heiko Naß, und der LHW-Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Dieter Radtke nahmen die offizielle Entpflichtung Grätschs und die Verpflichtung seiner Nachfolgerin Ines Senftleben vor.

Den weitaus größten Teil der Veranstaltung nahmen allerdings die vielen Würdigungen des scheidenden LHW-Leiters ein. Den Anfang machte Aufsichtsratschef Radtke, der nach einer kurzen Skizzierung des persönlichen und beruflichen Werdegangs von Hans-Joachim Grätsch dessen herausragenden Leistungen während seiner Arbeit in der Diakonie, vor allem in den letzten 32 Jahren als Geschäftsführer der Lebenhilfe hervorhob. Grätsch habe eine Erfolgsgeschichte von schwindelerregendem Tempo vorzuweisen. Und er sei – getreu seinem Sportsgeist als aktiver Fußballtorwart – ein teamorientierter Mitspieler mit individueller Note gewesen. Als Netzwerker und unermüdlicher Kämpfer für die Belange von benachteiligten Menschen habe er sich weit über die Grenzen seines originären Tätigkeitsfeldes hinaus einen Namen gemacht, vor allem in seinem Bemühen, das Thema Inklusion voranzutreiben. Radtke zitierte in dem Zusammenhang einen Ausspruch Grätschs, der bei ihm besonders haften geblieben sei:

Die Idee der Inklusion dürfe nicht als Mittel der Kosteneinsparung missbraucht werden.

In die gleiche Richtung gingen die Wertschätzungsbekundungen von Kreispräsident Meinhard Füllner („Du hast den Begriff Behinderung aus dem Versteck geholt“), Bürgermeister Jan Wiegels („Du hast dich auch um die Stadt Mölln verdient gemacht“) und Professor Ulrich Hase, der als Landesbeauftragter für Menschen mit Behinderungen Grätsch dafür lobte, dass dieser stets bemüht war, behinderten Menschen auf Augenhöhe zu begegnen.

Zu seinem „alten Freund Jockel“ – wenn auch nicht Parteifreund – sagte Landtagspräsident Klaus Schlie (CDU), er sei für ihn das Synonym für Inklusion schlechthin. Der Sozialdemokrat habe es verstanden, über Parteigrenzen hinweg stets Menschen für seine Anliegen zu gewinnen. In diesem Zusammenhang erwähnte er das Möllner Projekt Rober-Koch-Park, in dem das Lebenshilfewerk beteiligt ist, als ein Beispiel für inklusive Stadtplanung.

Landrat Dr. Christoph Mager überreichte dem scheidenden LHW-Chef einen Druck des Künstlers A. Paul Weber „Schalk und Fuchs“ in freundlicher Anspielung auf Grätschs typische Wesenzüge. Für die Belegschaft erklärte Oliver Mallin, Ressortchef Finanzen im LHW, es sei die menschliche Haltung des Chefs gewesen, die ihn auch unter Mitarbeitern und Belegschaft so beliebt gemacht hätte.

Am Ende wirkte der Gewürdigte selbst fast etwas sprachlos. Vielleicht rätselte er auch darüber, wo er nur die vielen Geschenke unterbringen sollte, als er sich für die zahlreichen Worte der Wertschätzung bedankte. Etwas lakonisch bemerkte er, dass er ja ein „Bleibemensch“ sei und eigentlich nur deshalb so lange auf dem LHW-Chefsessel geblieben sei. Aber das nahm ihm wohl kaum einer ab.

Rückblickend habe er viele nette Menschen kennengelernt, aber auch harte und nicht immer angenehme Verhandlungspartner. Sein Hauptanliegen sei jetzt: „Ich übergebe ein Schiff in voller Fahrt auf hoffentlich richtigem Kurs.“ Und seiner Nachfolgerin Ines Senftleben riet er: „Tritt nicht in andere Fußstapfen, setze eigene Spuren.“

860 Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen

Das Lebenshilfewerk Mölln-Hagenow wurde 2001 gegründet und ist die Dachorganisation für Gesellschaften, in denen etwa 450 MitarbeiterInnen für Menschen mit Behinderung in den unterschiedlichsten Einrichtungen arbeiten.

Der Lebenshilfewerk-Verbund besteht aus vier gemeinnützigen GmbHs:

Lebenshilfewerk Mölln-Hagenow

Lebenshilfewerk Kreis Herzogtum

Lauenburg

Schneiderschere Lebenshilfewerk Hagenow.

Insgesamt stehen etwa 860 differenzierte Arbeitsplätze in den Werkstätten in Mölln, Geesthacht, Schwarzenbek, Ratzeburg, Hagenow, Boizenburg und Kneese zur Verfügung.

Matthias Wiemer

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