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„Das wird eine gewaltige Blütenpracht“

Ratzeburg „Das wird eine gewaltige Blütenpracht“

Februarwetter – kalt, dunkel und regnerisch. Da lockt nichts so richtig nach draußen. Doch Peter Schlottmann, der „Obstbaumflüsterer“ von Ratzeburg, beobachtet die Pflaumen- und Äpfelbäume jetzt bei ihrem Winterschlaf. Und ist mit dem Stammgast, dem Grünspecht, auf du und du.

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Peter Schlottmann auf der Streuobstwiese der Stiftung Herzogtum Lauenburg, die er seit dem Jahr 2000 mit viel persönlichem Einsatz aufgebaut und gepflegt hat. Auch im Winter ist er oft hier und schaut nach dem rechten. Hier zeigt er die „Fruchtmumien“, die den Grünspecht anlocken. FOTOS (3): WIEMER

Ratzeburg. Eigentlich wollten wir uns ja dieser Tage an einem halbwegs sonnigen Tag treffen. Draußen auf der Streuobstwiese am nördlichen Rand Ratzeburgs, kurz vor Einhaus. Aber wie das so ist jetzt im Februar. Es sollte trocken bleiben – eklig feucht-kalt ist es geworden. Aber Peter Schlottmann lächelt, als er uns das große Holztor zur Streuobstwiese, seinem Heiligtum, aufschließt. Das Wetter macht dem Naturkundler, Lehrer und Schulrat im Ruhestand, der am ersten Tag dieses Jahres 90 Jahre alt wurde, nichts aus. Egal, wie das Wetter ist, der Vater der Streuobstwiese, einem EU-weit bedeutenden Forschungsprojekt in Sachen Anbau und Erhaltung von seltenen und vergessenen Obstsorten, ist seit 18 Jahren hier auf dieser etwa 1,2 Hektar großen Fläche inmitten seiner rund 900 „Kinder“

LN-Bild

Februarwetter – kalt, dunkel und regnerisch. Da lockt nichts so richtig nach draußen. Doch Peter Schlottmann, der „Obstbaumflüsterer“ von Ratzeburg, beobachtet die Pflaumen- und Äpfelbäume jetzt bei ihrem Winterschlaf. Und ist mit dem Stammgast, dem Grünspecht, auf du und du.

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zu Hause. Hier geht sein Herz auf. Regen oder Sonnenschein, das spielt keine große Rolle. Denn, so weiß der Obstkenner, auf der Streuobstwiese ist zu jeder Jahreszeit etwas los, es gibt immer etwas zu erkunden. Und kaum schlendert Schlottmann durch das Gras, schaut nach links und rechts auf die Zweige der Bäume, als würde er sie persönlich begrüßen, beginnt er zu erzählen.

„Neulich habe ich ihn gesehen“, sagt Schlottmann und zeigt ein Foto. Es zeigt einen hier fotografierten Grünspecht, den Vogel des Jahres 2014. Der ist häufig auf der Wiese anzutreffen, denn dort ist seine winterliche Futterkammer. Die vielen Zwetschgen- und Pflaumenbäume bieten für den bunten Vogel in der kalten Jahreszeit mit ihren „Fruchtmumien“ immer noch genügend Nahrung, wenn keine Ameisen oder Würmer mehr zu finden sind. „Deshalb lassen wir hier immer wieder nicht geerntete Früchte hängen“, sagt der Gartenexperte. „Der Obstbauer, der an gutem Ertrag orientiert ist, macht das natürlich anders. Aber uns geht es um Biodiversität.“ Und dazu gehöre auch, dass zum Beispiel möglichst viele Vögel durch die Streuobstwiese, die von der Stiftung Herzogtum getragen und der Stadt Ratzeburg mit gepflegt wird, angelockt werden. Ende 2016 habe er sogar einmal sieben Grünspechte, darunter fünf Jungvögel, entdeckt. Grünspechte erkenne man akustisch bereits früh an ihrem „schallenden Lachen“ und am lauten Flügelschlag.

Heute sehen wir keinen dieser hübschen bunten Vögel, aber wir hören einen. Er wartet wohl, bis wir wieder weg sind. Aber zuvor hat Peter Schlottmann noch einiges zu zeigen. Zum Beispiel die Walnuss, auf die er besonders stolz ist. Wie so viele Bäume hier auf der von Reddern umrahmten Wiese, stammt auch dieser Baum von weiter weg und fand hier eine neue Heimat. Das Besondere an diesem Walnussbaum: Er wird nicht viel größer als ein mittlerer Apfelbaum. Hat bereits trotz seiner „Jugend“ im vergangenen Jahr schon mehr als 200 Früchte getragen.

Die meisten der Bäume hier sind aber Pflaumen, Schlehen und Zwetschgen. Peter Schlottmann bleibt an einem Baum stehen, der ein Metallschildchen mit der Gravur „Kricke“ trägt. „Das ist eine Urpflaume, die schon vor 70000 Jahren in Kasachstan bekannt war“, erklärt der ehemalige Biologie-, Chemie- und Mathelehrer. „Und die Wandervölker haben über die Reiser, mit denen sie die Bäume vermehrten, diese Art immer weiter getragen, bis sie bei uns angekommen ist.“ An diesem und an vielen der anderen Bäume sind bei genauerem Hinsehen bereits zahlreiche Knospenansätze zu erkennen. „Das wird eine gewaltige Blüte dieses Jahr“, gibt sich Schlottmann überzeugt. Denn nach dem äußerst schlechten Obstjahr 2017, in dem auch die Streuobstwiese unter zehn Prozent des sonst üblichen Ertrags aufwies, hätten die Obstbäume einen großen Nachholbedarf. „Im April wird das hier alles weiß auf dem Bäumen sein“, freut sich Schlottmann, um gleich darauf eine bedenkliche Miene aufzusetzen: „Wenn Petrus uns nicht wieder mit ein paar späten Frösten einen Strich durch die Rechnung macht.“

Wichtiger Winterschnitt

Obstgehölze entwickeln sich unterschiedlich, je nach dem Boden, auf dem sie angesiedelt sind. Die Ratzeburger Streuobstwiese weist lehmigen Boden auf. Bei solchen Bodenverhältnissen sollte man möglichst im November die Reiser (Vermehrungstriebe) schneiden, um dem Baum die besten Wachstumsbedingungen zu bieten. Bei eher sandigem Boden, wie im Süden des Kreises Herzogtum Lauenburg, muss man bei Obstbäumen anders vorgehen, sagt Geobotaniker Peter Schlottmann. Auf solchen Böden ist eher ein Schnitt im Frühjahr geboten.

Biodiversität steht im Mittelpunkt des Forschungsprojekts Streuobstwiese Ratzeburg, das europaweit von Bedeutung ist. Aber natürlich erbringt dieses kleine Obstanbaugebiet auch unendlich viele Früchte. Die können Interessierte beim Apfeltag im Herbst ernten.

Matthias Wiemer

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