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Die „Silphie“ als Honigweide und Maisersatz für Biogasanlagen

Klein Zecher Die „Silphie“ als Honigweide und Maisersatz für Biogasanlagen

Die Maisernte steht bevor. Die Pflanze nimmt im Lauenburgischen immer mehr Felder in Anspruch - nicht jedem gefällt das. Ein Landwirtspaar aus Klein Zecher pflanzt jetzt erste Exemplare einer möglichen Alternative zur "Vermaisung" der Landschaft an.

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Einen Mini-Versuchsfeld für die „Durchwachsene Silphie“ legten auf dem Gelände unmittelbar neben der zukünftigen Biogasanlage in Klein Zecher (v. l.) Martje Katarina Ratzow, Dr. Christel Happach-Kasan (FDP-MdB), Herbert Böckmann und sein Sohn Heiko, Azubi im 1. Lehrjahr, sowie Niklas Ratzow an. Bald eine Ablösung für übermäßigen Maisanbau?

Quelle: Fotos: unk/wr

Klein Zecher. Ab nächster Woche, also von Ende September bis Mitte Oktober, werden im Kreis wieder die großen landwirtschaftlichen Silowagen rollen: Die Maisernte steht bevor.
Angesichts der Diskussion über den Sinn von Biogasanlagen und die „Vermaisung“ der Landschaft, drängt sich eine kleine Aktion des jungen Landwirt-Paares Martje und Niklas Ratzow aus Klein Zecher in den Vordergrund. Gemeinsam mit der FDP-Bundestagsabgeordneten Christel Happach-Kasan, als promovierte Biologin ausgewiesene Expertin ihrer Partei für Ernährungs- und Landwirtschaftspolitik, pflanzten sie die ersten 20 Exemplare der „Durchwachsenen Silphie“, einer buschigen Korbblütlerpflanze, die in Nordamerika beheimatet ist.

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Immer mehr Maisfelder im Lauenburgischen (Bild oben) — Einen Mini-Versuchsfeld für die „Durchwachsene Silphie“ legten auf dem Gelände unmittelbar neben der zukünftigen Biogasanlage in Klein Zecher (v. l.) Martje Katarina Ratzow, Dr. Christel Happach-Kasan (FDP-MdB), Herbert Böckmann und sein Sohn Heiko, Azubi im 1. Lehrjahr, sowie Niklas Ratzow an. Bald eine Ablösung für übermäßigen Maisanbau?

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Nachdem sie bereits zu DDR-Zeiten in Thüringen als Futterpflanze genutzt wurde, geriet sie nach der Wende in Vergessenheit. Im Schleswiger Raum und in Niedersachsen gibt es jetzt aber einige Landwirte, die erste Versuche mit der Silphie als Energiepflanze und somit als möglichen Ersatz für den Mais starteten. Die Tests waren erfolgreich und vielversprechend.

„Der große Vorteil für uns und die Biogasbetriebe im Kreis wäre, dass es sich um eine Blühpflanze — von Mitte Juli bis September — handelt, die nicht nur für eine Biovielfalt, sondern auch für ein gutes Nahrungsangebot für Bienen und andere Insekten sorgt“, sagt Peter Koll, Geschäftsführer der Kreisbauernverbände Herzogtum Lauenburg und Stormarn. Als sofortige Alternative für den Mais kann Koll die Silphie aber noch nicht erkennen. „Man hat sicherlich weniger Kosten für Pflanzenschutz und Düngemittel und auch geringeren Aufwand bei der Bodenbearbeitung, allerdings fehlen ihr noch 20 bis 25 Prozent an Ertrag gegenüber dem Mais.“ Und diesen Verlust auszugleichen, sei eine Rechnung mit extrem spitzem Bleistift.

Martje und Niklas Ratzow sehen das nicht ganz so pessimistisch. Die beiden haben im vergangenen Jahr den Hof von Martjes Vater Burkhard Rosebrock übernommen, einen Ackerbaubetrieb, wo seit langem schon Raps, Mais und Gerste angebaut wird.

„Auf unseren unterschiedlichen Böden, die sehr leicht und sandig sind, sorgt besonders der Mais für einen stabilen Ertrag“, erklärt Martje Ratzow, studierte Agrarwissenschaftlerin und seit 2012 als Beraterin und Sachverständige für die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein tätig. Aufgrund dessen entschied sich das junge Paar, eine 350-kW (elektrische Leistung)-Biomasseanlage zu bauen, die bedarfsgerecht Energie produzieren soll, also tagsüber, wenn viel Strom gebraucht wird. Nachts dagegen kann die Anlage abgeschaltet und das erzeugte Biogas gespeichert werden.

Die Strom- und Wärmeproduktion mit Hilfe von Biogas sei ein wichtiger Stützpfeiler der Energiewende, denn Biogas könne anders als Strom gespeichert werden, sagt Happach-Kasan: „Strom und Wärme aus Biogas stehen zur Verfügung, wenn die Sonne nicht scheint, und der Wind nicht weht. Wie wichtig dies ist, zeigen die nur 96 Sonnenstunden in den drei Wintermonaten.“

Happach-Kasan und die Ratzows pflanzten die ersten „ Silphies“ nun direkt an das Gelände, wo die neue Biogasanlage entsteht. „Wir wissen schon, dass die Forschung und Beschäftigung mit der Silphie noch in den Kinderschuhen steckt“, erklärt Martje Ratzow. Aber sie glaube, dass sich bei der Arbeitstechnik in Anbau und Ernte in den nächsten Jahren genauso etwas tue wie in der Züchtung.

Insbesondere was die Abhärtung der Pflanze gegen Stress, Kälte oder Wassermangel betreffe, sieht sie Chancen. „Im Moment sind die Pflanzkosten noch sehr hoch. Daher eignet sich die Silphie eher für Grenzflächen, die sonst ungenutzt blieben.“ Hier gelte es, Erfahrungen zu sammeln, um vielleicht in einigen Jahren tatsächlich eine Alternative zur Monokultur Mais zu haben.

Mehrjährige Pflanze schont auch den Boden
Silphium perfoliatum ist eine bis zu drei Metern hohe, buschige, gelbblühende Pflanze. Mit den am Stängel zusammengewachsenen Blattpaaren kann die Pflanze Tauwasser auffangen und aufnehmen und ist daher gut an Trockenstandorte angepasst. Laut Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe bewegen sich die Biomasseerträge ab dem zweiten Jahr zwischen 13 und 20 Tonnen Trockenmasse je Hektar, auch die Methangehalte sind mit denen von Mais vergleichbar.


Die dicht wurzelnde Pflanze kann bis zu 15 Jahre genutzt werden und vermeidet so eine beim Mais beklagte Bodenerosion. Sie wird im Abstand von 50 Zentimetern gepflanzt, die Reihen haben den selben Abstand. Wichtig ist es laut Jan Johannsen, einem Züchter aus Klixbüll, Nordfriesland, die Pflanzen bis zum Reihenschluss unkrautfrei zu halten. Sie tolerieren keine Konkurrenz, kümmern dann vor sich hin. Hier ist mechanisches Gerät oder Handarbeit erforderlich.

„Die Beschäf- tigung mit der Silphie steckt noch in den Kinderschuhen.“
Martje Ratzow

Joachim Strunk

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