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14:44 18.12.2018
Sigrun Spikofsky ist hauptamtliche Mitarbeiterin des Freundeskreises Hospiz Geesthacht e.V. Quelle: Jens Burmester
Geesthacht

Müde, am Ende der Kraft, jeder Schritt eine Qual: Ist es da nicht schön, eine Herberge zu finden, einen Ort, an dem man mit offenen Armen empfangen wird und sich ausruhen kann? Bei den alten Lateinern hießen Gastfreundschaft und Herberge hospitium, und daraus leitet sich der heute gebräuchliche Begriff Hospiz ab. „Aufgabe der Hospize und Hospizvereine ist es, Menschen am Ende ihres Lebens zu begleiten, sie dabei zu unterstützen, mit größtmöglicher Selbstbestimmung und in Würde dem Tod gegenüberzutreten“, erklärt Sigrun Spikofsky.

Sigrun Spikofsky (Freundeskreis Hospiz Geesthacht) und Peter Perner (Hospizverein Ratzeburg-Mölln und Umgebung) freuen sich über die Spendenbereitschaft zugunsten ihrer Vereine. Quelle: Jens Burmester

Im vergangenen Jahr feierte der Freundeskreis Hospiz Geesthacht ein 20-jähriges Bestehen. „Der eingetragene Verein war von Anfang an hauptamtlich koordiniert“, berichtet Spikofsky. „Seit 2010 bin ich hier Koordinatorin.“ 25 Stunden arbeitet sie pro Woche. Ihre Aufgaben sind vielfältig: „Ich biete als Dozentin die Vorbereitungskurse an und leite die Fortbildungen der Ehrenamtlichen, oder engagiere dafür eine Dozentin.“ Aber auch die Öffentlichkeits- und Verwaltungsarbeit falle in ihre Kompetenz. „Und natürlich die Erstbesuche.“

Ein sensibles Feld

Bei den Erstbesuchen, erklärt sie, gehe es darum, „zu gucken, welcher Ehrenamtler da rein passt“. Sterbebegleitung ist ein sensibles Feld. Da sind meist nicht nur der Sterbende oder Schwerstkranke, sondern auch Pflegekräfte und natürlich die Angehörigen. „Stimmt die Chemie nicht, kann die Begleitung gewechselt werden.“ In manchen Fällen würde sogar eine Begleitung zu zweit angeboten.

Aktuell zählt der Freundeskreis Hospiz Geesthacht etwa 130 Mitglieder, von denen etwa 30 in der Sterbebegleitung aktiv sind. So schön es ist, dass sich so viele Menschen engagieren – in der Supervision, an der die Aktiven teilnehmen müssen, ist eine so große Gruppe problematisch. „Die Gruppe ist seit etwa einem Dreivierteljahr so groß. Schwierig, denn es ist kaum möglich, dass jeder zu Wort kommt. Kaum sind wir mit der Befindlichkeitsrunde fertig, da ist auch schon fast die Zeit rum.“ Allerdings hat Sigrun Spikofsky schon eine mögliche Lösung ins Auge gefasst: die Gruppe aufzuteilen.

Wir schicken niemanden weg

Der Vorteil an dieser Gruppengröße andererseits: „Wir schicken niemanden weg. Und auch, wenn bei einigen Aktiven ein bisschen Bedauern mitschwang, weil es nun nicht mehr so kuschelig ist: Ich finde es gut, dass wir so viele Aktive haben. So kann ich in der Besetzung der Begleitungen die notwendigen Pausen einhalten und muss nicht quengeln, wenn ich dringend jemanden brauche.“

Die Arbeit der Hospizvereine und ihrer ehrenamtlichen Sterbebegleiter ist immens wichtig. Wie wichtig es ist, dass diese Vereine vor Ort präsent sind, erklärt Sigrun Spikofsky: „Viele der Menschen, die wir betreuen, sind nur kurze Zeit belastbar. Da ist es wichtig, dass unsere Mitarbeiter möglichst nah dran wohnen und schnell vor Ort sind.“

Kein rein ehrenamtlicher Verein

„Ziel der Hospizbewegung ist es, die Lebensqualität der Schwerkranken und ihrer Angehörigen zu verbessern, sodass sie in dieser schweren Zeit so bewusst, zufrieden und normal und schmerzfrei wie möglich in ihrem vertrauten und häuslichen Umfeld leben können.“ So ist es auf der Homepage des Freundeskreises Hospiz Geesthacht zu lesen. Aber der Freundeskreis Hospiz Geesthacht ist kein rein ehrenamtlicher Verein: Sigrun Spikofsky ist als Koordinatorin hauptamtlich eingestellt. Und der Freundeskreis bekommt für seine Arbeit Förderungen von den Krankenkassen. Diese Förderungen berechnen sich nach den geleisteten Begleitungen und der Zahl der aktiven Ehrenamtlichen. Dazu muss der Verein bestätigen, dass diese Aktiven einsatzbereit waren und den Sterbebegleiter-Kursus absolviert haben. Seit zwei Jahren gibt es für den Freundeskreis darüber hinaus auch anteilig Zuschüsse zu Sachkosten wie Miete und Bürobedarf. Wichtige finanzielle Zubußen, denn, wie Sigrun Spikofsky erklärt: „Wir kosten die Patienten ja nichts.“

Die Gedanken und Ziele der Hospizbewegung weitertragen: Das liegt der Koordinatorin des Freundeskreises Hospiz Geesthacht am Herzen. Möglichkeiten zu helfen, gebe es viele: „Beginnend damit, Menschen, die Hilfe brauchen, auf uns aufmerksam machen.“ Wer nicht gleich Mitglied im Freundeskreis Hospiz werden will, kann trotzdem ganz leicht helfen: „Unterstützen Sie uns durch eine Spende“, bittet Sigrun Spikofsky.

Dorothea Baumm

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