Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 5 ° Regenschauer

Navigation:
Das lange Warten auf die Wertstofftonne

Lanken/Grambek Das lange Warten auf die Wertstofftonne

Gelbe Säcke werden für Entsorger und Kunden zunehmend zum Nervfaktor — die Abfallbeseitigungsfirmen würden lieber auf Tonnen umsteigen — AWSH möchte jedoch Wahlmöglichkeit und Abfuhrzeiten beibehalten.

Voriger Artikel
Bach-Kantate im Ratzeburger Dom
Nächster Artikel
Ford schleudert Mercedes auf die Gegenfahrbahn

Beispiel Mecklenburg-Vorpommern: Anfang 2015 wurde auf Wertstofftonnen, für größere Wohneinheiten auch Großbehälter, wie im Bild in Boltenhagen, umgestellt. Für die Übergangsphase konnten noch vorhandene Gelbe Säcke für die Abfuhr dazu gestellt werden.

Quelle: LN-Archiv

Lanken. An stürmischen Wintertagen fliegen sie wieder — regelmäßig alle 14 Tage. Durch die Lüfte, über Wege und Straßen, durch Gärten und Höfe im Lauenburgischen — sofern sie nicht vorsorglich festgebunden wurden. Bei diesen leichten gelben Geschöpfen handelt es sich nicht um Kanarienvögel, sondern um die genauso beliebten wie auch verhassten Gelben Säcke, in denen die umweltbewussten Bürger ihren Plastikmüll sammeln.

So schön das Sammelbewusstsein der Deutschen ist, so ärgerlich sind die hauchfeinen Beutel, die schon bei der kleinsten Berührung mit scharfen Plastikkanten der Wurstverpackung aufschlitzen und bei dem windigen Wetter ihren Inhalt in die Gegend verteilen. „Wir wären auch glücklicher, wenn endlich die Gelbe Tonne eingeführt würde“, erklärt Olaf Stötefalke, Sprecher der Abfallwirtschaft Südholstein (AWSH) mit Sitz in Elmenhorst, Ortsteil Lanken.

Doch Einfluss hat das öffentliche Entsorgungsunternehmen, das für die Kreise Herzogtum Lauenburg und Stormarn zuständig ist, darauf nicht. „Wir warten schon seit Jahren auf das Wertstoffgesetz, auf das sich die Politik in Berlin bislang nicht einigen konnte“, sagt Stötefalke. Er ist skeptisch, dass das Gesetz, das sich jetzt immerhin schon in der Anhörung befindet, auch bis zum Ende der Legislaturperiode in 2017 verabschiedet wird. Da gebe es einen Grundkonflikt — nicht abfallwirtschaftlicher, sondern politischer Art.

Die AWSH hat übrigens — bis auf die Öffentlichkeitsarbeit — gar nichts zu tun mit den Gelben Säcken. Denn die werden von der DSD — Duales System Holding GmbH & Co. KG („Grüner Punkt“) be- und vertrieben. Die Verbraucher erhalten die Rollen gelber Säcke zwar umsonst an den diversen Ausgabestellen, meist im Handel. Doch kostenlos sind sie tatsächlich nicht. „Dafür zahlen die Verbraucher einen — wenn auch geringen — Beitrag zur Verpackung eines Lebensmittels oder anderen Produktes. Dieser Anteil geht dann zur DSD, die wiederum alle drei Jahre die Abfuhrleistungen ausschreibt.

Seit Anbeginn der Plastikmüll-Abfuhr im Jahr 1993 im Kreis Herzogtum Lauenburg ist dafür die Grambeker Firma Willi Damm zuständig. „Die aktuelle Periode endet in diesem Jahr. Im kommenden April oder Mai wird für die nächsten drei Jahre 2017/18/19 ausgeschrieben. Da hoffen wir, dass wir wieder den Zuschlag erhalten“, sagt Dieter Steffen, Geschäftsführer des Grambeker Entsorgungsdienstleisters.

Auch die Firma Damm hätte ein Interesse an der Einführung der gelben Wertstofftonne. Denn bei den Gelben Säcken gebe es nach wie vor das Problem, dass „zwei Drittel der ausgegebenen Säcke nicht zurückkommen, sondern zweckentfremdet verwandt werden“. Das sei „eigentlich beschämend“, so Steffen. Um keinen Ärger zu entfachen, produziere man daher so viele Säcke, dass es dann doch ausreicht, wenn auch knapp. Aber offensichtlich geht das zu Lasten der Materialstärke (siehe oben). Schwerere Wertstoffe wie Plastikeimer statt Joghurtbecher oder Bratpfannen statt Konservendosen wären darin gar nicht zu transportieren. Wenn das Wertstoffgesetz endlich verabschiedet würde, stünde man auf jeden Fall „Gewehr bei Fuß“, versichert Steffen. Sowohl was die Investition in 60 000 bis 70000 Kunststofftonnen für alle lauenburgischen Haushalte beträfe, als auch bei der anschließenden Sortierung des Materials. Letzteres könne am Standort in Grambek schon jetzt gewährleisten. Dennis Kissel, Geschäftsführer der AWSH, hält die Wertstofftonne ebenfalls für sinnvoll: „Wir hätten gern grundsätzlich eine Wertstofftonne, wie sie laut Kreislaufwirtschaftsgesetz seit 1.1.2015 auch schon vorgesehen ist. Wir hätten sie gerne flächendeckend. Wir hätten aber auch gerne die Wahlmöglichkeit für Bürger, die stattdessen lieber die Gelben Säcke behalten würden, und wir wollen den 14-tägigen Abhol-Turnus behalten.“

Das alles sei allerdings schwierig. „Wir stehen in Verhandlungen mit den Dualen Systemen — von denen es allein in Schleswig-Holstein zehn gibt — und versuchen, die Tonnenlösung zu erreichen. Aber es ist schwierig.“ Schwierig, weil es sich um einen Markt von 1,2 Milliarden Euro bundesweit handelt, an dem die privatwirtschaftlich organisierten Systeme festhalten wollen. Unzählige Lobby-Gruppen blockierten sich gegenseitig. Es geht — im Gegensatz zur öffentlich-rechtlichen Gesellschaft AWSH — nur um Profit. Das beginne schon bei dem Argument, eine Wertstofftonne am Müllwagen zu entleeren dauere länger, als ein paar Säcke einfach in den Wagen zu werfen. Der dann zum Ausgleich geforderte Vier-Wochen-Abfuhr-Rhythmus würde aber von den Kunden nicht akzeptiert. Kissel: „Das wird nix!“

Entwurf des Wertstoffgesetzes
Die Eckpunkte des Gesetzentwurfs orientieren sich am Modell der erweiterten Produktverantwortung (auf stoffgleiche Nichtverpackungen aus Metall und Kunststoff) mit kommunaler Steuerungsmöglichkeit. Dabei ist eine zentrale Stelle mit umfangreichen Kontrollbefugnissen zur Stabilisierung des Entsorgungssystems geplant.



Der bisherige Gelbe Sack beziehungsweise die Gelbe Tonne wird als Wertstofftonne aufgewertet. Sie soll nicht nur Verpackungen aufnehmen, sondern auch andere Wertstoffe aus Kunststoff und Metall, wie alte Kleiderbügel oder altes Plastikspielzeug. So wird eine umfassende Verwertung erzielt.



Die Kommunen sollen in Zukunft die Struktur der Wertstoffsammlung bestimmen können: wann und wie oft geleert wird, ob Sack oder Tonne, um eine bessere Abstimmung von Restmüll- und Wertstoffsammlung zu erreichen.



Das Wertstoffgesetz regelt zudem, dass die dualen Systeme die Erfassungsdienstleistungen nach Vergaberecht öffentlich ausschreiben müssen, um einen fairen Wettbewerb sicherzustellen.
„Wir hätten die Wertstoff-
tonne gerne flächendek-
kend als Wahl-
möglichkeit .“
Dennis Kissel, Geschäftsführer der AWSH

Joachim Strunk

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Reporter vor Ort

In einer fortlaufenden Galerie zeigen wir Ihnen jeden Tag die wichtigsten Bilder aus Lübeck und den umliegenden Kreisen. Klicken Sie hier, um die Galerie für den November 2017 zu sehen!

Daniel Günther ist offen für einen zusätzlichen Feiertag - welcher Tag sollte es werden?

  • Hochzeitszauber
    Tipps und Tricks zum Planen und Organisieren Ihrer Hochzeit. Ob Location, Dekoration, Trauringe, Flitterwochen, Catering - hier finden Sie Informationen und kompetente Ansprechpartner in und um Lübeck für Ihre Traumhochzeit.

    Tipps und Tricks zum Planen und Organisieren Ihrer Hochzeit. Ob Location, Dekoration, Trauringe, Flitterwochen, Catering - hier finden Sie Informat... mehr

  • Reisetipps
    In unserem Reiseportal finden Sie viele Tipps & Tricks für Reisende und Urlauber.

    In unserem Reiseportal finden Sie viele Tipps & Tricks für Reisende und Urlauber. mehr

  • Events & Veranstaltungen
    Was? Wann? Wo? Hier finden Sie die Veranstaltungen und Events in Ihrer Nähe.

    Was? Wann? Wo? Hier finden Sie die Veranstaltungen und Events in Ihrer Nähe. mehr

  • Essen und Trinken
    Hier erfahren Sie alles rund um die Themen Essen und Trinken. Neue Rezepte und Tipps, worauf muss ich bei den Lebensmitteln achten, wo finde ich ausgefallene Restaurants und welcher Wein passt wozu.

    Hier erfahren Sie alles rund um die Themen Essen und Trinken. Neue Rezepte und Tipps, worauf muss ich bei den Lebensmitteln achten, wo finde ich au... mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Termine

Ausstellungen, Theater, Konzerte und mehr in Lübeck und Umgebung.