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Die Gefahr lauert im Brandrauch

Schwarzenbek Die Gefahr lauert im Brandrauch

Wer als Feuerwehrmann 15 Jahre im Einsatzdienst ist, hat ein um 30 Prozent höheres Risiko an Krebs zu erkranken als die durchschnittliche Bevölkerung. Das ist das erschreckende Ergebnis internationaler Studien – die allerdings in Deutschland bisher nicht anerkannt sind.

Bei Einsätzen gehen die Feuerwehrleute eine große Gefahr ein. Außerdem sind sie internationalen Studien zufolge durch Kontamination einem stark erhöhten Krebsrisiko ausgesetzt.

Quelle: Timo Jann

Schwarzenbek. „In Deutschland benötigt man natürlich eigene Untersuchungen, um zu diesem Ergebnis zu kommen“, berichtete Marcus Bätge von der Initiative „FeuerKrebs“ bei einem Vortrag in Schwarzenbek vor Feuerwehrleuten aus Schwarzenbek, Geesthacht, Lauenburg und Ratzeburg, mit dem er für die Gefahr sensibilisieren wollte.

LN-Bild

Wer als Feuerwehrmann 15 Jahre im Einsatzdienst ist, hat ein um 30 Prozent höheres Risiko an Krebs zu erkranken als die durchschnittliche Bevölkerung. Das ist das erschreckende Ergebnis internationaler Studien – die allerdings in Deutschland bisher nicht anerkannt sind.

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Die Gefahr für die Retter lauert im Brandrauch. „Heute brennt nicht mehr Omas Vollholz-Eichenschrank, sondern ein stylisches Sideboard aus irgendwelchen Kunststoffverbindungen“, sagt Bätge. „Moderne Feuer sind viel gefährlicher und krebserregender als Brände früher“, sagt der Experte. Brisant: Schutz bietet nicht einmal der Atemschutz, mit dem die Feuerwehrleute bei der Brandbekämpfung gegen den Rauch geschützt vorgehen. Bätge: „Die Poren der Haut öffnen sich unter körperlicher Belastung, da können dann Schadstoffe mit einer 400-fach erhöhten Aufnahmeaffinität in den Körper eindringen.“

„FeuerKrebs“ wurde 2016 von Bätge und Mitstreitern gegründet, um für die Belange Betroffener zu kämpfen und Aufklärungsarbeit zu leisten. „Wir wollen den Kollegen und deren Familien unbürokratisch helfen und sie in ihrem Schicksal nicht alleine stehen lassen. Wir wollen erreichen, dass ausgewählte Krebserkrankungen als Berufskrankheit bei Feuerwehrleuten anerkannt werden. Außerdem muss eine rechtliche Entschädigungsgrundlage geschaffen werden“, erklärt Bätge. Heute sei es so, dass die Betroffenen um ihr Recht kämpfen müssten, statt sich auf ihre Gesundung konzentrieren zu können. „Wir laufen da rein, wo andere raus rennen. Wir geben der Gesellschaft unser Leben, da dürfen wir ja wohl auch etwas Unterstützung erwarten“, verdeutlicht Bätge. Kanada sei da laut Bätge führend.

Der „FeuerKrebs“-Initiator rät den Rettern vor allem, Beteiligungen an Einsätzen zu dokumentieren. In Schwarzenbek waren 2017 die Feuerwehrleute bei Löscharbeiten am ehemaligen China-Restaurant „Jade“ Asbest ausgesetzt. Erst auf Nachdruck entschloss sich die Stadt, die Schutzbekleidung der Beteiligten einer Spezialreinigung zu unterziehen. Bätge rät, dass Wechselkleidung vorgehalten werden sollte, um bei solchen Einsätzen schon vor Ort kontaminierte Kleidung gegen frische Kleidung wechseln zu können. So werde verhindert, dass die Retter unnötig lange dem Schmutz ausgesetzt sind.

„Vielleicht geht das auch über eine Poollösung mit mehreren Wehren, die der im Einsatz gebundenen Feuerwehr dann auch bei der Logistik helfen“, sagte Bätge.

„Für die älteren Feuerwehrleute ist es sicher nicht leicht, bei einer möglichen Krebserkrankung Ansprüche durchsetzen zu können, weil immer auch etwas anderes als der Feuerwehreinsatz die Ursache sein könnte. Da fehlen einfach Belege aus der Vergangenheit. Aber für junge Kameraden ist es wichtig, jetzt so eine persönliche Dokumentation zu starten“, erklärt Nils Hilger, stellvertretender Chef der Feuerwehr Schwarzenbek. „Ich denke, wir werden vor allem unsere jungen Einsatzkräfte mehr sensibilisieren müssen. Das Thema wird uns künftig sicher verstärkt fordern“, sagt Ratzeburgs Wehrführer Christian Nimtz.

„Deutschland hängt 15 Jahre hinterher“

Marcus Bätge gründete die Initiative „FeuerKrebs“

Marcus Bätge gründete die Initiative „FeuerKrebs“

Unter dem Motto „Wir bleiben sauber und gesund“ hat die Initiative „FeuerKrebs“ einen Award ausgelobt, bei dem sich Feuerwehren mit vorbildlichen Projekten zur Sauberkeit bewerben können. Von guten Ideen sollen möglichst viele Retter profitieren. Mehr Infos dazu im Internet unter www.feuerkrebs.de. Im Interview erklärt Marcus Bätge, was jeder Feuerwehrmann für sich tun kann und warum Deutschland ganz bei Null anfängt.

Herr Bätge, was kann der einzelne Feuerwehrmann tun, um sich vor der Krebsgefahr zu schützen?

Die Einsatzkräfte haben eine große Eigenverantwortung. Das fängt damit an, die Schutzkleidung vernünftig anzulegen oder auch bei Nachlöscharbeiten Atemschutz zu tragen und geht bis zu der Tatsache, sich die Hände zu waschen und nah an der Einsatzstelle nicht zu essen oder zu trinken.

Oft sieht man Feuerwehrleute mit massiv verschmutzter Schutzkleidung. Das kann ja nicht gut sein, oder?

Nein, das ist ganz sicher nicht gut. Schlimmer ist es noch, wenn dann mit diesen verschmutzten Klamotten ins Löschfahrzeug gestiegen und zur Wache zurück gefahren wird. Dann verschleppt man die Kontamination erst ins Fahrzeug und dann in die Wache.

Es gibt ja internationale Studien, etwa mit 20000 Feuerwehrleuten aus Chicago, St. Francisco und Philadelphia oder 180000 Feuerwehrleuten in Australien. Warum tut sich Deutschland so schwer?

In Deutschland brauchen die Gerichte für Entscheidungen deutsche Gutachten. Das ist jetzt auf den Weg gebracht, unter anderem beteiligen sich Feuerwehrleute aus Hamburg und Berlin an einem Biomonitoring. Im internationalen Vergleich hängen wir aber 15 Jahre hinterher.

 tja Von Timo Jann

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