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Lauenburg Der Rettungsplan für Möllns Pracht-Orgel
Lokales Lauenburg Der Rettungsplan für Möllns Pracht-Orgel
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22:22 27.06.2013
Christian Brosse (r.) und Christian Lopau verfassten eine Broschüre zur Geschichte und zur Bedeutung der alten Kirchenorgel.
Mölln

Geplant ist sie schon seit Jahren, dringend nötig ist sie auch — und in Angriff genommen werden soll sie in absehbarer Zeit: die Sanierung der berühmten Möllner Kirchenorgel in der Nicolaikirche, deren älteste Pfeifen wohl aus dem Jahr 1436 stammen.

Bei den Sommerkonzerten 2013 wird dieses mächtige Instrument derzeit wieder oft gespielt, und wer nicht so genau hinhört, der wird den Klang auch als wunderschön empfinden. Genaugenommen ist er es aber nicht mehr, denn die historische Stadtorgel der Nicolaikirche ist schadhaft und muss wegen vieler Mängel von Grund auf saniert werden.

Die evangelische Kirchengemeinde Mölln ist diesem großen und teuren Ziel jetzt wieder ein wichtiges Stück näher gekommen: Die Restaurierungsarbeiten wurden international ausgeschrieben, wobei zwei deutsche und zwei holländische Orgelbaufirmen, allesamt spezialisiert auf historische Instrumente, Angebote einreichten. Zuvor hatten diese Firmen Fachleute nach Mölln geschickt, um die historische und immer wieder umgebaute Orgel gründlich unter die Lupe zu nehmen.

Das Ergebnis der Untersuchungen ist auf einer Doppelseite der reich bebilderten Broschüre „Möllner Stadtorgel/Orgelstadt Mölln“ nachzulesen: „Die Orgel pfeift aus dem letzten Loch“ steht da, und so sieht es auch der Orgelbauverein St. Nicolai zu Mölln, der das Büchlein herausgab. Der Vereinsvorsitzende Christian Brosse, Möllns Stadtarchivar Christian Lopau und Angelika Gerlach haben Unmengen von Fakten und Daten über das wertvolle Instrument zusammengetragen. „Wir beschreiben die Sternstunden und die Katastrophen in der Entwicklung der Orgel — mit viel Ernst und einem Schmunzeln“, so Brosse.

Die Broschüre ist für eine Spende von zehn Euro für den Orgelbauverein in Mölln unter anderem in St. Nicolai, dem evangelischen Kirchenbüro und in der Buchhandlung Weber zu haben. Wer das Heft liest, erfährt viel darüber, wie das Instrument mit seinen 2000 Pfeifen rekonstruiert werden kann. Eins steht fest: Die Sanierung wird so umfangreich sein, dass sie einem Neubau nahekommt. Die Orgel ist nämlich schon mehrfach saniert oder modernisiert werden, und das ist ihr nicht gut bekommen.

Ganz schlimm traf es die Orgel in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Da wurden zum Beispiel Registerschalter aus billigem Plastik eingebaut. Viele von ihnen sind mittlerweile bereits abgebrochen. Schon 2010 stellte der Orgelbauer Hans-Ulrich Erbslöh eine Mängelliste auf, die ebenso deutlich wie negativ ausfiel: Erbslöh: „Das Konzept der Umbau- und Sanierungsmaßnahmen der 70er Jahre ist vollkommen fehlgeschlagen, nicht zuletzt wegen der mehr als dürftigen handwerklichen Ausführung.“ Das Leder der Ladenbälge sei mürbe, die Schleifenmotoren altersschwach und das Pfeifenwerk so ungeschickt eingebaut, dass viele Pfeifen überhaupt nicht zu erreichen seien.

Vor Ort ist eine historisch getreue Orgelsanierung kaum machbar, zumal auch etliche Träger und Stützen erneuert werden müssen. Brosse: „Die Orgel wird wahrscheinlich komplett ausgebaut und in der Werkstatt der beauftragten Firma restauriert werden.“ Das dürfte zwei Jahre dauern und wird nach neuesten Berechnungen 1,25 Millionen Euro kosten. Welches Unternehmen den Auftrag bekommt, wird der Kirchengemeinderat noch in diesem Herbst entscheiden.

Allein wird die evangelische Kirchengemeinde die nötigen Mittel aber auf keinen Fall aufbringen können. Deshalb sammelt ja auch der Orgelbauverein unermüdlich Spenden — bisher 243 000 Euro. Wenn der Auftrag erteilt ist und alle Unterlagen vorliegen, will sich die Kirchengemeinde auch an jene großen deutschen Stiftungen wenden, die sich auf die Unterstützung solcher Vorhaben spezialisiert haben. „Wir brauchen Großsponsoren, aber wir brauchen auch viele kleine Spenden von Menschen aus Mölln und dem ganzen Kreis“, sagt dazu Wolfgang Hünnecke, Vorsitzender des örtlichen Kirchengemeinderats. Denkbar sei auch, die Orgel und die ganze Kirche, die selbst auch einigen Sanierungsbedarf hat, als Denkmal von nationaler Bedeutung anerkennen zu lassen — dann gäbe es Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt.

Doch auch möglichst viele Möllner sollten sich engagieren, wünscht Archivar Lopau: „Diese wertvolle Orgel gehört nicht nur zur Kirche, sie gehört zur Stadt.“

Viel geleistet
Bekannte Orgelbaumeister wie Jakob Scherer (1558), Friedrich Stellwagen (1639) oder Christoph Julius Bünting (1754) haben im Laufe der Jahrhunderte an der Möllner Kirchenorgel hervorragende Arbeit geleistet.


Schäden hat es immer wieder gegeben. So schrieb der Organist Georg Hachmeister anno 1845 an den zuständigen Pastor: „Der Zustand der sechs Bälge unserer Orgel, die seit 40 Jahren nicht vom Orgelbauer, sondern stets nur vom Organisten ein wenig geflickt worden sind, ist der Art, dass sich niemand wundern darf, wenn einmal bei gefüllter Kirche mitten im Gesang die Orgel verstummt.“

Norbert Dreessen

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