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Die Kirche, die nach einer Katastrophe gebaut wurde

Geesthacht Die Kirche, die nach einer Katastrophe gebaut wurde

St. Salvatoris in Geesthacht verdankt ihre Existenz einer schlimmen Flut, die Leichen aus den Gräbern holte.

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St. Salvatoris, 1685 errichtet, steht auf einem Hang oberhalb der Elbe und ist eine hübsche kleine Fachwerkkirche.

Quelle: Fotos: Norbert Dreessen

Geesthacht. Wer auf dem Vorplatz der St.-Salvatoris-Kirche in Geesthacht steht, blickt auf die Elbe hinab. Langsam und ruhig zieht der Strom vorbei, doch das war nicht immer so: Dass es diese Kirche überhaupt gibt, hat sehr viel mit der Elbe und mit einer von ihr verursachten Katastrophe im Jahr 1684 zu tun.

LN-Bild

St. Salvatoris in Geesthacht verdankt ihre Existenz einer schlimmen Flut, die Leichen aus den Gräbern holte.

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Der Winter in jenem Jahr war lang und hart, der Fluss auf einer Länge von hunderten Kilometern zugefroren. Als es dann Ende Februar zu tauen begann, setzte sich das Eis in Form von riesigen Schollen von Osten her in Bewegung und richtete am Ufer starke Zerstörungen an. Geesthacht traf es besonders schlimm. „Das böhmische Eis kommt!“ hieß der Schreckensruf, der in der Nacht vom 1. zum 2. März 1684 durch den kleinen Ort gellte.

Das Eis selbst zerstörte viel, das durch das Eis aufgestaute Wasser des Flusses noch mehr. Die alte Petrikirche direkt am Ufer wurde so schwer beschädigt, dass sie nicht mehr zu retten war. Auf dem Friedhof daneben wurden von den Wassermassen zahlreiche Gräber aufgebrochen, viele Leichen treiben die Elbe hinab – Szenen wie aus einem Horrorfilm.

Schon am nächsten Tag holen die Geesthachter alles aus der Kirchen-Ruine, was sie tragen können: Gestühl, Taufstein, Kanzel, Glocken und Altar. Die Reste der Petrikirche werden abgebrochen, 1685 wird auf dem höher gelegenen nördlichen Elbhang ein neues Gotteshaus eingeweiht, diesmal mit dem Namen St. Salvatoris, was so viel wie „Erlöserkirche“ bedeutet.

Geesthacht, heute mit fast 30 000 Einwohnern die weitaus größte Stadt im Herzogtum Lauenburg, war damals ein recht armes Dorf mit etwa 300 Bewohnern. „Der Neubau war nur mit finanzieller Unterstützung aus Hamburg, Lübeck, Bergedorf und den Vier- und Marschlanden möglich“, erzählt Pastor Gunnar Penning. Viele Bürger Geesthachts hätten damals tatkräftig mitgeholfen. Um Geld zu sparen, benutzte man beim Bau viele Steine der ehemaligen Petrikirche. Penning: „Auch die Entscheidung für einen Fachwerkbau fiel aus finanziellen Gründen, dies war die günstigste Lösung.“ Für einen Turm reichte das Geld zunächst jedoch nicht, der so charakteristische hölzerne Glockenturm wurde erst 1691 angefügt.

Ihre heutige Gestalt erhielt die Kirche größtenteils in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Vor allem wurden Emporen eingezogen, um der wachsenden Bevölkerung ausreichend Platz zu bieten. Aus der vorhandenen Kanzel, einem Epitaph und der Tür des ehemaligen Beichtstuhls (alles Teile aus der Vorgängerkirche) entstand der Kanzelaltar, so wie er heute noch in der Kirche steht. Eine solche Konstruktion ist extrem selten, und meistens predigen die örtlichen Pastoren heute auch nicht mehr aus der Kanzel heraus, sondern von einem Pult weiter unten. In der Mitte des Kirchenschiffes hängt ein 1786 von Elbschiffern gestifteter Kronleuchter, an dessen Spitze ein kleines Boot auf den Beruf der Stifter verweist. Zu den ältesten Gegenständen gehören eine kleine Heiligenfigur und die mit zwei Schlössern gut gesicherte Truhe, in der früher das Gemeindevermögen aufbewahrt wurde. Im Altarbereich sind drei Grabplatten in die Wände eingelassen. Sie lagen ursprünglich im Boden und erinnern an in der Kirche bestattete Pastoren. Das Taufbecken wurde in den 70er Jahren um einen in der Elbe gefundenen alten und knorrigen Holzpfosten herum gestaltet.

Weit jünger als die Kirche ist die Orgel, die im Laufe der Jahrhunderte mehrfach erneuert wurde – zuletzt 1911 und 1969. Auch die Bilder an der Empore stammen aus der Mitte des 20. Jahrhunderts. Der Kieler Maler Willi Langbein hat auf ihnen biblische Geschichten dargestellt.

Kein Geld für ein großes Gotteshaus

Etwas überdimensioniert wirkt das an die Kirche St. Salvatoris angrenzende Gemeindehaus samt Pastorat, doch dafür gibt es einen Grund: Geesthacht, das damals noch zum Amt Bergedorf und damit zu Hamburg gehörte, wuchs im 19. und 20. Jahrhundert. Vor etwa 100 Jahren war deshalb geplant, die Kirche St. Salvatoris abzureißen und durch ein viel größeres Gotteshaus zu ersetzen.

Das größenmäßig dazu passende Pastorat wurde noch gebaut und 1917 eingeweiht, dann ging der Kirchengemeinde das Geld aus, so dass man entschied, die hübsche kleine Fachwerkkirche stehen zu lassen.

Für Geesthacht und sein Stadtbild war das zweifellos ein Glücksfall. Und wer von der Elbseite auf die Kirche blickt, sieht das Pastorat kaum.

 Norbert Dreessen

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