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Lauenburg Sandabbau und Bauschutt: Deponie Wiershop will erweitern
Lokales Lauenburg Sandabbau und Bauschutt: Deponie Wiershop will erweitern
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15:25 06.12.2018
Wiershop Abfallwirtschaftszentrum Quelle: Timo Jann/Thorsten Sahmkow
Wiershop

Vor den Toren Geesthachts soll weiterhin in großem Stil Sand abgebaut und die dabei entstehende Grube auch wieder für die Deponierung mineralischer Bauabfälle genutzt werden. Diese Pläne stellte die Buhck-Gruppe, die in Wiershop ein Abfallwirtschaftszentrum (AWZ) betreibt, jetzt im Geesthachter Umweltausschuss vor. Das Projekt rückt damit auf durchschnittlich etwa 250 Meter an die Häuser der Heinrich-Jebens-Siedlung heran.

„Wir planen zurzeit die Zukunft des Standortes, der bis 2050 eine Betriebsgenehmigung hat“, erklärt Thomas Buhck, der das Familienunternehmen zusammen mit seinem Bruder Henner leitet. Allein am Standort Wiershop werden 100 Mitarbeiter beschäftigt. Buhck: „Aktuell befinden wir uns vor dem offiziellen Planfeststellungsverfahren. Uns ist daran gelegen, mit den Beteiligten im Vorwege möglichst viele Fragen zu diskutieren, um zu sehen, wohin die Entwicklung gehen kann.“ Er schätzt, dass das Planfeststellungsverfahren, für das der Kreis und das Land zuständig sind, zwei Jahre bis 2021 dauern könnte.

Lys Birgit Zorn und Thomas Buhck informierten über Pläne zur künftigen Entwicklung des Abfallwirtschaftszentrums in Wiershop. Quelle: Timo Jann

Das Unternehmen plant, ein zehn Hektar großes Gelände, das direkt an die bestehende Deponie angrenzt, zu nutzen. Zunächst könnten dort etwa zwei Millionen Kubikmeter Sand abgebaut werden, anschließend ist die Verfüllung der Grube mit verpackten Bauabfällen, darunter Dämmstoffen und Asbestplatten, geplant. „Das wäre eine Fortführung dessen, was wir heute schon machen“, sagt Lys Birgit Zorn, Geschäftsführerin bei Buhck in Wiershop. Der Sand dient beispielsweise bei Bauprojekten in Hamburg zum Bodenaustausch, die zu deponierenden Stoffe stammen aus Sanierungen und Abrissen. „Das sind Dinge, die man nicht aufbereiten kann. In unsere Deponie kommen nur Sachen, die man nicht wiederverwenden kann“, sagt Lys Birgit Zorn.

Bauschutt aus Krümmel nur im Konsens

Abfall aus dem 2015 beantragten Rückbau des nahe gelegenen Kernkraftwerkes Krümmel (KKK) werde man im Abfallwirtschaftszentrum nur annehmen, wenn darüber in der Region Konsens herrsche. Gegen Widerstand wolle man das nicht machen, betont Unternehmer Thomas Buhck. „Unser Ziel ist es aber auch, die Diskussion über den anfallenden Schutt zu versachlichen“, sagt er. Der Energiekonzern Vattenfall geht von etwa 540 000 Tonnen Abfall im Zuge des Rückbaus aus. Davon sind nur etwa 36 000 Tonnen für die Deponierung vorgesehen. Das wären Materialien, die sich nicht recyceln und wieder verwenden lassen. Etwa Dämmstoffe.

„Der Ball wurde uns Deponiebetreibern in Schleswig-Holstein vom Land zugespielt, wir selbst sind da extrem kritisch“, so Buhck. Noch unter Ex-Umweltminister Robert Habeck hatten Gespräche begonnen, in denen beraten werden sollte, wo der Abfall bleiben könnte. Wohlgemerkt normaler Bauschutt, kein radioaktiver Abfall. Buhck: „Dem Schutt haftet nur der als negativ angesehene Absender an.“ So könnte es sein, dass gebrochener Beton, der aus anderen Projekten beispielsweise regelmäßig in den Straßenbau geht, bei Kunden unerwünscht wäre, käme er aus Krümmel. Entsorgung und Recycling seien aber gesellschaftliche Aufgaben, fordert Buhck ein breites Miteinander. „Wir betreiben ein AWZ, wir stehen damit für Wiederverwendung. Nur wegen des negativen Absenders werden wir nichts deponieren, was man anderweitig nutzen könnte“, sagt Buhck. Die geplante Erweiterung von Sandabbau und Deponie hängt nicht mit dem Rückbau des Kernkraftwerkes zusammen. Buhck rechnet damit, dass, sollte es einen Konsens zur Entsorgung in der Region geben, ohnehin pro Jahr nur kleine Teilmenge der 36 000 Tonnen anfallen. Der Rückbau soll 15 Jahre dauern.

2017 schon Bauschutt angenommen

2017 wurden in Wiershop bereits 2650 Tonnen Kies, Beton, Fassadenplatten und Bodenaushub aus dem Überwachungsbereich des Kernkraftwerkes angenommen. Völlig unbedenkliche Sachen. Radioaktivität gibt es nur im Kontrollbereich des früheren Siedewasserreaktors. Und alle Bauteile, die von dort zur Beseitigung freigegeben werden, sind nach strengen gesetzlichen Vorgaben auch auf Strahlung überprüft.

Das Abfallwirtschaftszentrum Wiershop

In Wiershop wurde 1985 der Sandabbau genehmigt, es kam das AWZ mit Bauschutt- und Altholzaufbereitung, Sortieranlage, Kompostierung, Recyclinghof und Bodenbehandlung hinzu. Etwa 450 Kipplaster steuern das AWZ täglich an. Insgesamt umfasst das Gelände heute 60 Hektar, davon 35 Hektar Ausgleichsfläche vor Ort.

Die Zufahrt über die eigene Straße Rappenberg soll weiterhin genutzt werden. „Dort haben wir ja auch unsere Infrastruktur wie die Waagen angeschlossen“, erklärt Buhck. Das sogenannte „Erdenwerk“, eine Halle zur Behandlung von nassen oder staubigen Böden, soll wie heute auch künftig genutzt werden. Die Halle steht in der Grube, nach deren Rückbau wäre die Deponie dann nach etwa 20 Jahren komplett verfüllt. „Darauf würden wir dann extensives Grünland, Knicks, Biotope sowie Wander- und Reitwege neu anlegen“, berichtet Umweltingenieur Ernst Wessels aus Lübeck. Alles in enger Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises.

Anwohner erhoben keinen Einspruch

Thomas Markwart, der Vorsitzende des Umweltausschusses, bot den Bewohnern der Heinrich-Jebens-Siedlung, von denen ein knappes Dutzend die Vorstellung verfolgt hatte, an, ihre Meinung mitzuteilen, doch die Chance wurde nicht genutzt. Die Firmengruppe hatte die Anwohner ebenso wie die Menschen aus Wiershop und die Gemeindevertreter aus Hamwarde und Kollow bereits im Vorwege über die Pläne informiert. Im angrenzenden Gülzow ist ebenfalls noch eine Informationsveranstaltung geplant. „Uns ist ja an dem Austausch mit den Nachbarn gelegen“, so Buhck.

Timo Jann

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