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Lauenburg Das in Schwerin vergessene Haus
Lokales Lauenburg Das in Schwerin vergessene Haus
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18:10 20.10.2017
Ratzeburg

„Unsere ersten Ausstellungen haben bis zu 1000 Besucher angezogen“, freut sich Hausherr Augustin Noffke. Denn damit sei das Konzept des Ehepaares aufgegangen: „Das Haus soll als Veranstaltungsort zusammen mit dem Dom, dem Kreismuseum und den Museen von Barlach und Weber eine Erweiterung des Kulturangebots hier in Ratzeburg darstellen.“ In der Tat: Mehr Kultur-Anlaufpunkte auf so engem Raum findet man imKreis nirdendwo.

Das Haus am Domhof wurde 1690 mit barocken Zügen errichtet, 1830 wurde es im Biedermeier-Stil erheblich erweitert. Den Übergang beider Baustile erkennt man noch deutlich – unter anderem auch, weil die Räume in beiden Hälften des Bauwerks unterschiedlich hoch sind.

Zunächst war dies ein Dienstgebäude für mecklenburg-strelitzsche Regierungsbeamte. Später erfolgte die Nutzung als Mannschaftsgebäude des Lauenburgischen Jägerbataillons. Aus dieser Zeit stammt die in der Kreisstadt noch gängige Bezeichnung „Domkaserne“. Bis zum Jahr 1937 befand sich das Gebäude übrigens auf mecklenburgischem Territorium, erst dann wurde der Domhof Ratzeburg in den Landkreis Herzogtum Lauenburg eingegliedert. Bei Kriegsende fanden in dem Haus zehn Flüchtlingsfamilien mit zusammen 50 Personen eine Unterkunft, mehr schlecht als recht allerdings.

SEit 1981 unter Denkmalschutz

Als das Gebäude 1981 unter Denkmalschutz gestellt wurde, befand es sich in einem beklagenswerten Zustand. Nach einer umfangreichen Restaurierung 1986 diente es dann der Stiftung Mecklenburg und dem Zentrum für Niederdeutsch für Holstein als Sitz, Ausstellungs- und Veranstaltungsort. 2011 verlagerte die Stiftung ihren Standort jedoch nach Mecklenburg, seitdem stand das Haus leer. Letzter Besitzer war das Land Mecklenburg-Vorpommern. Große Anstrengungen, einen neuen Nutzer zu finden, unternahm man aber nicht.

„Die Verantwortlichen in Schwerin hatten das Haus wohl einfach vergessen“, so Ratzeburgs Bürgermeister Rainer Voß. Er schrieb schließlich einen Brief an den damaligen Ministerpräsidenten Erwin Sellering in Schwerin und sparte nicht mit Kritik: Vielen Menschen in Ratzeburg mache es Kummer mit anzusehen, wie das historische Gebäude ungenutzt zu zerfallen drohe. Schließlich wurde die Immobilie doch durch einen Makler zum Verkauf angeboten.

Claudia und Augustin M. Noffke, die im Kreis Stormarn lebten, hörten davon, besichtigten das Haus - und fanden es trotz einiger Baumängel faszinierend: „Uns war sofort klar, dass unsere Familie hier viel Platz findet und die Räume im Erdgeschoss haben wir gleich als Galerie gesehen“, erzählt Claudia Noffke. Das Ehepaar hat fünf Kinder. „Diese Räume musste man erhalten und wieder für die Öffentlichkeit zugänglich machen“, fügt ihr Mann hinzu. Vor allem wegen dieses Konzepts bekamen die Noffkes letztlich den Zuschlag, denn eigentlich sollte das Haus Mecklenburg nicht an Privatleute verkauft werden.

Ein steifer Musentempel soll das Haus aber keineswegs sein, vielmehr „eine erfrischende, lebendige Galerie, in die man gern einkehrt und Zeit verbringen kann“, so Augustin Noffke. Lesungen und kleine Konzerte sollen das Kulturprogramm noch ergänzen.

Der traditionsreiche Name „Haus Mecklenburg“ soll übrigens erhalten bleiben. Erstens ist es ein Begriff, der in der Region seit langem bekannt ist, zweitens sehen die neuen Besitzer ihr Haus in künstlerischer Sicht auch „als Brücke zwischen Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern“ – und drittens wuchs Claudia Noffke in Mecklenburg auf.

Von Norbert Dreessen

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