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Lauenburg Der strahlende Müll bleibt auf Jahrzehnte in Geesthacht liegen
Lokales Lauenburg Der strahlende Müll bleibt auf Jahrzehnte in Geesthacht liegen
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18:22 26.04.2018
Das eigentliche Kernkraftwerk soll voraussichtlich ab 2020 zurückgebaut werden. Auf dem Foto rechts daneben befindet sich noch das Standortzwischenlager für Atommüll, das noch durch eine weitere Lagerstätte ergänzt werden soll. Deren Betrieb wird sich noch Jahrzehnte hinziehen. Quelle: Fotos: Timo Jann
Geesthacht

Das berichtete Kraftwerksleiter Torsten Fricke im Rahmen der Dialogveranstaltung „Perspektive Krümmel“ zum Rückbau des ehemals leistungsstärksten Siedewasserreaktors der Welt. Nach der Neuordnung der Zuständigkeiten für die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle hatte das Bundesumweltministerium auch den Betrieb von atomaren Zwischenlagern neu geordnet. Diese bisher von den Atomkonzernen wahrgenommene Aufgabe fällt jetzt in die Verantwortung des Bundes. Zum Geschäftsfeld der BGZ gehören bereits die zentralen Zwischenlager in Gorleben und Ahaus, ab 2019 auch die zwölf dezentralen Zwischenlager. Anfang 2020 wird sie zudem auch die Verantwortung für die zwölf geplanten LasmAaz übernehmen.

Die vom Bund gegründete neue „Gesellschaft für Zwischenlagerung GmbH“ (BGZ) übernimmt zum 1. Januar 2019 die Zuständigkeit für das Standortzwischenlager (SZL) am Kernkraftwerk Krümmel. Auch die geplante zusätzliche Atommülllagerstätte am Elbufer, das „Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle am Zwischenlager“ (LasmAaZ) soll unter die Zuständigkeit der BGZ fallen.

Das ist eine Folge des 2017 in Kraft getretenen Gesetzes „zur Neuordnung der Verantwortung in der kerntechnischen Entsorgung“. Darin wurde neu geregelt, wer für die Stilllegung und für den Rückbau der Atomkraftwerke sowie für die Entsorgung der radioaktiven Abfälle verantwortlich ist. Während die Kraftwerksbetreiber nach dem Gesetz für die Abwicklung und Finanzierung von Stilllegung, Rückbau sowie die fachgerechte Verpackung der radioaktiven Abfälle zuständig bleiben, liegen Durchführung und Finanzierung der Zwischen- und Endlagerung jetzt in der Verantwortung des Bundes. Gut 24 Milliarden Euro wurden von den beteiligten Energiekonzernen dafür in einen Fonds eingezahlt.

Das SZL Krümmel wird bereits baulich so hergerichtet, dass es künftig autark von den Sicherheitseinrichtungen des Kernkraftwerkes betrieben werden kann. Bis 2046 hat das Zwischenlager, in dem aktuell 41 Castorbehälter mit abgebrannten Brennelementen stehen, eine Betriebsgenehmigung.

„Die Übergabe an die BGZ beschäftigt uns aktuell ganz erheblich“, berichtete Fricke. Er rechnet für 2020 mit der Genehmigung zum Rückbau des Siedewasserreaktors, der bis dahin auch frei von jedem atomaren Brennstoff sein soll. Die Atomaufsichtsbehörde arbeite mit Hochdruck an der Genehmigung. Etwa 15 Jahre werde es dann dauern, das Kraftwerk zurückzubauen.

Harte Fakten gibt es soweit für die Geesthachter: Im SZL und im LasmAaZ sowie in der Landessammelstelle für schwachradioaktive Abfälle auf dem Gelände des Helmholtz-Zentrums in Sichtweite bleibt der strahlende Müll noch auf Jahrzehnte liegen. Unklar ist derweil lediglich noch, wann das Schiedsgericht in Amerika, vor dem Vattenfall die Bundesregierung auf Schadensersatz verklagt hat, seine Entscheidung trifft. Ursprünglich sollte das Urteil bereits im März bekanntgegeben werden, jetzt könnte es im Mai kommen.

Abtransport, Rückbau und Baukosten von etwa 30 Millionen Euro

60 fabrikneue Brennelemente und 154 so genannte Sonderbrennstäbe (gebündelt ergeben Brennstäbe ein Brennelement) befinden sich aktuell noch im Kernkraftwerk Krümmel. Alles andere an Brennstoff wurde bereits ausgelagert. Kraftwerksleiter Torsten Fricke geht davon aus, dass spätestens Ende 2019 alle Brennstoff enthaltenen Teile aus dem mehr als 1400 Megawatt starken Siedewasserreaktor, der 2011 endgültig stillgelegt wurde, abtransportiert sind.

48 der Brennelemente aus dem Trockenlager will Vattenfall im September per Lastwagen in eine Brennelementefabrik nach Lingen fahren. Dort sollen sie zerlegt werden, um das enthaltene Uran wieder für neue Brennelemente für andere Kernkraftwerke nutzen zu können. Zwölf belastete Brennelemente sollen abgespült und in einem speziellen Transportbehälter in die USA verschifft werden. Hintergrund: Eine Fabrik in Richland/Washington hat die Genehmigung, solche Elemente zu verarbeiten.

Der Abtransport der 154 Sonderbrennstäbe gestaltet sich komplizierter. 68 davon sind defekt. Aktuell läuft das Genehmigungsverfahren für einen Spezialköcher als Verpackung. Der wiederum würde dann in einen Castorbehälter kommen, der Ende 2019 in das Standortzwischenlager (SZL) gebracht werden soll. Dann wäre das Kraftwerk brennstofffrei.

Um danach den Rückbau starten zu können, ist das LasmAaZ nötig. In der Planung ist eine Halle mit 56 Metern Länge, 60 Metern Breite und 23 Metern Höhe hinter dem bestehenden SZL.

Technische Einbauten werden Zu- und Abluft regeln, außerdem muss ein Platz für Dekontaminationen betroffener Mitarbeiter vorgehalten werden. Zweck der Halle ist es, den anfallenden schwach- und mittelradioaktiven Abfall bis zum Abtransport in den dafür als Endlager vorgesehenen Schacht Konrad einlagern zu können.

Die Baukosten schätzt Vattenfall auf etwa 30 Millionen Euro. Ob sich die angepeilte Inbetriebnahme 2020 halten lässt, ist vor dem Hintergrund der erst für Dezember geplanten Erörterung fraglich. Neben der Baugenehmigung ist auch eine atomrechtliche Genehmigung der Aufsichtsbehörde in Kiel nötig. tja

Timo Jann

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