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Lauenburg Dehoga Herzogtum Lauenburg hat neue Chefin
Lokales Lauenburg Dehoga Herzogtum Lauenburg hat neue Chefin
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16:16 24.11.2018
Anke Asmus, Inhaberin der Gaststätte Hans Heitmann von 1897 in Wotersen, ist neue Vorsitzende des Dehoga-Kreisverbandes Herzogtum Lauenburg. Quelle: LB
Wotersen

  Anke Asmus ist neue Kreisvorsitzende der Dehoga. Gerichte mit Produkten aus dem eigenen Garten von der Kartoffel bis zur Forelle aus dem eigenen Teich stehen bei ihr ganz oben auf der Speisekarte. Die 41-Jährige betreibt die seit mehr als 120 Jahren im Familienbesitz befindliche Gaststätte Hans Heitmann in Wotersen.

Glückwunsch zur Wahl, Frau Asmus. Haben Sie lange überlegt?

Ja, bei der Versammlung musste ich echt sehr lange überlegen, ob ich es wirklich mache. Es ist ein sehr zeitaufwendiges Ehrenamt. Es ist Arbeit, die zu dem Aufwand im Betrieb hinzukommt.

Wofür wird die Dehoga eigentlich benötigt?

Wir bieten unseren Mitgliedsbetrieben in vielerlei Hinsicht Hilfe. Das beginnt bei steuerlichen Fragen und geht bis hin zu günstigen Strom- und Gastarifen oder den Verhandlungen mit der GEZ und der GEMA. Nicht zuletzt ist auch die Reduzierung der Mehrwertsteuer für Übernachtungen auf die Initiative der Dehoga zurückzuführen.

Was sind denn die Herausforderungen, vor denen heute ein kleiner Betrieb steht?

Erst mal geht es für viele darum, überhaupt zu überleben. Wir müssen die Gäste an uns binden. Und das geht nur über gute Qualität. Aber wir müssen auch mal etwas Neues wagen. Da musste auch ich erst einmal umdenken. Zukünftig wird es immer öfter darum gehen, einen Nachfolger zu finden.

Bleiben wir mal bei Ihnen in Wotersen. Sie haben hier mit der Gaststätte Hans Heitmann einen Traditionsbetrieb. Was ist denn das Geheimnis bei Ihnen?

Wir versuchen so viel wie möglich, frisch zu verarbeiten. Mein Opa war ein Gastwirt durch und durch. Noch heute haben unsere Gäste eine Verbindung zu Hans Heitmann, wenn sie hier her fahren. Auch wenn ich nach rund 20 Jahren natürlich inzwischen in den Köpfen bin. Opa hat schon damals gesagt, alle zehn Jahre ändert sich etwas. Und das muss man immer im Hinterkopf behalten. Aber noch heute werden die Bratkartoffen bei uns noch wie früher gekocht und gepellt. Die Diskussion um die Qualität und Frische von Lebensmitteln ist immer präsenter. Gleichzeitig regiert in den Küchen immer häufiger die Convenience-Food die Schere.

Merken Sie dieses Bewusstsein bei Ihren Gästen?

Manche Gäste kennen noch nicht einmal den Unterschied zwischen einem Frische-Produkt und den vorgefertigten Convenience-Produkten. Aber auch ich merke ehrlich gesagt auf der Internorga, dass diese Produkte immer besser werden. Vor zehn Jahren war das ganz anders. Heute sind sie teilweise erschreckend gut. Viele Kollegen sagen da natürlich immer öfter, warum soll ich mir die Arbeit mit frischen Produkten machen, wenn es mit der Schere doch viel schneller geht und viele Gäste es gar nicht merken.

Aber durch die vorgefertigten Produkte wird das Essen doch auch viel einheitlicher. Wo bleibt denn dann die eigene Marke, der eigene Charakter?

Das ist natürlich die große Herausforderung und mit viel Arbeit verbunden. Dazu gehört, dass mein Vater auch schon mal mit den Gästen in unseren Garten geht und zeigt, was wir so anbauen. Wie lange ich das noch hochhalten kann, weiß ich aber nicht. Wenn mein Vater das nicht mehr kann, muss ich sehen. Ich habe ich meine frischen Produkte vom Großmarkt und Produzenten hier aus der Region. Kartoffeln aus der Plastiktüte kommen bei uns nicht in die Pfanne. Da wäre der Name mit den guten Bratkartoffel dahin.

Was zeichnet die Küche im Lauenburgischen allgemein aus?

Wir haben hier noch ganz viele Betriebe, die eben mit diesen frischen Produkten und regionalen Produkten von dem frischen Spargel bis zu den guten Kartoffeln arbeiten. Wir haben hier eine große Vielfalt. Hinzu kommt das Wildfleisch von vor Ort.

Frische und Regionalität ist ja auch immer das große Thema beim Lauenburgischen Teller. Welche Rolle spielt die Aktion für die Betriebe?

Viele sagen, wie auch ich, das ist eine ganz tolle Veranstaltung, weil ich mein Haus darstellen kann.

Was sind für Sie persönlich als Vorsitzende die großen Herausforderungen in dem Amt?

Ich muss da überhaupt erst einmal alles kennenlernen. Dafür habe ich schon viel Hilfe von Amtskollegen bekommen. Ich möchte mich intensiv für die Auszubildenden einsetzen. Denn ohne Personal und auch Betriebsnachfolger wird die Gastronomie aussterben. Da geht es darum, was wir für unsere Azubis noch tun können, damit sie nach der Ausbildung dabeibleiben.

Wie wichtig ist dafür die Kochausbildung am Berufsbildungszentrum in Mölln?

Die Auszubildenden haben dadurch nicht so einen weiten Anfahrtsweg zur Schule. Immerhin gibt es inzwischen zwei Schultage in der Woche. Früher mussten sie bis nach Lübeck fahren. Da ist das neue Angebot eine tolle Sache. Es wäre schön, wenn wir so etwas hier auch für die Restaurant- und Hotelfachleute hätten. Einige fahren inzwischen schon aus Lauenburg nach Lüneburg oder aus Geesthacht nach Hamburg, weil die Verbindung nach Lübeck zu schlecht und zu teuer ist. Aber erst einmal müssen wir dafür kämpfen, dass die Kochausbildung dauerhaft im Kreis bleibt.

Die Gaststätte Hans Heitmann

Die Gaststätte Hans Heitmann gibt es seit 1897. Sie ist ein typischer Familienbetrieb. Neben der Gastwirtschaft mit dem weit über die Grenzen Wotersens hinaus bekannten runden Festsaal für bis zu 70 Personen hat der Betrieb sechs Fremdenzimmer und eine Ferienwohnung. Zum Betrieb gehört auch ein eigener Forellenteich, der den Bedarf von 700 bis 1000 Forellen pro Jahr alleine aber nicht decken kann.

Neben Chefin und Inhaberin gibt es eine Festangestellte für den Bereich Zimmer und Service sowie kleinere Gerichte, eine Küchenhilfe in Teilzeit vor allem am Wochenende und bei Veranstaltungen sowie diverse Aushilfen auf Abruf.

Außerdem kümmert sich Asmus’ Vater Werner Westedt so weit es geht um Haus und Hof, räuchert die Fische und Schweinebacke und baut Kartoffeln an. Um den Rest kümmert sich Anke Asmus’ Mann neben seiner eigentlichen Arbeit. Asmus’ Mutter Anne Westedt ist für die Desserts zuständig, die 15-jährige Tochter backt schon eigene Torten und der Sohn, im dritten Lehrjahr zum Zimmermann, hilft dem Opa bei Haus und Hof.

Anke Asmus selbst hat von 1994 bis 1997 ihre Kochausbildung bei Hans-Otto Meier in Berkenthin absolviert. 1999 übernahm sie dann den Wotersener Familienbetrieb von ihrem Vater.

Zu den bekanntesten Gerichten bei Hans Heitmann gehören das Bratkartoffel-Buffet, die geräucherten Forellen auch außer Haus oder die verschieden Suppen und Eintöpfe. Allerdings wagt Asmus auch schon mal, Tradition mit Moderne zu verknüpfen wie bei „Draculas Knuspertalern“ zum Lauenburgischen Teller 2017 – hausgemachter Blutwurst mit Cornflakes paniert.

Holger Marohn

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