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Die Grenze direkt vor der Haustür

LN SERIE: HINTER ALTEN MAUERN – Domhof 48 in Ratzeburg Die Grenze direkt vor der Haustür

Das kleine Fachwerkhaus in Ratzeburg gehörte bis 1937 zu Mecklenburg.

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Man sieht es an der Wand: Friedrich Hanke war Förster und Jäger. So schmücken einige Jagdtrophäen auch das Schlafzimmer. Beim Bau des Hauses wurde viel Holz verwendet. Ein Großteil davon konnte bei der Sanierung erhalten bleiben.

Quelle: Fotos: Norbert Dreessen

Ratzeburg. Vom Kreis Herzogtum Lauenburg nach Mecklenburg zu gelangen, war bis 1937 zumindest in Ratzeburg sehr einfach: Wer an der Straße Domhof das kleine Fachwerkhaus mit der Nummer 48 betrat, hatte den Wechsel bereits vollzogen. „Unser Haus stand genau auf der Grenze“, erzählt der heutige Besitzer, Friedrich Hanke. Das Großhamburg-Gesetz beendete dann aber das Exklaven-Kuriosum.

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Das kleine Fachwerkhaus in Ratzeburg gehörte bis 1937 zu Mecklenburg.

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Wann genau das ehemals mecklenburgische Gebäude errichtet wurde, ist nicht überliefert, wahrscheinlich wurde es zwischen 1815 und 1820 gebaut – zunächst als Stall und als Werkstatt für das benachbarte Haus am Domhof, das schon seit 1696 an dieser Stelle steht und jahrhundertelang von Handwerkern bewohnt wurde. Die brauchten eine Werkstatt, und sie bauten sich eine.

Vor gut 30 Jahren erwarb eine Ratzeburger Ärztin die beiden Häuser in Sichtweite des Doms. Mit Hilfe eines Lübecker Architekten ließ sie das größere Haus gründlich sanieren und zog dort ein, die ehemalige Werkstatt wurde zu einer kleinen und sehr einfachen Ferienwohnung umgebaut.

1990 aber zog die Ärztin nach Süddeutschland und bot die Häuser per Zeitungsanzeige zum Verkauf an. Friedrich Hanke, damals Förster in Brunsmark, sah das Angebot und fuhr mit seiner Frau Irmgard nach Ratzeburg. Man wurde sich handelseinig, und nun besaßen die Hankes zwei Häuser neben dem Dom. Sie zogen ins größere, während das kleine Haus vorübergehend noch ein Architektenbüro aufnahm. 17 Jahre lang blieb das so, doch dann befanden Irmgard und Friedrich Hanke, dass ihnen die 60 Quadratmeter des kleineren Hauses zum Wohnen völlig ausreichen würden. Sie zogen also ein paar Meter weiter und vermieten seitdem ihr altes Haus.

Das neue Haus, das aber auch schon zwei Jahrhunderte auf dem Buckel hatte, befand sich vor dem Umzug der Besitzer in einem jämmerlichen Zustand. „Die Wände waren beispielsweise mit Persilkartons aus den 30er Jahren gedämmt“, erinnert sich Friedrich Hanke. Da stand nun eine fast völlige Entkernung an – „und wir hatten davon keine Ahnung“, wie die Besitzer einräumen. Doch von der Denkmalschutzbehörde des Kreises gab es so manchen guten Ratschlag, den die Familie Hanke auch umsetzten. Die Zusammenarbeit mit den Denkmalschützern sei „hervorragend“ gelaufen, betont Irmgard Hanke in der Nachbetrachtung.

Bei einem Förster fast selbstverständlich: Bei der Restaurierung wurden so viele von den alten Holzbalken gerettet wie möglich. Wo neues Holz zum Einsatz kam, suchte Friedrich Hanke die Stämme, meist Buche oder Lärche, im eigenen Revier aus.

Etliche Dachpfannen waren defekt, sie wurden durch gleichartige alte Pfannen ersetzt, die in einem Depot des Kreises lagerten und die genau passten. Irgendwie passt in diesem Haus ohnehin alles zueinander, so dass das kleine Gebäude einen rundum robusten und zugleich gemütlichen Eindruck macht.

Das Rentnerehepaar Hanke fühlt sich hier jedenfalls sehr wohl, genießt vom Wohnzimmer im Obergeschoss aus den Blick auf eine der berühmtesten Kirchen Norddeutschlands und möchte noch viele Jahre hinter den Mauern verbringen, die längst nicht mehr mit Persilkartons, sondern mit Lehm und Poroton-Ziegeln gedämmt sind.

In Erinnerung an den ersten Grafen

Auf dem Grundstück Domhof 48 in Ratzeburg steht der Heinrichstein, aufgestellt nach 1163 zum Gedenken an Heinrich von Bodewinde, dem ersten Grafen von Ratzeburg. Die lateinische Inschrift lautet übersetzt: „Zu Zeiten König Karls und Herzog Heinrichs von Sachsen kam Graf Heinrich nach Ratzeburg und gab dort als erster dem Christentum eine feste Grundlage. Seine Seele ruhe in Frieden.“

Vermutlich wurde der Stein bereits in heidnischer Zeit verehrt. Oft wurden solche Steine später von den ersten christlichen Missionaren bearbeitet, indem man sie mit christlicher Symbolik versah. nd

Norbert Dreessen

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