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Lauenburg Das Warten der Retter auf die Wachen
Lokales Lauenburg Das Warten der Retter auf die Wachen
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21:45 04.01.2018
In Büchen geht der Bau der Rettungswache mit Stellplätzen für sogar zwei Rettungswagen zügig voran. Den Bau finanziert die Gemeinde selbst. Ob in Büchen nach dem provisorisch stationierten Wagen auch dauerhaft ein RTW stehen wird, ist aber offen. Quelle: Fotos: Marohn
Mölln

Lange Ausrückezeiten, zu lange Anfahrtszeiten und in der Summe immer wieder deutliche Überschreitungen der Hilfsfristen. Der Raum Nusse gehört zu den notfallmedizinisch am schlechtesten versorgten Bereichen im Lauenburgischen. Doch das soll sich demnächst ändern. Nach langwierigen Verhandlungen mit den Krankenkassen beginnt in der kommenden Woche offiziell der Neubau der Rettungswache Mölln.

Das lange Warten auf den Neubau der Rettungswache in Mölln hat ein Ende. In der nächsten Woche ist der offizielle erste Spatenstich. In Lauenburg hingegen geht das Zerren zwischen Kreis und Krankenkassen weiter. Ein neues Gutachten soll jetzt Klarheit bringen.

150562 Notfalleinsätze des Rettungsdienstes gab es im Jahr 2016. Die Tendenz ist steigend. ImVorjahr waren es fast zehn prozenmt weniger. Die Hilfsfrist wurde 2016 in 11,4 Prozent der Fälle nicht eingehalten.

„Ich bin natürlich erleichtert, auch wenn die Verlegung an sich kaum Einfluss auf die Versorgungssituation in Mölln hat“, sagt Möllns Bürgermeister Jan Wiegels. „Besonders freue ich mich aber für die Mitarbeiter des Rettungsdienstes. Der derzeitige Zustand ist dort eigentlich nicht mehr zumutbar“, sagt Wiegels. Die Planungen für die Wache laufen bereits seit mehr als 13 Jahren.

Auf den ersten Blick etwas überraschend, hält sich in Nusse die Freude über die Verlegung in Grenzen. „Das ist ein erster minimaler Schritt aber nicht das, was die Menschen hier brauchen“, sagt Bürgermeister Lars Wunsch (CDU). „Wir reden hier vielleicht von einer Verbesserung von einer halben Minute“, sagt Wunsch. Das sei aber angesichts der häufigen und deutlichen zeitlichen Überschreitung zu wenig. „Wir brauchen hier eine echte Verbesserung und werden da weiter Druck machen“, sagt Wunsch. Bei 78 Einsätzen im Jahr 2016 kam der Rettungswagen in 61 Fällen nicht innerhalb der gesetzlich geforderten Hilfsfrist von zwölf Minuten. In 43 Fällen davon wurde die Frist sogar deutlich überschritten. In zehn Fällen benötigten die Retter mehr als 15 Minuten.

Die Gemeinde Büchen versucht das dortige Versorgungsproblem für die Gemeinde und das Umland durch den Bau einer örtlichen Wache zu lösen. Mehr als zwei Millionen Euro gibt die Gemeinde dafür aus – und wird möglicherweise keinen Cent davon zurückbekommen, da der Bau mit den Krankenkassen nicht abgestimmt ist. Bereits seit etwa zwei Jahren ist in Büchen ein Rettungswagen der Wache in benachbarten Basedow provisorisch stationiert – allerdings unter freien Himmel. Mit dem Wachenneubau soll sich das nun ändern. Dabei gab es bereits schon einmal eine eigene Wache – bis sie vor 15 Jahren geschlossen und der Wagen nach Basedow verlegt wurde. Grundlage war das sogenannte Forplan-Gutachten zur Einhaltung der Hilfsfristen.

Mit den Krankenkassen kämpft der Kreis auch um den Bau einer Rettungswache in Lauenburg. Ein Konzept und Pläne für einen entsprechenden Anbau an die Unterkunft der DLRG gibt es bereits. Doch dagegen erhebt auch die eingeschaltete Schiedsstelle Bedenken, wie Landrat Dr. Christoph Mager jüngst bekanntgab. „Die Mitglieder der Schiedsstelle haben zu erkennen gegeben, dass der Standort für nicht geeignet gehalten wird. Hintergrund ist die relativ kleine Fläche des Kreises, die mit dem Standort innerhalb der Hilfsfrist erschlossen wird“, so Mager. Aus Sicht der Gutachter gebe es die theoretische Möglichkeit, in Basedow bei Ankauf benachbarter Grundstücke bauen zu können. Kreis und Kassen hätten sich daher darauf verständigt können, ein vorgezogenes Gutachten zu den Standorten in Auftrag zu geben, das von den Kassen finanziert wird, so Mager. Das landesweite Gutachten müsse dafür nicht abgewartet werden.

Derzeit ist ein Rettungswagen provisorisch in einem anderen Gebäude der DLRG in der Lauenburger Hafenstraße stationiert. Ein vor allem für Nordniedersachsen optimaler Standort, aber nicht für die Region nördlich von Lauenburg.

Hilfsfristen

Die Hilfsfristen setzen sich aus der kalkulierten Ausrückezeit von der Alarmierung der Retter in der Wache bis zur Abfahrt von zwei Minuten und einer maximalen Fahrtzeit zum Einsatzort von zehn Minuten zusammen.

Laut Gesetz ist diese Frist einzuhalten. Überschreitungen werden in bis zu zehn Prozent der Fälle geduldet – nicht für jeden einzelnen Ort, sondern kreisweit. Der Wert wird von den Kassen als Kostenträger gerne voll ausgereizt.

Gründe für Überschreitungen liegen in langen Anfahrtswegen, Baustellen oder Witterungseinflüssen, aber auch in der Belegung des am nächsten stationierten Wagens durch einen anderen Einsatz oder Krankenfahrten.

 Holger Marohn

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