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22:10 27.06.2016
Syrische Kinder tanzen Hip-Hop im Rahmen eines Projektes in der Gemeinschaftsschule Schwarzenbek. Quelle: Fotos: Ge
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Schwarzenbek

„Integration braucht langen Atem“, sagt Andreas Hartung, Schulleiter der Grund- und Gemeinschaftsschule in Schwarzenbek, auf die Vorwürfe von Eltern, die ihre Kinder von Flüchtlingen bedroht sehen, und berichtet im LN-Gespräch von Integrationsbemühungen der Schule.

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Syrische Kinder tanzen Hip-Hop im Rahmen eines Projektes in der Gemeinschaftsschule Schwarzenbek.

72 Kinder von Flüchtlingen werden derzeit in vier Klassen unterrichtet. Eigentlich waren 24 Kinder angekündigt, dann stand die Schule vor dem Problem, die dreifache Menge unterzubringen. Eine der Lehrerinnen in den DaZ-Klassen (Deutsch als Zweitsprache) ist Anke Thalau. „Das Problem sind die unterschiedlichen Voraussetzungen“, sagt sie. Manche Kinder müssten erst alphabetisiert werden. Mit den anderen würden deutsche Vokabeln und Alltagssituationen geübt, oft anhand von Bildern – eine gemeinsame Sprache zwischen den Kindern aus den arabischen Ländern und ihrer deutschen Lehrerin.

Integration hat viele Gesichter: In der neunten Klasse der Gemeinschaftsschule wurde im Englischunterricht gerade über Lifestyle gesprochen. Dabei ging es auch um Hip-Hop. Schulkoordinatorin Anke Ramke wusste von einer Gruppe syrischer Kinder, die nachmittags im Jugendtreff Korona Hip-Hop trainiert. Kürzlich wurden beide Gruppen in der Schule zusammen gebracht. Vier Schüler erzählten auf Englisch, was Hip- Hop ist, danach zeigten syrische Kinder ihre Akrobatikkünste. Eine kurze Begegnung, aber vielleicht eine nachhaltige.

„Wir wünschen uns eine gegenseitige Wertschätzung“, sagt Schulleiter Hartung, räumt aber ein, dass es selbst im Kollegium Vorbehalte gebe. „Am Anfang ist es immer so“, sagt Ramke. Man stehe vor großen Aufgaben und habe Sorge, es nicht zu schaffen. Für etwas Entspannung wird die zusätzliche pädagogische Kraft sorgen, die seit etwa sechs Wochen in der Gemeinschaftsschule arbeitet. Claudia Schmidt wird vom Kreis bezahlt. „Die Stelle ist bis zum Jahresende befristet. Wir hoffen auf eine Fortsetzung in 2017, damit die pädagogische Arbeit Früchte trägt“, sagt Hartung. Und: Integration dürfe nicht mit Schulschluss und an der Grenze des Pausenhofes aufhören. Hier sei vor allem auch die Stadt gefordert. „Was passiert in den Ferien?“, fragt der Schulleiter. Eine Frage, die vielleicht auch heute Abend zur Sprache kommt, wenn der Sozialausschuss tagt. Eltern hatten in der Stadtverordnetenversammlung geklagt, dass ihre Kinder nicht mehr zur Schule gehen wollten, weil sie von Flüchtlingskindern geschubst und bedrängt worden seien. „Einzelfälle“, sagt Hartung. Auch deutsche Kinder würden sich auf dem Schulhof prügeln. „Unsere Aufgabe ist der Spagat zwischen gewaltlos Grenzen setzen und pädagogischer Einwirkung. Wir müssen den Kindern immer wieder das Gefühl geben, dass sie willkommen sind.“

Ein Willkommensgruß am Eingang, in verschiedenen Sprachen auf graue Schulmauern gemalt, soll ein kleines Signal in diese Richtung geben.

Flüchtlingskinder sind Thema heute im Ausschuss

Einige Eltern hatten sich in der Einwohnerfragestunde der Stadtverordnetenversammlung darüber beklagt, dass ihre Kinder von Flüchtlingen derart bedrängt und geärgert würden, dass sie sich gar nicht mehr in die Schule trauten. Die „Angriffe“ waren außerhalb des Schulgeländes passiert. Ein Thema, das den Stadtverordneten nicht bekannt war, und das sie hellhörig gemacht hat.

In der heutigen Sitzung des städtischen Sozial- und Kulturausschusses ab 18.30 Uhr im Schwarzenbeker Rathaus wollen die Kommunalpolitiker über das Problem beraten und überlegen, wie es in den Griff zu kriegen ist. Zuvor wird Schulleiter Andreas Hartung über die Arbeit der Schule mit den Kindern von Flüchtlingen sprechen. Er hat inzwischen diverse Gespräche mit Eltern geführt und ihnen das Schulgesetz deutlich gemacht.

 Silke Geercken

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