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Lauenburg Ersthelfer machte Weg für Feuerwehr frei
Lokales Lauenburg Ersthelfer machte Weg für Feuerwehr frei
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19:28 29.10.2018
Torsten Maaß wollte ein Kind aus dem Haus retten, doch das war für ihn nicht mehr möglich. Quelle: Jens Burmester
Mölln

 Eigentlich wollte Torsten Maaß (56) nur noch schnell einen Döner für sich und seine Frau holen. Doch dann kam er auf das Haus zu, das am Freitagabend zu einem großen Teil ein Raub der Flammen wurde. Er fuhr sein Auto an die Seite und wollte sofort helfen.

Torsten Maaß wollte helfen, genau wie ein weiterer Mann auch

Eine Frau stand vor dem Brandhaus in der Ratzeburger Straße und rief „Mein Kind, mein Kind“, während der Qualm schon aus dem Dachstuhl drang. Maaß hielt sofort an, wie übrigens auch ein junger Mann mit einem braunen Auto. „Der junge Mann wollte genauso helfen, wie ich auch. Er lief hinten rum, ich blieb vorn und wollte ins Haus und nach dem Kind der Frau suchen“, sagt Maaß im Gespräch mit den Lübecker Nachrichten.

Noch immer läuft bei ihm, auch drei Tage nach dem Ereignis, das ganze wie ein Film vor den Augen ab. Er ist noch immer aufgeregt, unterstützt seine Ausführungen mit den Armen und Händen, gerät dabei sogar mächtig ins Schwitzen. Er beschreibt, wie er versucht hat, in das Haus zu gelangen, um nach dem Kind der Frau zu suchen. Doch das sei ihm nicht möglich gewesen. Zu dicht sei der Qualm gewesen, der ihm entgegen geschlagen sei. Da habe er die Tür erst einmal wieder zugemacht.

„In der Zwischenzeit waren immer mehr Menschen da und standen vor dem Haus. Plötzlich aber barsten die Scheiben der Velux-Fenster und ich habe die Leute angeschrien, sie sollen abhauen, sollen sich in Sicherheit bringen.“ Noch heute ist seine Stimme vom Qualm etwas heiser und belegt. Er habe plötzlich Panik bekommen, denn inzwischen sei ein Mann auf dem Dach gewesen, der von dort herunter springen wollte. „Nicht springen, nicht springen“, habe er ihm immer wieder zugerufen. Er war sich sicher, das die Feuerwehr in wenigen Augenblicken eintreffen würde.

Die Drehleiter muss Platz haben

Die Drehleiter muss Platz haben. Das war für Torsten Maaß besonders wichtig. Quelle: Jens Burmester

Auf der Straße ging inzwischen nicht mehr viel. „Wir hatten einen Autofahrer gebeten, die Ratzeburger Straße zu sperren, doch von der Innenstadt und aus Richtung Schmilau kamen immer noch Autos. Weil es nicht mehr weiterging, habe ich die Autofahrer samt ihrer Autos weggejagt. Ich hatte Angst, dass für die Rettungsfahrzeuge, insbesondere für die Drehleiter der Feuerwehr kein Platz mehr zur Verfügung stehen könnte.

Selbst die Polizeibeamten, die vor Ort inzwischen eingetroffen waren, hätten zunächst etwas anderes zu tun gehabt, als den Verkehr zu regeln, erinnert sich der 56-Jährige. Er habe immer nur an die Drehleiter gedacht, um den Mann vom Dach retten zu können. Glücklicherweise hätten die Autofahrer auf ihn gehört. „Als dann die Feuerwehr da war und der Mann vom Dach in das Sprungkissen gesprungen war, fiel mir richtig ein Stein vom Herzen. Ich hätte gern auch noch das Kind rausgeholt, aber ich wusste ja nicht, wie ich das anstellen sollte.“

Es war so schrecklich, das alles mit anzusehen

Eine Frau sei zu ihm gekommen und habe ihn für sein umsichtiges Verhalten gelobt. Ein Polizeibeamter sei auch zu ihm gekommen und hätte ihn gelobt. Er habe ihm aber auch gesagt, dass er nicht blindlings in ein verqualmtes Haus laufen dürfe, sondern dass er auch auf sich selbst Obacht geben müsse, sich nicht selbst in Gefahr bringen dürfe. „Es war so schrecklich, dass so viele Menschen, auch mit Kindern, zugesehen haben. Ohne zu helfen. Das war wirklich schrecklich.“ Maaß zeigt dabei seinen Arm, auf dem sich in diesem Moment eine Gänsehaut gebildet hatte.

Nachdem Feuerwehr und Rettungsdienst vor Ort waren und sich um die Verletzten gekümmert haben, sei eine große Last zumindest ein wenig von ihm abgefallen und sei wenig später nach Hause gefahren. Mit seiner Frau hatte Maaß anschließend über den Einsatz gesprochen. Doch weil er bis jetzt immer noch extrem unter dem Eindruck des Erlebten steht, wird sich am Dienstag ein Vertreter des Teams Vorsorge/Nachsorge der Feuerwehr um ihn kümmern. Solche professionelle Aufarbeitung ist das, was man tun muss, um mit solchen Erlebnissen klar zu kommen.

Lob für den Möllner Ordnungsamtsleiter

Auf Nachfrage erklärt uns Torsten Wendland, Ordnungsamtsleiter der Stadt Mölln, dass alle sieben betroffenen Personen untergebracht werden konnten. Dabei, so Wendland, habe sich auch das Victor-E-Frankl-Haus sehr engagiert und geholfen. Im Krankenhaus befindet sich nur noch der 50-jährige Mann aus dem Dachgeschoss, der aus dem Fenster gesprungen und auf dem Dach einer dort abgestellten Taxe gelandet war. Er wurde in ein künstliches Koma versetzt und schwebt nach wie vor in Lebensgefahr.

Wendland selbst wurde vom Hausbesitzer, einem Mann aus dem nahen Lankau, für seine hochprofessionelle Arbeit, besonders in der Nacht, sehr gelobt. Der Ordnungsamtsleiter musste sich auch am Sonnabend noch um eine Umquartierung kümmern. Wie es mit dem Brandhaus weitergeht, ist noch unklar. Hier ist das Kreisbauamt nun mit im Boot. Die Ermittlungen zur Brandursache dauern noch an. Ob überhaupt noch ein Brandermittler in das Haus gehen kann, steht auch noch nicht fest.

Jens Burmester

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