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Lauenburg Die Domänen: Ein Geschenk als Einnahmequelle
Lokales Lauenburg Die Domänen: Ein Geschenk als Einnahmequelle
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20:22 10.09.2016
Domänenpächter Christian Eichblatt bewirtschaftet den Hof in Mustin durch Ackerbau. Quelle: Ender

Vom König von Preußen bekam der Kreises Herzogtum Lauenburg 1871 einst jede Menge Land mit den entsprechenden Betrieben geschenkt. Noch elf Domänen sind bis heute im Besitz des Kreises. Und die spülen über die Pachteinnahmen kräftig Geld in die Kreiskasse: Jahr für Jahr rund 740000 Euro. Einer dieser kreiseigenen Betriebe ist die Domänen Kittlitz. Morgen stellt der Hauptausschuss des Kreises die Weichen, ob der Pachtvertrag der Domäne Kittlitz vorzeitig bis 2051 verlängert wird oder nicht.

Heute zählen die Bauernhöfe, die dem Kreis Herzogtum Lauenburg gehören, insgesamt 2237 Hektar. Deren Pächter können auf Planungssicherheit zählen, denn die Verträge sind für längere Zeiträume angelegt: aktuell sind es 18 Jahre von 2009 bis 2027. „Wir können langfristiger bewirtschaften, so als ob das Land unser Eigentum ist“, sagt Ackerbauer Christian Eichblatt. Er übernahm 2004 die Domäne Mustin, die insgesamt 370 Hektar umfasst. Sie ist einer der größeren der elf Domänen.

Nur Vorteile habe das Leben als Domänenpächter allerdings nicht. „Wir sind abhängig von der Politik“, sagt Christian Eichblatt. „Damals beschloss die Verwaltung unter Rot-Grüner-Regierung, dass auf 50 Hektar meines Landes der Wald aufgeforstet werden soll.“ Hand anlegen musste er selbst. Auch Naturschutzvorgaben passen ihm nicht. „Durch den Naturschutz habe ich schon ein Viertel meines Landes verloren“, sagt er.

Genau das gehört zur Verpachtungsstrategie des Kreises Herzogtum Lauenburg. Auf der einen Seite bieten sie den Bauern einen Pachtpreis der unter dem Landesdurchschnitt liegt. „Derzeit sind es 420 Euro pro Hektar Acker in Schleswig-Holstein“, sagt Peter Koll, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes. Im Vergleich dazu rechnete Nadine Heise, kommissarische Leiterin des Fachdienstes Liegenschaften beim Kreis, aus: „Für Land mit 49 Bodenpunkten – das ist ein qualitativ guter Ackerboden – nehmen wir von den Domänenpächtern etwa 370 Euro monatlich“. Auf der anderen Seiten fordert die Lauenburgische Verwaltung von den Bauern, dass sie zusätzlich zur Pacht die Gebäude instant halten und den Landschaftspflegeplan und Naturschutzvorgaben beachten.

Die Pächter der elf Kreisdomänen haben sich vertraglich bis 2027 auf die Bewirtschaftung der Betriebe verpflichtet. Der Vertrag zur Domäne Fredeburg wurde bereits im vergangenen Jahr vorzeitig verlängert. Domänenpächter Christoph Becker in Kittlitz stellt nun auch einen Verlängerungsantrag – ebenfalls zwei Jahre vor der Frist.

Die Chancen für Kittlitz, dass die Partnerschaft auch künftig so weitergeht, scheinen gut zu stehen. So wird von Seiten der Verwaltung eine vorzeitige Verlängerung befürwortet. Die Stimmen aus der Politik sind noch uneinig. „Normalerweise entscheidet die Politik die Verlängerung der Pachtverträge neun Jahre vor Auslaufen des derzeitigen Vertrages“, sagt Nadine Heise, kommissarische Leiterin des Fachdienstes Liegenschaften beim Kreis Herzogtum Lauenburg. „Wir befürworten die Verlängerung. Im Großen und Ganzen sind wir mit allen Pächtern zufrieden.“

Die meisten Stimmen aus der Politik klingen auch positiv. „Da hat sich jemand sein Leben aufgebaut. Wir können dort nicht eingreifen“, sagt FDP-Kreistagsabgeordneter Thomas Kuehn. Seine Fraktion wird im Innenausschuss für eine Pachtverlängerung stimmen. Grünen-Fraktionsvorsitzende Annedore Granz stimmt dem zu: „Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen stimmt für eine vorzeitige Verlängerung um den Pächtern Planungssicherheit zu geben.“ Die SPD-Fraktion ist eher verhalten. „Die Vorlage kam kurzfristig“, sagt Fraktionsvorsitzender Jens Meyer. „Wir konnten noch nicht in der Fraktion beraten. Vermutlich wollen wir die Entscheidung vertagen.“ Er persönlich ist nicht gegen eine Verlängerung: „Alle geplanten Investitionen könnte der Pächter auch in der regulären Pachtzeit bis 2027 tätigen.“

„Die vergangenen Verlängerungen haben wir mit allen Fraktionen im Einvernehmen beschlossen. Schließlich haben die Domänen im Lauenburgischen eine lange Tradition“, sagt CDU-Fraktionsvorsitzender Norbert Brackmann.

Der Grundbesitz des Kreises

Zu dem Domanium des Kreises Herzogtum Lauenburg gehörten neben den umfangreichen Forstflächen auch elf Domänen: Fredeburg, Hollenbek, Kittlitz, Klempau, Lauenburg, Linau, Marienwohlde, Mustin, Neuvorwerk, Steinhorst/Mühlenbrook und Woltersdorf. Dazu wurde 1928 die Domäne Niendorf/Stecknitz erworben. Insbesondere in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wurden zur Wohnraumversorgung Domänen verkauft oder verkleinert.

Die Domäne Fredeburg wird als einzige unter ökologisch Gesichtspunkten bewirtschaftet.

Stefanie Ender

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