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Lauenburg Die Sprache der Kunst und ihre Botschaft
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22:47 08.08.2018
Friedhelm Eickholl, mit seiner berührenden Installation „Perspektivwechsel wagen“, zeigt Holzskulpturen und Installation in Dechow. FOTOS (10): D. BAUMM
Ratzeburg

In ihrem Grußwort hatte Scheer gesagt: „Kunst ist eine eigene Sprache, die menschliche Erwartungen, Sehnsüchte, aber etwa auch politische Aussagen verkörpert und dabei über einen ganz eigenen Zugang zu Menschen verfügt, die auf anderen Wegen verschlossen sind. Kunst kommt dabei auch eine eigene Verantwortung zu.“ Kunst könne, fuhr sie fort, als Sprache Brücken der Verständigung bauen, wenn andere Sprachen versagen. „Eine werteorientierte Wachsamkeit ist somit auch in Betrachtung von Kunst geboten.“

Anlässlich der Eröffnung von „Dörfer zeigen Kunst zeigen“ rief die SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Nina Scheer die Künstler dazu auf, ihre Mittel zu nutzen, um auch politisch Stellung zu beziehen. Friedhelm Eickholl zeigt in Dechow mit seinen Holzarbeiten, wie das gehen kann.

Workshops am Sonnabend

Kreativ geht es am Sonnabend im Rahmen von Dörfer zeigen Kunst zu. Im Alten Gutshof in Neu-Horst, Alter Gutshof 6, geht es unter Anleitung von Marianne von Mirbach an das Gestalteten von Schmuckpapier. Im Dorfgemeinschaftshaus in Einhaus, Hauptstraße 26a, leitet Annikki Glage einen Speckstein-Workshop (beides 14 bis 17 Uhr).

Genau dazu möchte Eickholl in der Gläsernen Molkerei in Dechow mit seinen Skulpturen und Objekten einladen. Ihn treiben die Themen Flucht, Verantwortung und Freiheit um. „Seit der Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies sind immer Menschen auf der Flucht“, sagt er. Und: „Überall auf der Welt habe ich Verantwortung durch meine Freiheit.“ Seine Installation „Perspektivwechsel wagen“ geht ganz konkret auf die verheerende Situation der Flüchtlinge auf dem Meer ein. Sein Schiff, das ohne Steuermann orientierungslos umhertreibt, ist ebenso konkret wie symbolisch zu interpretieren, und die Frauengestalt, die mit dem Gesicht nach unten unter dem Rost gleichsam im Wasser treibt, versinnbildlicht die vielen Opfer, die diese Menschen immer wieder für die Überfahrt bringen müssen.

Sehnsucht nach Menschlichkeit

Von ebenso großer Wucht sind die Themen, die Sabine Römer beschäftigen. Auch sie zeigt ihre Arbeiten in Dechow. Gemeinsam mit Gabriele Röttgers und Maria Wilms hat sie eine Rauminstallation geschaffen. „Es sind die großen Themen unserer Gesellschaft, die mich beschäftigen: die geballte Wut, die Datenpflege, das Anonyme.“ Für ihre Arbeit „Stille Sehnsucht nach Menschlichkeit“ sei das industrielle Ambiente der Gläsernen Molkerei geradezu perfekt. Für den Besuch dort ist unbedingt Zeit einzuplanen, denn es gilt auch noch die Arbeiten von Sandra Bretschneider (Malerei und Mosaiken), Ida Gabriele Kühn (Acrylmalerei), Susanne Peltonen (Malerei), Jo Petzold (Holz-Druck-Wort-Kunst) und Gerhard Schotte (Skulpturen) zu besichtigen.

„Ein fotografischer Streifzug“ durch die Schaalseenatur erwartet die Besucher in der Kirche zu Demern, Kirchsteig 2. Volker Bohlmann und sein Sohn Leon zeigen ganz wunderbare Tier- und Naturfotografie. Der Förderverein der Kirche setzt einen künstlerischen Kontrapunkt mit Fundstücken der Kirchgemeinde: alte Bibeln und Kelche aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Die aber nur als Fotografie – sie sind schlicht zu wertvoll.

Noch einmal Fotografie, aber völlig anders: Manuela Koska zeigt im Café-Garten des Museums Grenzhus in Schlagsdorf auf Stellwänden ihre Arbeiten. Unter dem Titel „Heimat“ hat sie Menschen in Mecklenburg-Vorpommern porträtiert – mit dem Fotoapparat und mit Zitaten. Übrigens ist das Café ideal für ein Päuschen während der Kunst-Tour – Kunstgenuss mal anders, mit hausgemachten Torten.

In Kneese sind im Dorfgemeinschaftshaus, Hauptstraße 8 a, Bilder in Acryl von Christel Brause und Ramona Stein zu sehen sowie Häkelarbeiten und Arbeiten der Hofmaler des Arche-Hofes. Vor allem aber zeigt der noch junge Zusammenschluss von Fotografen aus dem Ort eine ansprechende Auswahl von Motiven zu dem Motto „Natur und Heimat“.

Im Dorfgemeinschaftshaus von Utecht am Seeweg werden die Besucher zuerst von den Arbeiten der Kinder zum Thema Indianer begrüßt. Direkt dahinter hat Johannes Ellmann seine Drechselarbeiten „Kleines vom Baum“ aufgebaut. Beeindruckend sind die großformatigen Ölbilder von Michael Knapp. Die Ausstellung wird ergänzt von Thomas Billers Fotokunst, Jan Friedrich Vernunfts-Arbeiten zum Thema „100 Sonnenaufgänge“, Katrin Weißkirchers Malerei und Skulpturen und Metallarbeiten von Armin Junghardt.

Überraschend neu präsentieren in Thandorf ausstellenden Künstler ihre Arbeiten (siehe links). Olivia Althaus-Apmann (Materialcollagen und Fotografie), Susanne Köttgen (Malerei), Dr. Ute Licht (Papierarbeiten und Mischtechnik), Kerstin Lorenz (Weidengeflechte), Hanne Wilber und Nils Stöwahse (Fotografie) sowie Anne Auerbach (Zeichnung und Malerei) haben die beiden Ausstellungsorte optimal genutzt, um ihre Kunst in Szene zu setzen. Gerade in der Schaeperscheune ist das Wechselspiel zwischen moderner Kunst und Gemäuer sowie alter Bau- und Landwirtschaftstechnik faszinierend.

Dörfer zeigen Kunst: Sonnabend

und Sonntag 13 bis 18 Uhr. Buchholz ist nicht mehr dabei, Utecht nur

noch bis Sonntag.

Dorothea Baumm

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