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Lauenburg Den Weg des Wassers kontrollieren
Lokales Lauenburg Den Weg des Wassers kontrollieren
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22:01 14.01.2018
Die Gefahr durch das Hochwasser der Bille an der Grander Mühle in Kuddewörde ist gebannt – vorerst. Die Sandsäcke bleiben sicherheitshalber liegen. Quelle: Fotos: Holger Marohn
Brunstorf

Lediglich im Sommerlicht glitzernde Eisplatten lassen erahnen, dass der Wasserstand vor einigen Tagen noch deutlich höher war. Auf der anderen Seite des asphaltierten Feldweges ist zumindest vor einem Teil des Tores zum Brunstorfer Klärwerk die Sandsackbarriere beiseite geräumt. „Wir werden die Sandsäcke auch erst einmal dort liegen lassen. Wer weiß, was in den nächsten Wochen noch auf uns zu kommt“, sagt Brunstorfs Bürgermeister Claus Nesemann.

Fast 150 Liter Regen sind in der Region Schwarzenbek innerhalb weniger Tage gefallen. Der plötzliche Starkregen sorgte für mehrere Großeinsätze der Hilfskräfte. Mit sinkenden Pegeln und nach Abzug der Pumpen von THW und Feuerwehr tritt nun das Ausmaß der Schäden zu Tage.

Wichtig sei nun vor allem zu klären, woran es gelegen habe, dass das Klärwerk fast überflutet worden wäre. „Wir arbeiten eng mit dem Amt und dem Kreis zusammen“, sagt Nesemann, „so eine Situation wollen wir nie wieder haben.“ Der Bürgermeister erklärt, nun werde „der ganzen Weg“ des Wasser kontrolliert und dabei geklärt, ob es Verstopfungen in Abläufen gegeben habe. Einen Zusammenhang mit dem Neubaugebiet in der Gemeinde sieht Nesemann nicht. „Schließlich wurden nicht zuletzt aus diesem Grund auf dem Gelände des 1985 eröffneten Klärwerkes zwei Ausgleichsbecken gebaut.“

Klar ist inzwischen nur, dass die zeitweise verbreite Befürchtung, bei einem Überlaufen der Klärbecken wäre das Dorf mit Abwasser und Regenwasser geflutet worden, unbegründet war. Und auch ein ungehinderter Abfluss des durch das Regenwasser hochverdünnten Abwassers in den Siekgraben und weiter durch den Sachsenwald in die Bille hätte laut Wasserbehörde des Kreises in der Natur keine nachhaltigen Schäden hinterlassen. Durch das allgemein nasse Jahr und die starken Regenfälle sei laut Nesemann allerdings der Grundwasserspiegel angestiegen und der eine oder andere Keller feucht geworden. Sein Dank gilt in jedem Fall den Einsatzkräften.

Ein Lob, dem sich auch Kollows Bürgermeisterin Ines Tretau anschließt. Auch wenn es auf der Straße inzwischen wieder aussehe, „als ob nichts gewesen wäre“: Bei genauerem Hinsehen sind am Ufer des vor einigen Tagen vom Überlaufen bedrohten Fischteiches im Uferbereich sehr wohl die Spuren des massiven Pumpeneinsatzes zu sehen. Abgeräumte Zäune, Reste eines provisorischen Pegels und völlig zertrampelte Böschungen zeugen auf mehr als 50 Metern von dem tagelangen Einsatz von Mensch und Technik.

Tretau ärgert vor allem, dass es überhaupt so weit kommen musste. Immerhin habe sie bei ihrem Amtsantritt vor fünf Jahren „alle Hebel in Bewegung gesetzt“, um Abhilfe zu schaffen. Etliche Gesprächsrunden und Gutachten habe es gegeben, um die seit 1978 immer wieder auftretenden Hochwasser in den Griff zu bekommen. „Vom Kreis haben wir dabei Auflagen für einen zweiten Straßendurchlass bekommen, die wir als Gemeinde nicht erfüllen konnten.“ Eine von der Gemeinde in Gülzow errichtete Stauung, die bei Hochwasser die Regenwassermassen hätte abpuffern können, sei von alleine kaputt gegangen.

Tretau setze nun auf das Verhandlungsgeschick des „neuen dynamischen Landrates“. Denn den Verursacher des eigentlichen Problems – die einst für die Verrohrung der Rahbek verantwortliche Flurbereinigungsgemeinschaft –, gebe es schon lange nicht mehr. Natürlich sei es rechnerisch richtig, dass wenn Einlauf und Auslauf eines Teiches den gleichen Durchmesser hätten, eigentlich nichts passieren könne. Wenn dann aber das Regenwasser zusätzlich oberflächlich abfließe und so sturzbachartig in den Teich gelange, stimme eben die ganze Rechnung nicht mehr. „In den kommenden Wochen ist ein Gespräch beim Amt geplant. Darauf setze ich.“

In Kuddewörde ist die Bille immer noch einreißender Fluss. Der Wasserspiegel steht allerdings inzwischen deutlich unterhalb der Marke von vergangener Woche. Die damals zusätzlich aufgestapelten Sandsäcke liegen inzwischen im Trockenen – anders als die noch vom vergangenen Hochwasser verbliebenen darunter. Landrat Dr. Christoph Mager weist die Kritik am Denkmalschutz den Kreises zurück.

Es gebe sehr wohl Möglichkeiten für einen stationären oder mobilen Hochwasserschutz. Nur leider habe es seit dem Frühjahr vergangenen Jahres in dieser Sache keinen Kontakt mehr zwischen den Besitzern und dem Kreis gegeben, bedauert Mager.

 Von Holger Marohn

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