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Die Römer von Ratzeburg

Ratzeburg Die Römer von Ratzeburg

Integration unter dem römischen Adler: Lukas Czerwinski hat vor 14 Jahren die Legio XXI Rapax wieder gegründet – und lebt mit 120 Mit-Söldnern seinen antiken Traum.

Caeso Sicinius Calvus sowie Gaius Valerius Procilus, ein „Curator Veteranorum“, ein Betreuer.

Ratzeburg. „Nuntio me ad latrinam!“, ruft Primus Fabius Lucianus Bibulus seinem Wachhabenden zu. Der salutiert und genehmigt die Abmeldung seines „Miles“, seines Soldaten, der sich darauf rasch hinter die Zelte verdrückt. Da keine Gefahr droht, müssen natürliche Bedürfnisse nicht unterdrückt werden, der Soldat darf sich erleichtern gehen . . .

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Integration unter dem römischen Adler: Lukas Czerwinski hat vor 14 Jahren die Legio XXI Rapax wieder gegründet – und lebt mit 120 Mit-Söldnern seinen antiken Traum.

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Bibulus – der im unspektakulären Alltag Lukas Czerwinski heißt – berichtet über die Anfänge, die Entstehung und das Werden und Wirken der „Legio XXI Rapax“, der wieder auferstandenen berühmt-berüchtigten Legion der römischen Armee aus den Jahren 31 vor bis 92 nach Christus. Damals war diese Legion 21 im südlichen Germanien beziehungsweise von Raetia, dem heutigen Österreich, der Schweiz und Süddeutschland bis an den Rhein bei Bonn und Xanten stationiert. „Wahrscheinlich“, sagt Bibulus, „wurde die Legion nicht im Kampf vernichtet, wie manche Quellen behaupten, sondern schlicht abgewickelt. Dafür spricht, dass einige Soldaten später in der 30. Legion auftauchten.“

Wieder auferstanden ist die Söldnerschar fast 2000 Jahre später – ausgerechnet im beschaulichen Ratzeburg, beim Racesburg Wylag im Jahr 2003. „Ich habe schon als Kleinkind an Römern Interesse gehabt, meine Plastiksoldaten in einer Phalanx aufgestellt“, erinnert sich Czwerinski, der 1974 in Grudziadz (ehemals Graudenz) in Polen, etwa 80 Kilometer südlich von Gdansk (ehemals Danzig), geboren wurde.

1989 zog er mit der Familie nach Deutschland, ging an der Ostseeküste zur Schule, machte Abi. Danach verpflichtete sich Lukas Czerwinski, ein Hüne von mehr als 1,90 Metern, bei der Bundeswehr.

Anschließend absolvierte er in Polen ein Geschichtsstudium mit Abschluss Magister. „Doch mit der Wissenschaft lässt sich nicht immer eine Familie ernähren“, erklärt er, warum er sich danach noch zum Krankenpfleger ausbilden ließ, und nun diesen Job sowie seine Tätigkeit als Dozent für das Altertum an Schulen und Hochschulen ausübt. Das eine ist Broterwerb, das andere Leidenschaft. Soldat in der römischen Legio XXI Rapax, der „Schnellen“, der „Räuberischen, Reißerischen“: Das jedoch ist er mit Hingabe.

Dabei legt Czerwinski allergrößten Wert auf die Faktenstimmigkeit. „Wir leben in Zelten, die nach historischem Vorbild aus Leinen und Leder hergestellt sind“, erzählt er. Waffen und Ausrüstungsgegenstände wie etwa die Feldzeichen mit dem Legionsadler, Helme und Kettenhemden, Rüstungen, Sandalen, Alltagswaren sind mittlerweile selbst hergestellt. „Wir sind größtenteils autark.

Viele von uns haben sich über die Jahre historische Handwerksfertigkeiten angeeignet“, erzählt er stolz.

Zurück zum Ursprung: Nicht zuletzt durch das Studium der Geschichte war sein Interesse, sich mit Gleichgesinnten zu treffen, so groß, dass er im Internet nach eben diesen recherchierte. Doch im Norden – Czerwinski lebt in Scharbeutz – gab es keine entsprechenden Gruppen. „So musste ich notgedrungen eine eigene Römertruppe gründen“, sagt er schmunzelnd.

Zu dritt tauchten sie vor 14 Jahren erstmals im Ratzeburger Wylag auf. Und dort entzündete sich der Funke zum Lauffeuer. 2009 war Czerwinski mit seinen Gefährten soweit, dass er die Legio XXI Rapax aufstellte – international, wie jenes Heer eigentlich schon in der Antike war. Denn damals versammelten sich hier auch Männer aus aller Herren Länder, allenfalls die Offiziere waren Römer oder Italiener. Und heute besteht die Legio Rapax aus mehr als 120 Mitgliedern. Die wiederum kommen aus Deutschland, Polen, Tschechien, aus der Ukraine, aus Österreich, der Schweiz, Italien und sogar Luxemburg und Georgien. „Das war früher eine vorweg genommene europäische Union – und gelebte, praktizierte Integration!“

Wie jetzt auch. Wobei man erwähnen muss, dass die Kommunikation innerhalb der großen Truppe – so sie denn massiv mit 70, 80 Mann auftritt („Mehr kriegt man zeitlich nicht unter einen Hut!“) – in der Regel tatsächlich auch in lateinischer Sprache erfolgt. „Die Polen verstehen kein Tschechisch und umgekehrt, wie auch die meisten Italiener oder Franzosen kein Englisch können“, erklärt Czerwinski diese nicht unlogische Lösung.

Womit wir zum lateinischen Eingangszitat zurück kommen. Dass Primus Fabius Lucianus sich zur Toilette verabschiedet, erklärt sich aus seinem Beinamen „Bibulus“. Das nämlich heißt der „Säufer“ – und der muss eben einige Male mehr in die Büsche. . .

Ein Selbstversuch

Die Faszination der römischen Armee, die ihn und seine Mit-Legionäre ergriffen hat, und die auch bei vielen Besuchern zutage tritt, wenn sie die wackeren Recken mit den schimmernden Helmen sehen, hat Lukas Czerwinski dazu bewogen – auch als studierter Historiker – ein Buch zu schreiben. „Legio XXI Rapax“ ist der Titel – „Eine Legion im Selbstversuch“.

Erschienen ist das etwa 180 Seiten starke, populärwissenschaftliche Buch mit vielen Bildern gerade eben im Aachener Ammianus-Verlag (www.ammianus.eu). Es kostet 19,90 Euro, ISBN 978-3-945025-66-6, und ist auch als E-Book für 12,99 Euro erhältlich.

Mehr über die Legion im Internet unter www.legioXXIrapax.com/de.

Joachim Strunk

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