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Lauenburg Der Hirsch taucht überall auf
Lokales Lauenburg Der Hirsch taucht überall auf
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21:06 09.02.2018
Marc Grotkopp leitet das Forsthaus St. Hubertus in Groß Grönau und schenkt in seinem Restaurant gern auch gute Weine aus. Quelle: Fotos: Norbert Dreessen
Groß Grönau

„Als mein Urgroßvater Fritz Grotkopp im Jahr 1907 dieses Forsthaus baute, gab es hier weit und breit gar nichts – nur Feld, Wald und Wiesen“, erzählt der heutige Besitzer Marc Grotkopp. Vor 111 Jahren war dies zunächst ein Ausspann für Pferdegespanne, die auf der Alten Salzstraße zwischen Lübeck und den Städten im Lauenburgischen unterwegs waren. Autos gab es damals nur sehr wenige, doch Urgroßvater Grotkopp dachte zukunftsweisend und ließ bereits eine Zapfsäule für Benzin auf dem Grundstück aufstellen.

 

Der Gründer des Ausspanns war zuvor Förster – das merkt man immer noch.

Als der Forsthaus-Gründer seinen Beruf im Wald aufgegeben hatte, wollte er seinen neuen Betrieb eigentlich in Lübeck errichten, doch die Behörden der Hansestadt stellten ihm zahlreiche bürokratische Hürden in den Weg. Wenige Meter hinter der Stadtgrenze, in Groß Grönau, war alles viel leichter. Und so steht das Haus nun unmittelbar am Rand der Stadt.

Die Blätter der hohen Eichen neben dem Parkplatz, die im Herbst auf die Autos fallen, stammen schon von Lübecker Bäumen – und zwar von solchen, die im Stadtteil St. Hubertus gewachsen sind. Auch die Straße, an der das Forsthaus liegt, heißt inzwischen St. Hubertus, der Groß Grönauer Sportverein firmierte lange unter „Eintracht St. Hubertus“. Das Gebäude oder jedenfalls sein Name sind also prägend für die Region geworden.

Da sich nicht nur Pferde stärken müssen, wenn sie lange unterwegs sind, gab es von Anfang an in dieser Ausspann-Station nicht nur Hafer und Wasser, sondern auch Speis und Trank für die Kutscher und ihre Fahrgäste. Da manche von ihnen gern auch über Nacht bleiben wollten, wurden unter dem Dach elf kleine Fremdenzimmer geschaffen. „Die hatten aber nicht mal ein Bad und auch keine Toilette“, sagt Wirt Marc Grotkopp. Deshalb habe sich sein Vater Horst, der damalige Besitzer, im Jahr 1979 entschlossen, einen zeitgemäßen Anbau hinter dem Forsthaus zu errichten.

19 komfortable Zimmer stehen hier seitdem zur Verfügung, und sie stehen nicht oft leer. Städtereisen liegen voll im Trend, und viele Lübeck-Besucher schätzen dieses im Grünen gelegene Haus, zumal man mit dem Bus in nur zehn Minuten die Innenstadt erreichen kann. Familie Grotkopp kann auch viele skandinavische Gäste begrüßen, die weiter in südlichere Gegenden Deutschlands reisen wollen und hier eine Pause einlegen. Die ehemaligen kleinen Zimmer zum Übernachten sind heute Büros oder dienen als Umkleideraum für die Mitarbeiter des Hauses.

70 bis 80 Gäste können im gemütlichen Restaurant speisen, es gibt auch noch einen Veranstaltungsraum für bis zu 50 Personen, im Sommer daneben eine kleine Terrasse. Die ehemals zur Straßenseite gelegene große Veranda ist jedoch längst verschwunden. Ansonsten hat sich das Forsthaus äußerlich seit der Errichtung kaum verändert. Es gab auch keinen Grund dafür.

Das Restaurant wiederum erfüllt alle Anforderungen der heutigen Zeit. „Wir legen auf eine feine, anspruchsvolle Küche Wert“, betont Marc Grotkopp. Besonders beliebt seien bei ihm Wildgerichte wie Hirschrücken, in der Winterzeit seien Gänse stark gefragt. Weinkenner werden auf der Karte auch so manchen Tropfen entdecken, der ihnen zusagt.

Namensgeber St. Hubertus

St. Hubertus, Namensgeber des Hauses in Groß Grönau, lebte von 655 bis 727. Er war Bischof von Lüttich und Maastricht und wird in der katholischen Kirche als Heiliger verehrt. Schon aus dem Mittelalter ist die Hubertuslegende überliefert, wonach der Geistliche auf der Jagd vom Anblick eines prächtigen Hirsches mit einem Kruzifix im Geweih bekehrt wurde. Deshalb wird Hubertus bis heute als Schutzpatron der Jäger angesehen. Außerdem gilt er als Patron der Hunde und auch noch als Helfer gegen Tollwut.

 Norbert Dreessen

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