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Lauenburg Die Frauen im Blick der Herzoginnen
Lokales Lauenburg Die Frauen im Blick der Herzoginnen
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20:10 03.05.2018
Schulterschluss, Durchblick und Beweglichkeit – für die Frauen im Netzwerk „Die Herzoginnen“ alles eine Selbstverständlichkeit. Quelle: Fotos: Dorothea Baumm/hfr
Ratzeburg

„Wir Herzoginnen kämpfen für Frauenbelange im Kreis Herzogtum Lauenburg“, sagt Elke Hagenah, Gleichstellungsbeauftragte (GB) Kreis Herzogtum Lauenburg. „Wir wollen gemeinsam Frauen bewegen“, erklärt Edelgard Jenner, GB Stadt Mölln und Amt Breitenfelde. „Wir wollen Frauenpolitik machen“, betont Ulrike Lappat von Hilfe für Frauen in Not. „Wir wünschen uns eine frauenspezifische Kultur im Kreis“, fügt Renate Schächinger von der Kibis Selbsthilfekontaktstelle hinzu. „Wir fordern, dass Frauen stärker in den Blick kommen“, ergänzt Maren Klingenberg, Integrierte Beratungsstelle Schwarzenbek.

„Kurzum: Wir nehmen Frauen in den Blick“, fasst Franziska Just, Einrichtungsleitung Awo Interkulturell im Kreis, zusammen. Gemeinsam mit Brigitta Marks, Pro Familia-Beratungsstelle Geesthacht, Anja Nowatzky, GB Stadt Geesthacht, Nina Stiewink, GB Amt Hohe Elbgeest, Petra Michalski, GB Schwarzenbek und Friederike Betge, GB Stadt Lauenburg sind sie – in Anlehnung an den Kreis Herzogtum Lauenburg – Die Herzoginnen.

Frauenrechte und Gleichberechtigung: ein sehr altes und doch immer noch aktuelles Thema. „Ich werfe unserer Zeit vor, dass sie starke und zu allem Guten begabte Geister zurückstößt, nur weil es sich um Frauen handelt“: Das hat Teresa von Avila gesagt – und die hat von 1515 bis 1582 gelebt, also vor bummelig 450 Jahren. Ein alter Hut? Schön wär’s, zumal der Artikel 3 des Grundgesetzes seit seiner letzten Veränderung vom 15. November 1994 besagt: (1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. (2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin. (3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Dieser Artikel wird im Lebens- und Arbeitsalltag von Frauen mit Füßen getreten: Die Herzoginnen erleben das in ihrem Alltag immer wieder. „Mehr als die Hälfte der Einwohner im Kreis sind Frauen. Das spiegelt sich aber nicht in ihrem Einfluss in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft wider“, stellt Edelgard Jenner fest. Und Elke Hagenah betont: „Frauen sind nach wie vor nicht gleichberechtigt am beruflichen und gesellschaftlichen Leben beteiligt. Besonders Altersarmut ist weiblich!“

Ein Punkt, der den engagierten Frauen gerade jetzt vor der Kommunalwahl am Herzen liegt, ist das Recht auf eine selbstbestimmte Familienplanung. „Wir fordern eine bundeseinheitliche Kostenübernahme von Verhütungsmitteln für finanziell benachteiligte Menschen“, so bringt Franziska Just es auf den Punkt. Denn das von den Vereinten Nationen 1994 als Menschenrecht bekräftigte Recht auf selbstbestimmte Familienplanung ist in Deutschland nicht flächendeckend umgesetzt.

„Seit Hartz IV gibt es für Menschen, die Leistungen nach SGB II beziehen, eine Pauschale für ,Gesundheitspflege’, die aktuell 17,34 Euro beträgt. Von diesem Geld sollen Hartz IV-Empfängerinnen alle benötigten, nicht verschreibungspflichtigen Arznei und Heilmittel bezahlen, also auch Verhütungsmittel“, erklärt Maren Klingenberg. Aus der Schwangerschaftskonfliktberatung weiß sie: „Ein sehr hoher Anteil der dort hilfesuchenden Frauen ist finanziell benachteiligt und hat sich aus dieser Notlage heraus für ein kostengünstiges, aber wenig sicheres Verhütungsmittel entschieden.“

Durch die Kostenübernahme von Verhütungsmitteln könnte großes Leid verhindert werden. „Meine Erfahrungen haben mir gezeigt, dass für viele Betroffene ein Abbruch der Schwangerschaft eine psychische Belastung darstellt.“ Oft würden die Frauen sich aus Scham nicht trauen, Hilfe und Unterstützungsmöglichkeiten wahrzunehmen. „Über die Gewährung von Verhütungsmitteln würden diese Frauen gar nicht erst in diese schlimme Situation geraten.“

„Verhütung ist derzeit in Deutschland vom sozialen Status abhängig“, klagt Edelgard Jenner. Das Menschenrecht auf freie Wahl der Verhütungsmethode sei nicht für alle garantiert. Nahezu absurd findet Elke Hagenah es, dass zum Beispiel in Geesthacht Frauen Gelder aus einem Topf für Verhütungsmittel beziehen können – „wenn sie aber auf der anderen Straßenseite leben und somit nicht mehr zur Stadt gehören, gilt das nicht für sie.“ Mit Blick auf die Wahl am Sonntag hoffen Die Herzoginnen, dass möglichst alle Frauen wählen gehen. „Und bitte für ein Partei stimmen, die sich für Chancengleichheit einsetzt.“

Die Herzoginnen fordern: Frauen, geht wählen!

Die Herzoginnen zitieren Elly Heuss Knapp: „Frauen werbt und wählt, jede Stimme zählt, jede Stimme wiegt, Frauenwille siegt.“

Gleichstellung? Fehlanzeige. Auch 2018 haben Frauen noch immer nicht die gleichen Chancen zum Beispiel auf dem Arbeitsmarkt wie Männer. Sie verdienen etwa 21 Prozent weniger und haben nicht die gleichen Aufstiegschancen. Außerdem sind vor allem Frauen von der Altersarmut betroffen. Vor der gleichberechtigten gesellschaftlichen Teilhabe stehen enorme Hürden. Vor allem alleinerziehende Frauen finden nur schwer eine Wohnung.

Weitere Hürden sind zum Beispiel fehlende Kita-Plätze, fehlender öffentlicher Nahverkehr und zu wenige familienfreundliche Arbeitsplätze. Frauen mit Migrationsthemen haben es doppelt schwer.

Von Dorothea Baumm

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