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Lauenburg Das kleine Schloss mit eigenem Tretboot
Lokales Lauenburg Das kleine Schloss mit eigenem Tretboot
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20:14 06.05.2016
Das „Seeschlösschen“ in Mölln, nahe der Altstadt gelegen, ist blau und liegt seit der Erbauung 1907 direkt am Wasser. Quelle: Fotos: Norbert Dreessen

Ein Schloss sucht man in Mölln vergeblich, mit einem Schlösschen aber kann die Eulenspiegelstadt dienen. Es liegt nur wenige Schritte von der Altstadt entfernt und ist über die schmale Straße An den Dämmen zu erreichen. Da sich vor und hinter dem Haus Wasser befindet, trifft der Name „Seeschlösschen“ für dieses Gebäude allemal zu.

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Möllner Pension am Schulsee setzt auf familiäre Atmosphäre und Wassersport-Angebote.

Im Jahre 1906 reichte ein vermögender, aus Russland stammender Kaufmann beim Möllner Bauamt den Plan für einen repräsentativen Wohnsitz ein, den er am Ufer des Schulsees erbauen wollte — mit direktem Seezugang und eigenem Badesteg, versteht sich. 1907 war die schicke Jugendstilvilla fertig. Von der Eingangsseite blickt man auf den Mühlengraben, die Rückseite des Hauses zeigt zum Schulsee. Ein Badezimmer, damals noch etwas sehr Luxuriöses, war in dem dreistöckigen Gebäude schon vorhanden, Elektrizität dagegen nicht. Davon zeugten noch Jahrzehnte später Gasanschlüsse an den Zimmerdecken.

Hier hingen also einst Gaslaternen.

Im Laufe seiner nun schon 109 Jahre ist das Haus mit seinen 520 Quadratmetern Wohnfläche mehrfach umgebaut worden. So lebten hier in den 50er Jahren gleich sieben Familien in abgeschlossenen kleinen Wohnungen. 1965 ließ dann der damalige Besitzer das „Schlösschen“ in eine kleine Pension umbauen. Mölln wurde in jener Zeit als Ausflugs- und Kurort immer beliebter, Übernachtungsmöglichkeiten waren gesucht. Deshalb wurde das Gebäude auch schon zweimal vergrößert: In den 70er und in den 80er Jahren entstanden zwei Anbauten zur Seeseite hin.

Heute gehört das Areal einem Hamburger Kaufmann, der hier weiterhin eine Pension betreibt. Die Leitung des Hauses haben Andreas und Sina Rönnau übernommen, die bis 2013 nur wenige hundert Meter entfernt das Bistro-Café „Helmers“ am Mühlenplatz besaßen. „Die neue Herausforderung hat uns gereizt“, sagt Andreas Rönnau, der mit seiner Frau und seinen beiden kleinen Kindern auch in das Haus zog, um das er sich nun kümmert. Familie Rönnau wohnt im Souterrain, „da waren früher schon die Gesindekammern“, erzählt das Paar lächelnd.

Diese „Kammern“ sind heute durchaus komfortabel, was für das ganze Haus gilt. 21 Gästebetten stehen in den elf Zimmern zur Verfügung, wobei sich das „Seeschlösschen“ von herkömmlichen Hotels vor allem dadurch unterscheidet, dass jedes Zimmer anders gestaltet ist — individuell und originell, dabei stets farbenfroh. Die meisten Zimmer sind frisch renoviert, nur noch wenige strahlen den besonderen Charme der 60er Jahre aus.

„Unser Knüller ist natürlich der Blick auf den See“, erklärt Sina Rönnau. Und es stimmt: Wer im obersten Geschoss auf dem Balkon steht und über den Garten auf den Schulsee schaut, der kann sich schon in Mölln verlieben. Viele Gäste haben das bereits getan und buchen immer mal wieder ein Zimmer im kleinen Schloss. Gern nutzen sie auch das Angebot, die hauseigenen Kanus, Kajaks, Tretboote und Fahrräder zu nutzen und so die kleine Stadt zu Wasser oder zu Land zu entdecken. Im Sommer ist auch ein erfrischender Sprung vom Steg in den See möglich.

„Unsere Gäste kommen wirklich aus aller Welt, von Frankreich über die USA bis nach Neuseeland“, sagt Andreas Rönnau. Ab und zu miete sich auch eine Dame aus Venezuela ein, die ihre im Möllner Augustinum lebende Mutter besuche. Und manchmal, wie an diesem Wochenende, bucht eine Gruppe gleich das komplette Haus, um sich hier zu treffen und/oder hier zu feiern. Diesmal ist es eine größere Familie, die gerade die familiäre Atmosphäre im „Seeschlösschen“ schätzt.

Tourismus in Mölln

Hotels und Pensionen in Mölln wie das „Seeschlösschen“ sind durchweg gut gebucht. Die Stadt liegt in Sachen Tourismus im Kreis Herzogtum Lauenburg schon lange mit Abstand an der Spitze.

Im vergangenen Jahr konnte die Eulenspiegelstadt bei den Übernachtungszahlen nochmals kräftig zulegen: Fast 220000 Übernachtungen wurden gezählt. Das bedeutet gegenüber 2014 ein Plus von 5700 Übernachtungen — ein Zuwachs von 2,6 Prozent.

Fünf Tage bleibt der Mölln-Gast im Durchschnitt. Kurdirektor Jochen Buchholz ist von der Entwicklung nicht überrascht: „Wir haben in den letzten Jahren konsequent an der verbesserten Außendarstellung der Stadt Mölln gearbeitet. Die infrastrukturellen touristischen Maßnahmen, zum Beispiel die Eröffnung des Uhlenkolkes und die umfassenden Sanierung des Kurparks, haben die bereits gute touristische Basis weiter positiv aufgewertet.“

Die Verlegung der Tourist-Information vom ehemaligen Kurmittelhaus ins Historische Rathaushabe sich auch bewährt.

Von Norbert Dreessen

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