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Lauenburg Das lange Warten auf die Umgehung
Lokales Lauenburg Das lange Warten auf die Umgehung
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23:09 28.08.2017
Seit fast 20 Jahren herrscht bei der Umgehung von Schwarzenbek baulicher Stillstand. Hinter der rot-weißen Absperrung sollte es eigentlich längst weitergegangen sein. Statt dessen geht es rechts zurück in die Stadt. Lauenburg und Ratzeburg fürchten, mit ihren Entlastungsstraßen ebenfalls in der Sackgasse zu stecken. Quelle: Fotos: Marohn/grombein (1)/jann (1)/archiv
Ratzeburg

Vier von elf Bauprojekten von Bundesstraßen im vordringlichen Bedarf des aktuellen Bundesverkehrswegeplanes sollen im Kreis Herzogtum Lauenburg gebaut werden. Angesichts der Teilprojekte sind es mit sechs von 13 sogar fast die Hälfte. Mehr als 36 Kilometer Straße sollen in Schwarzenbek, Geesthacht, Lauenburg und Ratzeburg quer über die grüne Wiese gebaut werden. Die ersten Überlegungen liegen teilweise Jahrzehnte zurück.

Fehlende Verkehrsplaner werden zum Wahlkampfthema – SPD greift Streit zwischen Klaus Schlie und Verkehrsminister Buchholz auf.

„Klaus Schlie und Norbert Brackmann stehen jetzt ganz schön im Regen und haben ein massives Glaubwürdigkeitsproblem", sagt Birgit Wille, SPD-Kreisvorsitzende.

Doch im kommenden Jahr sollen nun die ersten Bagger rollen. In Schwarzenbek ist mit dem Planfeststellungsbeschluss der Weg frei. Es sind die 3,1 Kilometer des zweiten Bauabschnittes der insgesamt dreigeteilten Umgehung. Der erste Part wurde bereits vor knapp 20 Jahren freigegeben. Fehlendes Geld für den Bau und überholte Gutachten bewirkten, dass die Planungen, obwohl von der Stadt auf eigene Faust und Rechnung vorangetrieben, erst jetzt umgesetzt werden können.

So weit wie in Schwarzenbek hoffen die Geesthachter in vier Jahren zu sein. Das Planfeststellungsverfahren soll im kommenden Jahr beginnen. Wenn „alles gut“ gehe, könne er den Baubeginn noch als Minister erleben, äußerte sich Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) jüngst in Geesthacht vorsichtig – im Blick dabei vor allem mögliche Klagen. Denn nicht nur Proteste für die Umgehung hatte es in den vergangenen Jahren gegeben, sondern auch dagegen.

Die beiden anderen Umgehungsstraßen in Lauenburg und Ratzeburg stehen in planerischer Konkurrenz mit den anderen Straßenbauprojekten im Land, die sich allesamt hinter der Beltquerung, der Rader Hochbrücke und dem A-20-Weiterbau einreihen. Eine Chance, dass auch das dritte und vierte lauenburgische BVWP-Projekt in der gerade begonnen Wahlperiode wesentlich vorangetrieben wird, sieht Minister Buchholz derzeit nicht. Musste er doch bereits kurz nach seinem Amtsantritt feststellen, dass der Weiterbau der A20 aufgrund einer von der Vorgängerregierung nicht weiter thematisierten Zwergschwan-Population mehr Planungsaufwand erfordern wird, als bislang bekannt.

Nicht zu viel versprechen und „die Kirche im Dorf lassen“ ist daher die Marschroute, die das Kieler Verkehrsministerium zwei Monate nach dem Regierungswechsel ausgegeben hat. Oder anders ausgedrückt: Der Minister fordert auch von den Landtagsabgeordneten „eine gewisse Rationalität“, wie es Buchholz nach heftiger Kritik von Klaus Schlie (CDU) ausdrückte.

Ein Streit zwischen Schlie und Buchholz, den die SPD im Wahlkampf dankend aufgreift. So hätten die beiden CDU-Politiker Klaus Schlie und Norbert Brackmann aufgrund des versprochenen Planungsbeginns für die Umgehung Ratzeburg „ein massives Glaubwürdigkeitsproblem“, sagt jetzt SPD-Vorsitzende Birgit Wille. Sprecher Gunar Schlage macht sich um das politische Miteinander Sorgen: „Ich kenne verantwortliche Regierungspolitik eigentlich so, dass man sich vorher abstimmt und nicht in der Öffentlichkeit aufeinander einschlägt.“

Bereits vor dem Streit hat das Verkehrsministerium begonnen, eine ganze Reihe von Maßnahmen anzuschieben, um die vorhandenen Planer zu entlasten sowie zusätzliche Stellen einschließlich des erforderlichen Nachwuchses zu schaffen. So könnte die öffentliche Planungsgesellschaft Deges einen Teil der Planungen der A 20 übernehmen. In Kiel sollen durch einen neuen Studiengang Bauingenieurwesen unter anderem Verkehrsplaner ausgebildet werden.

Währendessen werden noch in dieser Woche die Professorenstellen für den Studienschwerpunkt Straßen-, Wasserstraßen-, Eisenbahn- und Brückenbau ausgeschrieben. Die Professoren sollen Planer ausbilden, auf die nicht nur die Umgehungen, sondern auch der Elbe-Lübeck-Kanal wartet – auf Initiative des CDU-Politikers Norbert Brackmann übrigens.

KOMMENTAR

Entspannung ist angesagt

Da redet der neue Verkehrsminister mal Tacheles und sagt ohne Umschweife, was los ist. Prompt ist die Aufregung groß. Klar: Klaus Schlie und Norbert Brackmann haben drei Wochen vor der Wahl den Mund ziemlich voll genommen.

Die Häme der SPD ist allerdings fehl am Platze. Auch weil die Sozialdemokraten in 23 Jahren Verkehrsverantwortung der vergangenen drei Jahrzehnte, teils dem grünen „Straßenbau- ist-blöd-Partner“

geschuldet, im Kreis nicht wirklich viel auf die Reihe bekommen haben. Auch mit den A-20-Zwergschwänen haben sie dem neuen Verkehrsminister ein ziemlich faules Ei ins Nest gelegt.

Genau deshalb entspannen wir uns jetzt mal alle. Der Bundesverkehrswegeplan ist auf 15 Jahre angelegt. Wenn es mit Ratzeburg und Lauenburg jetzt nicht sofort weitergeht, bleiben bis 2030 noch fast zwei volle Wahlperioden auf Landesebene. Genug Zeit also für die Regierungen zu zeigen, dass es geht – gleich welcher Coleur sie sind.

 Holger Marohn

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