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Lauenburg Dassendorfer verschickt seine Königinnen in die Welt
Lokales Lauenburg Dassendorfer verschickt seine Königinnen in die Welt
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00:05 05.06.2016

Die Arbeit von Hans-Joachim Totzek aus Dassendorf wird selbst im Ausland geschätzt. Als erster Vorsitzender der Norddeutschen Peschetz Zuchtgemeinschaft hütet der 63-Jährige einen Schatz: Das Erbgut einer ganz besonderen Biene, der sanftmütigen und leistungsstarken Carnica Peschetz. Sie ist äußerst widerstandsfähig gegen Krankheiten und Milben und wirkt so gegen das Bienensterben, das eine Gefahr für die heimische Vegetation bedeutet.

Jedes Frühjahr treten die im Lauenburgischen gezüchteten Bienenköniginnen eine Reise nach Sylt an. Dort betreiben Totzek und seine Mitstreiter Beleganlagen zur kontrollierten Anpaarung von Bienenköniginnen. Auf der Insel leben sie abgeschottet vor genetischer Verunreinigung und werden dann an Züchter in der ganzen Welt verschickt. Bestellungen aus Frankreich, Österreich, Kirgisistan, Syrien und sogar Kanada gehen ein.

„Das Erbgut der Königinnen aus Dassendorf wird auf Sylt weitergegeben und vererbt“, berichtet der pensionierte Berufsfeuerwehrmann. In 26 Jahren haben Totzek und seine 120 Vereinsbrüder 1000 Königinnen angepaart. Doch die Schaltzentrale der Königinnen-Schmiede liege im Herzogtum Lauenburg. Der zweite Vorsitzende des Vereins Hans-Joachim Burmester wohnt in Bälau, Kassenprüfer Heinz Northof in Ratzeburg.

„Wir spielen in der Championsleague der Bienenzüchter“, sagt Totzek. Der Verein landet mit seinen Bienen laut Zuchtbewertungsplattform „Beebreed“ regelmäßig unter den Top Ten. Bewertet wird bei einer Leistungsprüfung unter anderem der Honigertrag eines Volkes, die Bauleistung, der Sanftmut, das Schwarmverhalten oder die Reaktion auf das Eindringen von Varroa-Milben. Wenn die Besten genetischen Eigenschaften weitergegeben werden, bauen die Züchter den natürlichen Schutz der Bienen aus.

„Damit leisten wir einen Beitrag zum Naturschutz. Das Umweltministerium möchte, dass wir gezielt starke und leistungsfähige Bienen züchten“, berichtet Totzek, der nebenbei auch Landeszuchtobmann ist und Imker berät. Vor Kurzem habe er ein Gutachten über die Aufstellung von Bienenstöcken im Hamburger Millerntor-Stadion erstellt. Jetzt fliegen die Bienen auf St. Pauli. Die graue Carnica ist nicht aggressiv und wird deshalb auch in der eng bebauten Stadt kaum zur Gefahr.

Während Züchter aus ganz Deutschland und dem Ausland ihre Bienen in die Station nach Sylt schickten, um sie dort Anpaaren zu lassen, stellt der Dassendorfer in einem „äußert komplizierten“ Vorgang selber neue Königinnen her. Dabei wird einem erfolgreichen Volk ein Alblegervolk entnommen. Zunächst ist dieses kleine Volk dann ohne Herrscherin. „Doch mit Hilfe von Gelee Royal können Bienen aus einer Arbeitermade eine neue Königin machen“, erklärt der Züchter. Das „herrscherlose Volk“ züchtet aus Sicherheitsgründen gleich etwa 20 potenzielle Königinnen heran, die in die Belegstation Puan Klent in den Sylter Dünen gebracht werden können.

Dort sind es die Drohnen, die das Spermium auf die Jungköniginnen übertragen. Nach zwei Wochen geht es zurück nach Hause oder zu Imkern, die sauberes Erbgut benötigen. Die befruchtete Königin legt im neuen Bienenstock ihre Eier. Rund 400 Schutzhäuser für 800 Königinnen sind im 12000 Quadratmeter großen Areal auf Sylt platziert. In diesen Kästchen befinden sich die Königin und etwa „zwei Suppenkellen“ voll mit Bienen. Der Kasten enthält Nahrung für drei Wochen, denn eine Selbstversorgung ist aufgrund des Blütenmangels auf der Insel nicht möglich. Ziel sei es, eine gesunde und stabile Biene für das landwirtschaftlich geprägte Schleswig-Holstein oder das städtische Hamburg überlebensfähig zu machen. Die Landwirtschaft profitiere von der Bestäubung durch die Bienen mit höheren Erträgen.

„Unsere Carnica Peschetz ist eine sanftmütige Biene, die auch im Ausland geschätzt wird“, sagt auch Margret Püttmann, stellvertretende Vorsitzende im Landesverband Schleswig-Holsteinischer und Hamburger Imker. Mit der Züchtung in Dassendorf und der größten Belegstation des Landes auf Sylt werde ein wichtiger Beitrag für den Naturschutz geleistet. Vor allem die Selektierung zum Schutz vor der gefürchteten Varroa-Milbe sei ein wichtiger Beitrag.

2016 sei übrigens das beste Bienenjahr seit drei Jahren. Die Vitalität der Bienen ist überaus gut. Die Rapsblüte sei ohne große Ausfälle wegen Regens oder Kälte voll ausgeschöpft worden.

• Mehr Infos auf www.npz-ev.de; www.imkerschule-sh.de

 Florian Grombein

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