Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lauenburg Ganz aktuell: Das Ringen um Gerechtigkeit
Lokales Lauenburg Ganz aktuell: Das Ringen um Gerechtigkeit
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:34 26.09.2018
Michaelisempfang in St. Petri, Ratzeburg, zum Thema Gerechtigkeit. Vor zahlreichen geladenen Gästen aus dem Kreis diskutierte Pröpstin Frauke Eiben mit Dirk Petersen, Bürgermeister von Wentorf/Hbg., Uta Röpcke vom Fachdienst Soziale Leistungen des Kreises, Frank Tews von der Schuldnerberatung und Prof. Dr. Frank Rose, Amtsgericht Ratzeburg. Quelle: Joachim Strunk
Ratzeburg

Rockig fing er an, und so endete er auch: Der Michaelisempfang am Dienstag in der St.-Petri-Kirche Ratzeburg. Zahlreiche Gäste aus Politik, Gesellschaft und Kirche beschäftigten sich mit der Frage nach Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft. Die „Kirchenband“ sorgte für Auflockerung in das ernste Thema.

„Eine andere Jahreszeit ist angebrochen. In diesem Wechsel erinnert der Michaelistag am 29. September an den Erzengel Michael. Michael kämpft mit dem Drachen, so lesen wir es in der Bibel“, begrüßte Pröpstin Frauke Eiben die Besucher. Die immerwährende Auseinandersetzung mit dem Drachen stehe für das Ringen um Gut und Böse – und auch um das Ringen für Gerechtigkeit.

Die Diskussionsrunde mit (v. l.) Dirk Petersen, Bürgermeister von Wentorf/Hbg., Pröpstin Frauke Eiben, Uta Röpcke vom Fachdienst Soziale Leistungen des Kreises, Frank Tews von der Schuldnerberatung und Prof. Dr. Frank Rose, Amtsgericht Ratzeburg. Quelle: Niemann/hfr

„Michael erinnert uns an Gottes Macht über Kälte und Unbarmherzigkeit, an seine Wegbegleitung und ruft uns die guten Mächte in den Blick. Auch die guten Kräfte in jedem von uns.“

Dass es ohne Gerechtigkeit in unserer Welt nicht gehe, ist sich Pröpstin Eiben sicher: „Gerechtigkeit ist ein Grundwort der christlich-jüdischen Tradition. Sie zieht sich wie ein roter Faden durch alle Bücher der Bibel. Sie ist Geschenk Gottes an seine Menschen, sie ist Weisung und Maßstab für unser Denken und Handeln, sie ist Ziel und Inhalt der Predigt Jesu und ruft uns auf zu bedenken, wie wir einander gerecht werden“.

Zentrale Bedeutung schlechthin

Die Pröpstin zitierte den Theologen Gerhard von Rad: „Es gibt im Alten Testament keinen Begriff von so zentraler Bedeutung schlechthin für alle Lebensbeziehungen des Menschen wie den der Gerechtigkeit. Er ist der Maßstab nicht nur für das Verhältnis des Menschen zu Gott, sondern auch für das Verhältnis der Menschen untereinander bis hin zur belanglosesten Streiterei, ja auch für das Verhältnis des Menschen zu den Tieren und zu seiner naturhaften Umwelt“.

„Für mich eine wunderbare Definition. Wo immer die Beziehungen in eine Schieflage geraten sind – zu anderen Menschen, zur Mitwelt, zur Gemeinschaft, zu mir selbst und zu Gott –, kommt es darauf an, darum zu ringen, dass es wieder richtig wird. Und ich vermute, sie teilen meine Sorgen, dass es in unserem Land und in unserer Welt eine ganze Reihe von Beziehungen gibt, die in Schieflage geraten sind“, so Frauke Eiben.

Gegen die Drachen der Zeit

Mit St. Michael müsse es darum gehen, „gegen die Drachen der Zeit Angst, Neid, ungebremstes Mehr-haben-wollen, Hass und Fremdenfeindlichkeit zu kämpfen“. Auch in Beziehungen sei es eine lebenslange Aufgabe, an der Gerechtigkeit zu arbeiten.

Mit Uta Röpcke, Flüchtlingskoordinatorin im Kreis Herzogtum Lauenburg, Professor Dr. Frank Rose, Leiter des Amtsgerichtes in Ratzeburg, Dirk Petersen, Bürgermeister in Wentorf, und Frank Tews, Mitarbeiter der Schuldnerberatung im Diakonischen Werk Herzogtum Lauenburg, ging die Pröpstin in eine Diskussion über Gerechtigkeit.

Grenzen in der Praxis

„Fünfzehn Prozent der Weltbevölkerung haben nicht genug zu essen“, erklärte Uta Röpcke. Flüchtlinge würden aus einem einfachen Grund nach Deutschland oder Europa kommen: um zu überleben. „Um sie besser zu integrieren, muss aber noch viel geschehen – politisch wie gesellschaftlich“.

Frank Rose sprach darüber, wie Juristen der Gerechtigkeit im Alltag ihren Weg bahnen können: „Dafür legen wir einen Eid ab“. Doch auch sie stoßen in der Praxis an ihre Grenzen. Dass auch Kommunen sich an Gerechtigkeit beteiligen können, berichtete Dirk Petersen: „Wir wollen eine Fairtown-Gemeinde werden und damit einen kleinen Beitrag für die Gerechtigkeit in der Welt leisten“.

Armut weitergegeben

„Ich verzeichne pro Jahr rund eintausend überschuldete Ratsuchende“, erzählte Frank Tews. Das seien zehn Prozent der Einwohner im Kreis. Er verwies darauf, dass ökonomische Gerechtigkeit oft von der Bildung abhänge. So habe er aktuell einen Fall, in dem ein dreijähriges Kind der Kita-Platz gekündigt wurde. Die Eltern können das Geld nicht bezahlen. „Diesem Kind wird vom Beginn seines Lebens die Armut weitergeben“.

Dass in Gesellschaft, Staat und Kirche noch einige Anstrengungen nötig sind, um mehr Gerechtigkeit zu schaffen, waren sich die Diskutierenden einig.

Steffi Niemann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Stadt Lauenburg ist knapp bei Kasse. Nun sollen die Parkplätze bewirtschaftet werden. Für die Kontrolle hat die Stadt bereits zusätzliche Überwachungskräfte abgestellt.

26.09.2018

Die Polizeidirektion Ratzeburg warnt vor Betrügern im nahegelegenen Reinbek. Ausgerechnet kurz nach dem Auftakt der Aktion „Vorsicht Abzocke“ ist es am Montag in Ahrensburg und Reinbek zu bisher 20 polizeilich bekannten Anrufen falscher Polizeibeamter gekommen.

26.09.2018

Aus ZiSch wird MADS – Medien an der Schule: Das Schulprojekt der Lübecker Nachrichten stellt sich neu auf und wird interaktiver und digitaler. Interessierte Lehrer können sich jetzt anmelden.

27.09.2018