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Die Polizei geht auf Nummer sicher

Büchen Die Polizei geht auf Nummer sicher

„Wir werfen eine Bombe“: Diese Drohung gegen einen Büchener Supermarkt vor zwei Tagen hat sich als übler Streich von Jugendlichen herausgestellt. Genauso wie „Ich töte euch“ jüngst an einer Geesthachter Schule. Trotzdem nimmt die Polizei jede Drohung ernst.  Denn es geht um die öffentliche Sicherheit.

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Im Juli lief an der Bertha-von-Suttner-Schule in Geesthacht ein Polizeieinsatz, nachdem ein Schüler eine Amokdrohung an eine Wand gekritzelt hatte. Die Polizei nimmt solche Drohungen grundsätzlich ernst.

Quelle: Foto: Timo Jann

Büchen. Schneller Fahndungserfolg für die Polizei: Die Beamten konnten nach einer anonymen Bombendrohung gegen einen Supermarkt in Büchen erste Tatverdächtige ermitteln. „Das ist für uns ein erster Anfasser.

 

LN-Bild

Rena Bretsch, Sprecherin der Polizeidirektion.

Quelle: Foto: Ar

Die Ermittlungen dauern noch an, bisher können wir noch gar nicht sagen, wie viele Beteiligte hinter der Drohung stecken“, erklärte gestern Rena Bretsch, die Sprecherin der Polizeidirektion in Ratzeburg. Die Tatverdächtigen sagten aus, ihre Drohung sei nur ein Scherz gewesen. Das wird die Jugendlichen nicht vor einer Strafe schützen, außerdem werden sie einen Bescheid über die Kosten, die beim dem ausgelösten Polizeieinsatz angefallen sind, bekommen.

Am Mittwoch gegen 10.15 Uhr ging die Bombendrohung telefonisch ein. „Mit dem Hinweis, dass man morgen eine Bombe in den Supermarkt werfen werde“, berichtet Rena Bretsch. „Solche Anrufe nehmen wir grundsätzlich ernst“, versichert die Polizeisprecherin. Der verantwortliche Revierleiter stimmte den Einsatz mit dem zuständigen Führungsstab der Polizeidirektion ab. Daraufhin wurde der Supermarkt am Donnerstag geöffnet, allerdings unter Präsenz der Polizei. Die Beamten führten eine Eingangskontrolle durch. „Mit gesundem Augenmaß“, wie Rena Bretsch betont. Außerdem waren ein Polizist und sein ausgebildeter Sprengstoffspürhund den ganzen Tag über in Bereitschaft, um gegebenenfalls bei verdächtigen Gegenständen gleich eine erste Überprüfung starten zu können.

Parallel dazu liefen polizeitaktische Ermittlungen an, um den Anrufer identifizieren und aufspüren zu können. Das gelang den Beamten am Donnerstagnachmittag. „Es handelte sich hier um einen wirklich schlechten Scherz mehrerer Jugendlicher aus Büchen“, so Rena Bretsch. Da die bisher bekannten Beschuldigten bereits strafmündig, also älter als 14 Jahre, sind, wurden Ermittlungsverfahren eingeleitet. „Auch wenn sich herausstellt, dass die Gewaltandrohung ‚nur’ als Scherz gemeint war, liegt das Strafmaß für solche Delikte bei einer Haftstraße von bis zu drei Jahren oder Geldstrafen“, sagt Rena Bretsch. Ihren Angaben zufolge läuft zurzeit bereits eine Prüfung, ob die Jugendlichen beziehungsweise ihre Eltern für die Kosten des Polizeieinsatzes aufkommen müssen. „Wir schreiben dann eine Kostenmitteilung, das Land rechnet solche Dinge für gewöhnlich ab“, berichtet die Polizeisprecherin. Je mehr Fahrzeuge und Beamte, desto höher die Kosten.

In den vergangenen Jahren hatte es immer wieder ähnliche Drohungen gegeben. In fast allen Fällen konnte die Polizei die Urheber ausfindig machen.

Zuletzt waren Kritzeleien an der Geesthachter Bertha-von-Suttner-Schule (BvS) festgestellt worden. 1000 Schüler bekamen daraufhin frei, die Polizei sicherte die Schule. Im Februar 2016 hatten Schüler derselben Schule in den Schnee auf einer Fensterbank und einer Tischtennisplatte Amokdrohungen hinterlassen. Unter dem Schutz mehrerer Polizisten mussten die Schüler die BvS-Gebäude am Schulweg und am Dösselbuschberg verlassen. Während die Kinder ab der 5. Klasse selbstständig entlassen wurden, mussten die Lehrer aus der Grundschule die Kinder in die Obhut von Eltern übergeben.

„Es gab zwei Hinweise. Einer mit einer Uhrzeit auf 12.30 Uhr, der andere für 15.30 Uhr. Wir hatten also einen gewissen Vorlauf, alles in die Wege zu leiten“, sagte damals Geesthachts Polizeichef Andreas Dirscherl. Und schon gegen 9.30 Uhr war am Dösselbuschberg niemand mehr in der Schule.

Auch vor einem Gymnasium macht solch ein Unsinn nicht halt. Am Otto-Hahn-Gymnasium in Geesthacht hatte ein Schüler auf einer Tischplatte die Notiz „Amoklauf 3.3.2010“ hinterlassen. Die Schulleitung nahm das damals genauso ernst wie jetzt die Drohung gegen den Büchener Supermarkt und informierte die Polizei.

Während die Oberstufe Abiturarbeiten schrieb, liefen die Ermittlungen. Die Polizei sicherte den ganzen Tag die Eingänge der Schule am Neuen Krug ab, Beamte kontrollierten Rucksäcke von Schülern nach gefährlichen Gegenständen.

Lehren aus Erfurt

„Solche Anrufe nehmen wir grundsätzlich ernst“, sagt Polizeisprecherin Rena Bretsch.

In den Schulen wurden die Folgen solcher unbedachten Drohungen, teilweise mit Unterstützung durch die Polizei, im Unterricht thematisiert. Seit dem tatsächlichen Amoklauf an einem Gymnasium in Erfurt 2002 mit 16 Toten, darunter elf Lehrkräften, rückt die Polizei stets mit großem Aufgebot an, um kein Risiko einzugehen. tja

 Timo Jann

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