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Lauenburg Debatte in Mölln: Der Wolf raubt Landwirten den Schlaf
Lokales Lauenburg Debatte in Mölln: Der Wolf raubt Landwirten den Schlaf
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15:15 13.04.2019
Meinungsstreit über den Wolf: Im Quellenhof diskutierten Heinz Klöser (von rechts), Hans-Peter Grell, Wolfsbetreuer Jens Matzen und Seeben Arjes. Hans-Heinrich Stamer moderierte. Quelle: Matthias Schütt
Mölln

Graues Fell, gelbe Augen, buschiger Schwanz – Alarm! Der Wolf ist zurück in Deutschland. Und sofort gehen die Emotionen hoch – bei Naturschützern, die die Rückkehr des Raubtieres feiern, wie bei Landwirten, die um ihre Rinder und Schafe fürchten. Bei einer Podiumsdiskussion der BUND-Kreisgruppe Herzogtum Lauenburg am Freitag im Möllner Quellenhof prallten die Gegensätze aufeinander. Bei allen Bemühungen, sachlich miteinander umzugehen, wurde immer wieder deutlich, dass der Wolf mehr ist als ein Wildtier. Die Ängste, die seit Jahrhunderten mit dem Mythos Wolf verbunden sind, prägen noch die aktuelle Debatte.

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BUND hatte Experten eingeladen

Der BUND hatte sich für seine Veranstaltung „Der Wolf kehrt zurück – Populationsdynamik und Vorkehrungen“ einen ausgewiesenen Fachmann eingeladen: Seeben Arjes, Forstbeamter in der Lüneburger Heide, beobachtet als Wolfsbeauftragter in Niedersachsen seit Jahren die Ausbreitung des Raubtieres. Im Gegensatz zu Schleswig-Holstein ist der Wolf in seinem Bundesland bereits wieder heimisch. „Von den derzeit rund 70 Rudeln in Deutschland“, so Arjes, „leben 15 bis 18 in Niedersachsen.“ Ein Rudel sind maximal zehn Wölfe. Zum Vergleich: In Schleswig-Holstein hat Wolfsbetreuer Jens Matzen bisher drei Wölfe identifiziert.

"Die Vorstellung, dass aufschreckte Rinder Verkehrsunfälle verursachen, ist unerträglich." Landwirt Markus Meyer, Geesthacht Quelle: Matthias Schütt

Zahl der Wölfe ist umstritten

Die wichtigsten Fakten aus Arjes Vortrag: Nachdem der Wolf jahrzehntelang ausgerottet war, wanderte er ab 1990 über Polen nach Deutschland zurück. Jetzt allerdings unter strengem Artenschutz, der die Bejagung verbietet. Wie viele Wölfe es gibt, ist unbekannt. Die Experten streiten sich, ob die Zahl von 1000 Tieren schon erreicht ist. Dann wäre von einer Bestandssicherheit auszugehen, ergänzte der Vorsitzende der Kreisjägerschaft Andreas-Peter Ehlers, sodass eine Bejagung angezeigt sei. Er schätzt den Bestand deutlich höher ein.

"Wir müssen gemeinsam die Weidewirtschaft stärken", Ole Eggers, BUND-Geschäftsführer Schleswig-Holstein Quelle: Matthias Schütt

Ist der Wolf ein Räuber, eine Gefahr für die Viehwirtschaft? Arjes meint nein: Der Wolf findet in der Natur genug Nahrung, Schalenwild, Waschbären, Biberratten, auch Mäuse und Vögel. Für die benötigte Fleischration von einem Reh pro Woche schlägt er auch kranke Tiere und frisst Aas. Nutztiere muss er bei dem hohen natürlichen Angebot nicht jagen. Wenn er es doch tue, dann weil die Landwirte nicht ausreichend vorsorgten. Neben Entschädigungszahlungen gibt es je nach Bundesland unterschiedliche Fördermittel für Zäune oder auch für Schutzhunde.

400 gerissene Schafe an der Westküste

Dass unnötig Angst vor dem Wolf geschürt werde, wollte der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, Hans-Peter Grell, nicht gelten lassen: Im letzten Jahr habe es 400 gerissene Schafe an der Westküste gegeben. Die Weidehaltung werde zurückgehen, wenn der Wolf nicht bekämpft wird. Das sei aber nicht nur Schuld des Wolfes, konterte der Ökologe Heinz Klöser aus dem BUND-Kreisvorstand. Er wies auf strukturelle Probleme in der Schafzucht hin, mit zu vielen kleinen Herden, die sich nicht kontrollieren ließen. „Wir müssen erreichen, dass Schafzucht wieder in größeren Einheiten betrieben wird.“

"Mit dem Wolf haben wir in 20 Jahren keine Weidewirtschaft mehr", Landwirt Ernst Schinkel, Klinkrade Quelle: Matthias Schütt

In mehreren Beiträgen von den rund 60 Zuhörern wurde deutlich, dass das Thema nicht ohne Emotionen behandelt werden kann. Landwirt Markus Meyer (Geesthacht), der 60 Rinder nahe der B 404 hält, treibt die Angst um, was passiert, wenn seine Tiere aus Angst vor dem Wolf ausbrechen und Unfälle auf der Schnellstraße verursachen. Von den emotionalen Belastungen beim Anblick gerissener Tiere sprachen die Hobby-Schafzüchter Michael und Uta Sauerland aus Linau. Die Entschädigung in Geld kann das nicht aufwiegen.

Fronten überwinden

Die Frontstellungen zwischen Naturschützern und Naturnutzern möchte der Geschäftsführer des BUND Schleswig-Holstein, Ole Eggers, gern auflösen. „Das Thema Wolf verstellt, dass wir gemeinsame Interessen haben. So wollen wir beide die Weidewirtschaft ausbauen. Sie ist praktizierter Naturschutz, aber sehr personalintensiv und nicht rentabel, weil sie vergleichsweise wenig gefördert wird. Hier müssen wir gemeinsam an einem Strang ziehen und mehr Druck gegen die Politik aufbauen.“

Matthias Schütt

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