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Lauenburg Ende einer Ära in Rondeshagen
Lokales Lauenburg Ende einer Ära in Rondeshagen
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20:41 12.10.2018
Auf dem Podium der Abschlussdiskussion (v. l.): Aufsichtsratmitglied der GBS Carl-Heinz Schulz,  MELUND-Vertreter Uwe Meyer, Bürgermeister von Rondeshagen Holger Krahn, Landrat Christoph Mager und der Vertreter der BI und des Deponieausschusses Volker Peters. Quelle: Fotos: Matthias Wiemer
Rondeshagen

Geschichte wird die Sondermülldeponie Rondeshagen wohl lange Zeit nicht sein, denn eine solche Deponie „lebt“ auch nach ihrer Stilllegung auf unbestimmte Zeit weiter. Aber wenn alles wie geplant vonstatten geht, wird von ihr auf Dauer keine Gefahr mehr ausgehen. Vor zwei Jahren wurde der Betrieb eingestellt, jetzt wurde die Stilllegungsphase beendet. Anlass für die Gesellschaft zur Beseitigung von Sonderabfällen mbH (GBS), mit Vertretern aus Landes-, Kreis- und Kommunalpolitik sowie mit Bürgern aus Rondeshagen Bilanz zu ziehen und in die Ferne zu blicken: Wie sicher ist die Deponie in der Zukunft?

Diese Deponie wurde 1982 gegründet, um Sondermüll aus Hamburg und Schleswig-Holstein aufzunehmen. Und dieses in Deutschland und sogar Europa einzigartige Lager für belastete Abfallstoffe machte über mehr als 30 Jahre immer wieder Schlagzeilen. Bald hatte sich eine Bürgerinitiative gegründet, die bis heute existiert. Unmut und Skepsis äußerten sich in Demonstration und wachsendem Misstrauen gegenüber Betreiber und Behörden.

Das ist nun tatsächlich Geschichte. Vor zwei Jahren fuhren die letzten Mülllaster vom Deponiehof, die Schließung wurde beschlossen. Doch damit setzte ein langer und nicht wenig komplizierter Prozess der Stilllegung ein. Der ist nun abgeschlossen, die Nachsorgephase schließt sich an. Die ist gesetzlich umrissen mit 30 Jahren. In dieser Zeit wird beobachtet, gemessen, kontrolliert. Alles ist eingebunden in einem klar definierten und durchfinanzierten Konzept. Am Ende steht die offizielle Auflösung, wenn nach Abschlussuntersuchungen dafür grünes Licht gegeben werden kann. Was kann da noch passieren?

Diese Frage stand im Mittelpunkt der ganztätigen Abschlussveranstaltung gestern am Freitag mit Begehung des Deponiegeländes. Interessierten Bürger standen Vertreter des Kieler Ministeriums für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung (MELUND), Fachleute aus dem Bereich Deponietechnik, Umweltexperten sowie Vertreter der GBS und der Kreis- und Kommunalpolitik Rede und Antwort. Zentrale Punkte waren die Sicherheit der eingehausten und eingepolderten Deponiefläche, Fragen nach Restgefahren, Kostenrisiken und vor allem nach der Sicherheit in der Zukunft.

In der Abschlussdiskussion mit GBS-Aufsichtsratsmitglied Carl-Heinz Schulz, MELUND-Vertreter Uwe Meyer, dem Bürgermeister von Rondeshagen Holger Krahn, Landrat Christoph Mager und dem Vertreter der BI und des Deponieausschusses Volker Peters wurde deutlich, dass eher positiv und weniger skeptisch in die Zukunft geschaut wird. „Ja, ich glaube das alles, was wir heute hier gehört und gesehen haben“, resümierte Volker Peters und betonte, vieles habe sich gewandelt in der Frage des Umgangs mit dem Deponiethema. Die einstige Atmosphäre des gegenseitigen Misstrauens sei Transparenz, Sachlichkeit und Vertrauen gewichen. Peters: „Das Kommunikationsniveau von heute hat es aber leider lange Zeit nicht gegeben.“

Landrat Dr. Christoph Mager versprach, der Kreis Herzogtum Lauenburg werde auch nach 30 Jahren aufmerksam auf die Deponie blicken, auch und gerade als Wasserbehörde. MELUND-Vertreter Meyer stellte hinsichtlich der Frage „Was ist nach 30 Jahren?“ in Aussicht, eventuell dann anstehende Probleme, also auch Kosten würden gemeinsam zwischen Land und Kreis geklärt, nichts würde – aus heutiger Sicht – von Kiel einseitig verordnet. Der GBS-Aufsichtsratsbeisitzer Carl-Heinz Schulz betonte zur Frage der Sicherheit, für ihn gebe es immer zwei Behandlungsebenen dieser Frage: die wissenschaftsbasierte und die subjektiv von den betroffenen Menschen empfundene Ebene. Zuletzt blickten die Diskussionsteilnehmer anlässlich dieses Endes einer Ära noch einmal über den Rondeshagener Deponie-Tellerrand hinaus. Wie gehen wir künftig mit dem Müll um? In der gemeinsamen Erkenntnis, dass es keine klaren Antworten gibt, herrschte lediglich Konsens darüber: Das Müllvermeidungsverhalten auf allen Seiten muss wachsen.

In Rondeshagen wächst erst einmal über die nächsten Jahrzehnte Gras auf dem neuen grünen Hügel.

Matthias Wiemer

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