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Die Kuretzkys kacheln seit 30 Jahren durch die Kunstszene

Borstorf Die Kuretzkys kacheln seit 30 Jahren durch die Kunstszene

Die Werke des Borstorfer Ehepaars zieren Elbtunnel und U-Bahn-Stationen. In drei Jahrzehnten gab es kaum etwas, das sie nicht glasiert und kalligrafiert haben.

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Ihre Werkstatt funktioniere nur mit ihnen als Paar, sagen die Künstler Heidrun und Hans Kuretzky. Sie wohnen und arbeiten in Borstorf.

Borstorf. Bei Espresso aus Keramiktassen sitzen Heidrun und Hans Kuretzky an ihrem Tisch in ihrem urigen Haus in Borstorf. Dort leben sie und produzieren sie allerhand aus Keramik — seit mittlerweile 30 Jahren. Ob im Elbtunnel, bei Kaffeegedecken in Lauenburgischen Haushalten oder auf Kunstfestivals ist „Kuretzkykeramik“ zu finden.

2012 gestalteten die Kuretzkys die U-Bahn-Station Sierichstraße in Hamburg mit ihrer Kunst ganz neu.

2012 gestalteten die Kuretzkys die U-Bahn-Station Sierichstraße in Hamburg mit ihrer Kunst ganz neu.

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„Die Werkstatt funktioniert ohne uns als Paar nicht“, sagt Hans Kuretzky und nippt lächelnd an seinem Espresso. Nach dem Keramik-Studium hat der heute 64-jährige Künstler als Entwicklungshelfer gearbeitet, danach gründete seine erste Werkstatt, war lange Dozent für kreative Techniken. In dieser Zeit lernte er auch seine heutige Frau Heidrun (61) kennen. „In einer Kneipe in Düsseldorf“, scherzt er. Später lernte sie dort das professionelle Kalligrafieren. Ihre Beziehung begleitete die 30 Jahre ihres künstlerischen Schaffens.

Heidrun und Hans Kuretzky sind Experten für Restaurierungen. Vor allem Hamburg haben sie vielerorts verschönert: Zum Beispiel die U-Bahn-Haltestelle St. Pauli, die Fassade des Arbeitsamtes in Altona und das Innere des alten Elbtunnels in Hamburg. „Ich habe keine Stadt so kennengelernt wie Hamburg — und dort viel hinterlassen“, erzählt Heidrun Kuretzky.

Bei Restaurierungen entwickelt Hans Kuretzky die Glasuren, empfindet sie dem Original nach. Das kann bis zu zwei Jahren dauern. Er sucht nach dem richtigen Farbton. „Glasur lässt sich nicht analysieren“, sagt er. „Und Keramik ist unheimlich komplex. Das hat seinen Reiz.“ Systematisch probiert er, um die Kacheln oder Fliesen später wie alt zu aussehen lassen. „Es gibt unendliche Möglichkeiten.“ Auch die Formen und Motive müssen stimmen. Anders ist es, wenn das Ehepaar etwas neu gestalten darf — so wie 2012, als sie die U-Bahn-Haltestelle Sierichstraße in Hamburg mit neuen Kacheln versehen konnten. Bei solchen Projekten können sie sich kreativ ausleben. Bei jedem hinterlassen sie hinter einer der Fliesen ein Gedicht. Das trägt Heidrun Kuretzky per Hand auf. „Am Anfang haben uns die Leute noch für Spinner gehalten“, lacht sie. Rückblickend weiß die Dozentin für Kalligrafie zu schätzen: „Wir haben viel Glück mit unseren Kunden gehabt.“

In ihrem Haus ist es gemütlich warm. In einer Ecke heizt ein Ofen ihre vier Wände. Neben der Baukeramik entwerfen die Künstler eben auch solche klassischen Kachelöfen nach Wunsch des Kunden. Ihren „Kachelknut“ haben sie selbst entwickelt. Zieht der Besitzer um, kann er den Ofen einfach mitnehmen. Rund 120 Kachelöfen haben sie bis heute verkauft.

Hans Kuretzky schenkt Wasser ein und sagt: „Am liebsten mag ich Lyrik auf Keramik.“ Das sind die Arbeiten, die in direkter Zusammenarbeit mit seiner Frau entstehen. Und beide lesen in ihrer Freizeit viel und gern und lieben lyrische Texte — da liegt das nahe. Aber auch das Entwickeln der Glasuren bereite ihm viel Freude. Bis unter die Decke stapeln sich Fliesen, Kacheln und Schüsseln in Regalen in ihrer Werkstatt. An den Wänden hängen Zeichnungen und Skizzen. Und wenn sie mal eine Pause von der Keramik brauchen, fahren sie Fahrrad, in ihre zwei Gärten oder in den Urlaub an die Nordsee.

Zwar können sich Heidrun und Hans Kuretzky nicht vorstellen, ihren Job an den Nagel zu hängen, aber sie suchen einen Nachfolger. Derjenige müsse einfach verrückt sein und sich was trauen, sagen sie — so wie sie vor 30 Jahren. „Ich wollte damals gern eine Werkstatt eröffnen, habe mich aber nicht getraut“, berichtet Hans Kuretzky. Leicht sei es nicht immer gewesen, erzählen die Künstler. Heute hätten sie einen großen Kundenstamm und könnten sich aussuchen, welche Aufträge sie annehmen.

Ihre Kunst bedeutet ihnen viel. Für sie ist sie Lebensstil, quer zu denken und quer zu sehen, das Lesen zwischen den Zeilen und das kreative Erfahren. Ihre Spuren haben Heidrun und Hans Kuretzky vielerorts hinterlassen, haben viel erreicht. Und warum ausgerechnet Keramik? „Naja, weil ich es kann“, schmunzelt Hans Kuretzky. „Und weil es so geheimnisvoll ist.“

Glasieren und Kalligrafieren
Die Keramikoberfläche muss versiegelt werden. Dazu trägt der Keramiker eine Glasur auf. Häufig dient sie als wasserdichte Schicht auf dem porösen Material darunter. Glasuren bestehen aus einem Gemisch aus verschiedenen Mineralmehlen.
Die Schönheit der Handschrift steht im Zentrum der Kalligrafie. Sie ist das Gegenteil der Typografie, dem setzen festgelegter Schriftformen. Wichtiger als die gute Lesbarkeit ist die Ästhetik und der Ausdruck von Emotionen in der Schrift.

Philip Schülermann

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