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Lauenburg Der Herzog lässt grüßen
Lokales Lauenburg Der Herzog lässt grüßen
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23:03 02.03.2018
Das Wappen des Kreises Herzogtum Lauenburg: Es ziert historische Lederstühle im Alten Kreishaus am Ratzeburger Markt Quelle: Bettina Albrod
Ratzeburg

So kann das Kreisarchiv auf die lange Tradition eines regional geschlossenen Verwaltungsbezirks zurückgreifen. Bis heute sind weite Teile des Grundbesitzes des Kreises deckungsgleich mit den Flächen, die auch den einstigen herzoglichen Besitz, das Domanium, ausmachten. „Die Übertragung der Domänen auf den Kreis stellt die wesentliche Besonderheit des Kreises dar“, erklärt Cordula Bornefeld, seit 24 Jahren Leiterin des Kreisarchivs. „Damit hat der Kreis Herzogtum Lauenburg eine völlig andere Geschichte als die anderen Kreise in Schleswig-Holstein.“

Älteste Urkunde von 1585

Das Kreisarchiv ist Spiegelbild der Geschichte des Herzogtums Lauenburg, fasst Bornefeld zusammen. Denn die Geschlossenheit des Gebiets findet sich in der Geschlossenheit der Bestände des Kreisarchivs wieder, dessen älteste Urkunden bis 1585 zurückreichen. „1585 haben sich Ritterschaft und Landschaft (RuL) zusammengeschlossen, um im Gegenzug für finanzielle Zugeständnisse an die Lauenburgischen Herzöge Rechte und Privilegien auszuhandeln. Ein Mitspracherecht bei allen wichtigen Angelegenheiten wurde der RuL zugestanden“, erläutert Cordula Bornefeld. „Diese Rechte ließen sie sich von jedem neuen Herrscherhaus schriftlich bestätigen, bevor sie dem neuen Herzog huldigten.“ Die Belege darüber, die Landesrezesse, lagern im Archiv, das mit rund 200 historischen Urkunden einen beträchtlichen Bestand an seltenen alten Unterlagen aufweisen kann. Was andere Archive als Rarität haben, ist hier die Regel.

Auch bei der Archivverwaltung ist der Kreis Herzogtum Lauenburg Vorreiter, hier gab es aufgrund der vielen Akten bereits 1925 mit Dr. Ferdinand Gerhard einen hauptberuflichen Archivar, der damals allerdings auch noch für das Museum, die Kultur und die Volkshochschulen zuständig war. Zum historischen Bestand des Archivs sind bei deren Auflösung die Gutsarchive von Groß Thurow, Rondeshagen, Seedorf, Gülzow, Kastorf, Klein Berkenthien, Müssen, Niendorf und Tüschenbek dazu gekommen, deren Unterlagen immerhin auch bis ins 17. Jahrhundert zurückreichen. „Wir haben außerdem einen großen historischen Kartenbestand, zu dem unter anderem die alten Verkoppelungskarten gehören“, sagt Bornefeld.

Aus dem Umfeld des Museums hat sich das Kreisarchiv als moderne Partnerin der Verwaltung längst gelöst, auch wenn einige Archivalien sicher den Anspruch eines Museums erfüllen. 1925 schon entstanden die ersten Findbücher – in ihnen sind die Bestände des Archivs verzeichnet, um sie zu finden. Bis heute ist es Aufgabe eines Archivs, diese Aktenverzeichnisse zu aktualisieren, um den Zugriff zu ermöglichen. „Früher haben wir das mit Karteikästen gemacht, heute geht es per Computer viel schneller“, sagt die Archivarin.

Offen für jeden Bürger

Neben der Verwaltung sind es Chronisten, Ahnenforscher, Wissenschaftler, Journalisten und Studenten, die den Archivbestand und die Präsenzbibliothek mit rund 35000 Bänden nutzen. Regionale Geschichte, komplette Zeitungsausgaben seit 1885, Plakate und Flugblätter oder Kopien von Kirchenbüchern gehören zu den Archivalien, die für immer konserviert werden. Dabei sammelt die Archivarin nicht nur ein, sondern gibt auch selber Dinge heraus: Zur Öffentlichkeitsarbeit gehören Ausstellungen, Vorträge, die Zusammenarbeit mit Schulen oder die Aufzeichnung von Zeitzeugenberichten wie jüngst zum Mauerfall.

Im Bestand des Kreisarchivs Herzogtum Lauenburg lagern etwa 100000 Akten, zu denen neben den Unterlagen aus herzoglicher Zeit sämtliche relevanten Unterlagen der Kreisverwaltung zählen, 200 historische Urkunden, über 2000 historische Karten wie etwa alte Baupläne und Verkoppelungskarten aus dem 18. Jahrhundert und einige Bild- und Fotomaterialien. Das Archiv steht grundsätzlich jedem Bürger offen.

Weitere Infos: www.kreis-rz.de

Bundesweiter „Tag der Archive 2018“ – Heute Programm des Möllner Stadtarchivs

Neun Archive in Schleswig-Holstein laden Sonnabend oder Sonntag, 3./4. März, zum „9. Tag der Archive“ ein – so viele wie noch nie. Der Verband deutscher Archivare hat den alle zwei Jahre stattfindenden Thementag unter das Motto „Demokratie und Bürgerrechte“ gestellt. Das Kreisarchiv Herzogtum-Lauenburg öffnet erst am 21.

April seine Pforten.

Eine Übersicht über die Veranstaltungsangebote gibt’s online: www.vka-sh. de/aktuelles.html Das Möllner Archiv im Stadthaus, Wasserkrüger Weg 16, öffnet heute von 11 bis 15 Uhr. Es wendet sich mit einem attraktiven Programm an die Bürger. Der „Tag der Archive“ beginnt um 11 Uhr mit der Eröffnung der neuen Fotoausstellung zu „Gaststätten in der Möllner Innenstadt“ im Foyer des Stadthauses. Hans-Werner Kuhlmann, Leiter des Fotoarchivs, wird die neue Ausstellung präsentieren. Stadtarchivar Christian Lopau wird in das Programm einführen. Führungen werden stündlich durch das Stadtarchiv angeboten (ab 11.30 Uhr) und Bilder aus dem Fotoarchiv gezeigt (Stadthaus Raum 108). Die Möllner Gruppe des Heimatbund und Geschichtsvereins stellt ihre Arbeit vor und bietet einen Büchertisch an.

 Bettina Albrod

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