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Der Mann, dem die Straße fehlen wird

Mölln Der Mann, dem die Straße fehlen wird

Nach 21 Jahren als Möllner Streetworker wechselte Axel Michaelis jetzt zum Schulsozialarbeiter am Berufsbildungszentrum — „Riesenbedarf“ in der Einrichtung.

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Axel Michaelis (53) ist seit kurzem Schulsozialarbeiter am BBZ in Mölln und Geesthacht. 21 Jahre lang war er Streetworker in Mölln. Kaum jemand kennt die Jugend in der Stadt so gut wie er.

Quelle: Philip Schülermann

Mölln. Nach mehr als 20 Jahren als Streetworker in Mölln hat Axel Michaelis zum Berufbildungszentrum (BBZ) in Mölln gewechselt. Eine Entscheidung, die ihm nicht leicht gefallen sei. Den Kurs seines Vorgängers Markus Daiker will der Hollenbeker beibehalten — seine zahlreichen Kontakte in der Stadt aber auch. Kaum einer kennt sich in der Möllner Jugendszene aus wie er.

21 Jahre, sieben Monate, acht Tage — eine tolle Zeit.“Axel Michaelis, Schulsozialarbeiter am BBZ

„Es gibt einen Riesenbedarf an Schulsozialarbeit am BBZ“, sagt Axel Michaelis. Weit mehr als 3000 Schüler, zwei Standorte, einer in Mölln, einer in Geesthacht. Im Süden des Kreises werde er Präsenzzeiten einrichten, ansonsten ist sein Büro in Mölln. Das sei mit den eineinhalb Stellen für die Schulsozialarbeit anders kaum möglich, sagt er. Das wolle er ändern und sich weiter für zwei volle Stellen einsetzen. Die eineinhalb Stellen teilt er sich mit Kollegin Victoria Wollweber.

Axel Michaelis‘ Geschichte und sein beruflicher Werdegang sind eng mit Mölln verbunden. „Mölln ist die schönste Stadt der Welt“, sagt der 53-Jährige, der gebürtig aus Henstedt-Ulzburg kommt. Als Kind habe er sich in das Lauenburgische verliebt, als er in den Ferien auf einem Pferdehof in Hollenbek war.

„21 Jahre, sieben Monate, acht Tage“, sagt Michaelis. „Eine tolle Zeit.“ So lange war er Streetworker in der Eulenspiegelstadt, hat vielen Jugendlichen geholfen, Projekte umgesetzt, Schicksale gesehen. Angefangen hat alles durch einen Zufall. Eigentlich war er auf dem besten Weg in einen handwerklichen Beruf. Dann aber besuchte er eine Freundin, die in einem Kinderheim arbeitete. „Dort sind die Kids über mich hergefallen.“ Er machte eine Ausbildung zum Erzieher und seinen Zivildienst im Lebenshilfewerk Mölln — im handwerklichen Ausbildungsförderungsbereich. „Da habe ich festgestellt: Mölln ist es“, sagt Michaelis. Aber bevor er blieb, wollte er die Welt sehen.

„Vier Jahre bin ich mit dem Fahrrad um die Welt gefahren“, erzählt Michaelis, der noch heute leidenschaftlicher Radfahrer sei — und Kanufahrer und Angler. 1988 fuhr er mit seiner damaligen Freundin los. Er habe auch kurz überlegt, ob er in der Türkei, in Tasmanien oder Chile bleibe, kam dann aber doch zurück nach Mölln. „Durch die Brandanschläge bin ich zum Aktivisten geworden“, sagt Michaelis.

Im Jugendzentrum traf er auf rechte Jugendliche, „mit meiner heutigen Frisur“, sagt er und lacht. Die Rechten hätten ihn damals als „Bombenleger vom Zeckenverein“ bezeichnet. Denn damals habe er die Haare lang getragen.“ Ich war ein Späthippie.“ Er arbeitete mit den Jugendlichen. Den Rechten hätte er gezeigt, dass sie nach den Anschlägen ähnliche Ausgrenzungsmechanismen erfahren hätten, wie die, gegen die sich ihre Hetze gerichtet habe. So kam er 1994 zur Straßensozialarbeit. Das Studium in Lüneburg hat er nicht abgeschlossen. Seiner Karriere als Streetworker war das nie hinderlich. Gelernt habe er als Sozialarbeiter auf Möllns Straßen, „dass mich die Jugendlichen auch mögen dürfen“, sagt er — als einer von ihnen.

21 Jahre später steht Axel Michaelis vor einen neuen Herausforderung. „Das war schon immer interessant für mich.“ Er ist der neue Schulsozialarbeiter am BBZ. Er habe gemerkt, dass er den Aktivitäten als Streetworker nicht mehr gewachsen sei — zum Beispiel beim Fußball mit den Jugendlichen. Von der Straße in Rente zu gehen, habe er sich nicht mehr vorstellen können. Dennoch scheint er es auch im neuen Job nicht ruhiger angehen zu wollen: Einzelfallhilfe und -beratung für Schüler, Beratung von Lehrern und Eltern, Konfliktmanagement, Vermittlung an Fachkräfte, Präventionsmaßnahmen. Hinzu kommen Projekte wie gegen rechte Gewalt an Schulen.

„Neulich bin ich eingeschlafen, als ich meinen Kindern abends vorgelesen habe“, erzählt der Sozialarbeiter. Die Eingewöhnungszeit sei schon anstrengend. Aber: „Ich könnte mir vorstellen, das hier bis zur Rente zu machen.“ Klar werde ihm die Straße fehlen, aber viele der Jugendlichen treffe er in der Schule — und er könne seine Netzwerke und sein Wissen über Möllner Strukturen am BBZ nutzen.

Von Philip Schülermann

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