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Der Kompromiss von Duvensee

Duvensee Der Kompromiss von Duvensee

Heißer Streit ums Duvenseer Moor: Umweltminister Robert Habeck moderierte eine Infoveranstaltung und beruhigte am Ende die Gemüter. Der Kompromiss: Das Land gibt ein hydrologisches Gutachten in Auftrag, parallel dazu nimmt der von den Dörfern initiierte Naturschutzverein seine Arbeit auf. 

Volles Haus in der Duvenseer Schmiede: Gastgeber Robert Habeck, grüner Landesumweltminister, moderierte die Veranstaltung.

Quelle: Strunk

Duvensee. Das Umweltministerium des Landes Schleswig-Holstein gibt ein hydrologisches Gutachten in Auftrag, das die Bedeutung des Duvenseer Moores deutlich und Vorschläge für ein weiteres Vorgehen machen soll. Parallel dazu nimmt der von den Dörfern Duvensee, Lüchow, Labenz und Klinkrade initiierte Naturschutzverein seine Arbeit auf. Gegenseitige Information und mindestens vierteljährliche Gespräche sollen diese Kooperation vertiefen. Das ist der Kompromissvorschlag, den der Kieler Umweltminister Robert Habeck am Ende einer fast vierstündigen Informationsveranstaltung machte, und der sowohl von den Protagonisten als auch vom Publikum mit starkem Applaus begrüßt wurde.

LN-Bild

Heißer Streit ums Duvenseer Moor: Umweltminister Robert Habeck moderierte die Infoveranstaltung und beruhigte am Ende die Gemüter.

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Hans-Peter Grell, Bürgermeister von Duvensee, und seine helfenden Hände waren am Dienstagabend etwas überrascht über den großen Andrang der Menschen in der „Duvenseer Schmiede“. Mehr als 220 Stühle hatten sie im Dorfgemeinschaftshaus aufgestellt. Doch das reichte bei weitem nicht. An den Seitenwänden, im Hauptgang und im Rückraum bis in den Eingangsbereich stehend drängelten sich die Zuhörer – insgesamt laut Grell rund 400 Menschen –, um den erwarteten Schlagabtausch der Ministerialen aus Kiel mit den Dorfvertretern, die einen eigenen Naturschutzverein gründen wollen, zu verfolgen. Das Ministerium hatte zu dieser Einwohnerinfo eingeladen, allerdings saßen am Podiumstisch auch Landrat Dr. Christoph Mager und der Möllner Landtagsabgeordnete Klaus Schlie (beide CDU) sowie die vier Bürgermeister der Anlieger-Gemeinden: Hans-Peter Grell (Duvensee), Axel Funck (Lüchow), Ernst-August Bruhns (Klinkrade) und Ulrich Hardtke (Labenz). Letzterer begrüßte auch in seiner Eigenschaft als Amtsvorsteher die Gäste und bat vorausschauend um Diskussionsbeiträge, die „nicht unter die Gürtellinie zielen“ sollten.

Während der Vorträge der Ministeriumsmitarbeiter Manfred Bohlen (MELUR, Naturschutz), Klaus Jödicke (Biologen im Arbeitsverbund), Jeanine Wagner (LLUR, Integrierte Station Mölln) und Ines Winkelmann (LLUR, Naturschutz, Flintbek) war diese Gefahr nicht groß. Sie legten die Überlegungen der Behörde sachlich und ausführlich dar.

Schwieriger wurde es, als Klaus Däkena, Sprecher der Bürgerinitiative „Pro Natur Duvenseer Moor“, ans Mikro trat. Mit seinem Statement, in dem er den Gemeindevertretern und Bürgermeistern der vier Orte vorwarf, die Bevölkerung für ihre eigenen Interessen zu instrumentalisieren, brachte er den Saal in Wallung. Reinhard Wilke, Landwirt und stellvertretender Bürgermeister in Labenz, hielt es nicht mehr auf dem Stuhl: „Unerhört wie hier die ehrenamtliche Arbeit in den Schmutz gezogen wird!“, schimpfte er und mochte sich kaum beruhigen. Dabei fand er Zustimmung bei der Mehrheit der Zuhörer.

Habeck gelang es, die kochende Volksseele wieder zu beruhigen, indem er alle Diskussionsteilnehmer bat, persönliche Animositäten und Angriffe zu unterdrücken. Was Däkena offenbar nicht auf sich bezog, denn er las unbeirrt von seinem Zettel ab und appellierte schließlich an die Gemeindevertreter, „ihre Blockadehaltung aufzugeben und mit dem Umweltministerium zusammenzuarbeiten“.

Habeck selbst hatte zu dem Zeitpunkt offensichtlich schon einen anderen Entschluss gefasst und den genannten Kompromissvorschlag formuliert. Ausschlaggebend war vermutlich der eindringliche Vortrag des Duvenseer Landwirts und Jagdvorstehers Gerd Vogler zuvor. Dieser hatte die Position der „Dörfler“ deutlich gemacht, in einer Tabelle seine subjektiven Vor- und Nachteile eines Naturschutzgebietes und eines Naturschutzvereins aufgelistet. Vor allem die Ängste und Sorgen machte er deutlich und erntete dabei immer wieder Zwischenapplaus.

Am Ende verzichtete Labenz’ Bürgermeister Ulrich Hardtke auf eine angekündigte Abstimmung der Einwohner mit roten oder grünen Karten für oder gegen ein Naturschutzgebiet. Worum ihn zuvor Habeck und auch Landtagspräsident Klaus Schlie gebeten hatten – „im Sinne des Dorffriedens“.

KOMMENTAR

Respekt und Anerkennung

Der grüne Umweltminister Robert Habeck ist vor allem Landwirten und ihrem Anhang eine „Kröte“, an der sie angesichts der vergangenen Landtagswahlen und der daraus resultierenden Koalitionsverhandlungen („Jamaika“) arg zu schlucken hatten. Bei den Bauern ist er aufgrund seines konsequenten und ihrer Meinung nach nur ideologisch begründeten Kurses nicht sehr gelitten.

Allerdings hat sich Habeck auch Anerkennung bei seinen ärgsten Gegnern erarbeitet. Das wurde deutlich bei seinem Auftritt am Dienstag in Duvensee. Nicht nur, dass ihm ausgerechnet ein CDU-Urgestein wie Klaus Schlie Respekt zollte. Auch die Diskutanten und Zuhörer honorierten Habecks Kompromissbereitschaft. Insofern präsentierte sich der Kieler Minister nicht als verbohrter, auf Recht und Macht pochender Bürokrat, sondern als pragmatischer Zuhörer und Akteur.

 Joachim Strunk

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