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Der schwierige Tausch auf dem Chefsessel ist gelungen

Schwarzenbek Der schwierige Tausch auf dem Chefsessel ist gelungen

Schwarzenbeker Schlosserei bietet positives Beispiel für Geschäftsübergabe. Was selten so gut gelingt: die Übergabe vom Meister an den Nachfolger. 

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Christoph Bethke (rechts) hat die Schlosserei Dreves von Klaus Finselberger übernommen und führt das Unternehmen wie gewohnt weiter.

Quelle: Foto: Timo Jann

Schwarzenbek. Als Christoph Bethke (33) vor zehn Jahren sein Vorstellungsgespräch bei Klaus Finselberger (58) hatte, wollte er von dem Inhaber der Schlosserei Dreves wissen, wie weit er es im Unternehmen denn bringen könnte. „Damals hab ich ihm gesagt, er könne den Laden in ein paar Jahren kaufen und Chef werden“, erinnert sich Finselberger. Jetzt sitzt Bethke auf dem Chefsessel des Handwerksbetriebes an der Industriestraße, führt fünf Gesellen und einen Auszubildenden. Der 33-Jährige hat den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt und die Firma von Finselberger – der ihm noch tageweise zur Seite steht – gekauft.

Unterstützung der IHK

Die Industrie und Handelskammer (IHK) Lübeck bietet ihre Beratung bei monatlichen kostenlosen Stabwechselgesprächen für Unternehmer oder die Sensibilisierung von Studenten für das Thema, etwa beim „Aktionstag Nachfolge“ am 21. Juni, an. Selbstverständlich werden auch Geschäftsführer an Ort und Stelle im Unternehmen bei allen Fragen des Nachfolgeprozesses begleitet.

Finselberger selbst hatte den Betrieb 1999 von Heinz Dreves übernommen. „Der hatte damals einen Nachfolger gesucht und über meine Frau, die bei ihm arbeitete, hatte ich davon erfahren“, so Finselberger. Als Bethke sich vor zehn Jahren bei ihm beworben hatte, war das mit der Nachfolge nicht wirklich ernst gemeint.

Doch im Laufe der Jahre bewegte Finselberger und Bethke das Thema immer wieder. Erste nötige Voraussetzung: Bethke musste den Meisterbrief machen. In der Abendschule schaffte er es parallel zum Job in der Schlosserei. Als Finselberger wegen Herzbeschwerden ins Krankenhaus musste, war das für ihn ein deutliches Zeichen. „Ich wollte kürzer treten, für uns wurde es also Zeit, uns zu sputen“, sagt der Handwerker.

Bethke wandte sich an Michael Lorz, Geschäftskundenberater der Kreissparkasse (KSK), um über die finanziellen Möglichkeiten zu sprechen. „Solche Nachfolgelösungen sind immer sehr individuelle Projekte. Hier hatten wir den Vorteil, dass beide Partner genau wussten, auf wen und was sie sich einlassen, weil sie sich seit Jahren kennen. Außerdem gab es keinen Zeitdruck“, berichtet Lorz. Er kennt es auch anders. „Manchmal wollen Interessenten so etwas in weniger als drei Monaten ohne Konzept geklärt haben“. Schnell wurden sich Bethke und die KSK einig, die Familie bot dem Existenzgründer Rückhalt, der Steuerberater hatte Tipps, Fördermöglichkeiten über günstige Kredite wurden ausgelotet. „Jetzt haben wir die Schreibtische getauscht“, scherzt Finselberger. Er sitzt auf dem Platz seines früheren Angestellten, und der ihm gegenüber auf dem Chefsessel. Drei Tage pro Woche ist Finselberger noch im Büro. „Ich bin froh, dass wir noch einige Zeit zusammenarbeiten und ich so in alle Bereiche gut reinwachsen kann“, sagt Bethke, der von seinen Mitarbeitern noch immer als Kollegen spricht. „Wir sind ein kleiner Handwerksbetrieb, da geht es eh’ nur im Team“, erklärt der 33-Jährige. Doch den Kurs für die Crew gibt er jetzt vor.

Zäune und Tore, Geländer und Handläufe, Reparaturen und Blechverarbeitung – das Angebot der Schlosserei ist groß. „Für die Zukunft möchte ich den Markt weiter beobachten und die gewohnte Qualität in unserer bekannten Zuverlässigkeit bieten“, sagt Bethke.

 Die Geschäftsübergabe lief bei der Schlosserei Dreves reibungslos. „Das hat hier wirklich vorbildlich geklappt“, freut sich Lorz. Sein Tipp: Chefs sollten frühzeitig an das Thema denken, spätestens mit 55. „Leider können Chefs manchmal nicht gut loslassen. Aber man muss sich rechtzeitig Gedanken über einen Nachfolger machen. Wie hier gibt es ja entweder in der Belegschaft geeignete Nachfolger, aber es gibt auch Onlinebörsen, bei denen Inhaber und Nachfolger zusammenfinden können“, sagt Lorz.

Die Industrie- und Handelskammer bietet für Nachfolgeregelungen spezielle Beratung an. „In unserem Kammerbezirk gehen wir von 12000 IHK-Unternehmen aus, deren Geschäftsführung älter als 55 Jahre ist, und man sich somit erste Überlegungen bezüglich der Nachfolge machen sollte. Die Zahl ist sogar höher, da die Mitglieder der Handwerkskammer und Freiberufler noch fehlen“, sagt Nils Thoralf Jarck, der Leiter des Geschäftsgründungsbereichs der IHK Lübeck.

Handwerkskammer lädt am Mittwoch zum Nachfolgetag

Auch die Handwerkskammer Lübeck veranstaltet am 7. Juni in Lübeck einen Nachfolgetag, der sich sowohl an Handwerksunternehmer richtet, die einen Betrieb übernehmen wollen, als auch an potenzielle Übergeber. Die Betriebsberater der Handwerkskammer Lübeck geben anhand von Vorträgen und Praxisbeispielen wertvolle Tipps für eine erfolgreiche Übernahme oder Übergabe. „In den kommenden Jahren steht aufgrund der Altersstruktur der Inhaber bei vielen Handwerksbetrieben die Betriebsübergabe an. Der Erhalt der Betriebe und der Arbeitsplätze ist für die regionale Wirtschaft von größter Bedeutung. Mit dem Nachfolgetag wollen wir über dieses wichtige Thema aufklären und potenzielle Übergeber und Übernehmer zusammenbringen“, sagt Mandy Hennig, Betriebsberaterin der Handwerkskammer Lübeck.

Unternehmer sind eingeladen, sich zum Thema Betriebsnachfolge zu informieren und Kontakte zu knüpfen. Die Veranstaltung findet von 9.30 Uhr bis etwa 16 Uhr in der Handwerkskammer Lübeck, Breite Straße 10/12, in Lübeck statt. Die Teilnahmegebühr beträgt 30 Euro für Unternehmer, die ihren Betrieb übergeben wollen, und 15 Euro für potenzielle Übernehmer.

Eine Anmeldung wird erbeten unter: Betriebsberatung der Handwerkskammer, Tel. 0451/ 1506238, E-Mail: betriebsberatung@hwk- luebeck.de

 Timo Jann

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