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Die Störche kommen immer früher

Anker Die Störche kommen immer früher

Die ehrenamtlichen Storchenbetreuer des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) haben gerade alle Hände voll zu tun, um die zahlreichen Storchennester in den Kreisen Herzogtum Lauenburg, Stormarn und Segeberg für ihre Bewohner wieder herzurichten. Ein Grund für die frühe Rückkehr könnte der Klimawandel sein.

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„Storchenbeauftragter“ Heinz-Achim Borck wuchtet gemeinsam mit Angelika von Engelhardt, ihrem Mann Andreas (o. r.) und Manfred Scherer (o. l.). das neue Storchennest auf den Hubsteiger der Firma Manske aus Breitenfelde, die wie jedes Jahr auch diesmal die Aktion unterstützte.

Quelle: Fotos: Strunk/nabu/ln-Archiv

Anker. Im Herzogtum Lauenburg vermeldete die Gemeinde Nusse vergangene Woche Dienstag (30. Januar), in dieser Woche die Gemeinde Duvensee, im Kreis Stormarn die Gemeinde Sprenge sogar schon am vorletzten Wochenende die ersten Störche, die von ihrem „Winterurlaub im Süden“ an ihre angestammten Nistplätze zurück gekehrt sind.

LN-Bild

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Ausgerechnet in Sprenge, dem Wohnort des Stormarner Storchenbetreuers Andreas Hack, segelte ein Rückkehrer aus Spanien wieder ein. Dieser 2004 in Berne-Glüsing bei Bremen beringte Vogel hat auch schon mehrmals in Todendorf gebrütet.

Im Kreis Segeberg ist es laut „Storchenvater“ Holger Möckelmann noch etwas zu kalt und zu verschneit. Hier hat sich bisher kein „Klapperstorch“ eingefunden. Das dürfte aber nicht mehr lange dauern.

„In Fredesdorf war das erste Brutpaar im vergangenen Jahr schon am 28. Februar angekommen“, so Möckelmann.

Höchste Zeit also für die Helfer und Tierschützer des Nabu, diese in luftiger Höhe liegenden Nester wieder herzurichten. Denn die meisten sind arg mitgenommen.

Auf dem Hof von Dieter Klüssmann in Anker (Gemeinde Lankau) am Elbe-Lübeck-Kanal, sah man schon von unten das sprießende Gras auf dem Hochstand. So nahmen sich Heinz-Achim Borck, „Storchenvater“ des Nabu aus Mölln, und seine Mitstreiter Andreas und Angelika von Engelhardt sowie Manfred Scherer des Problems am Wochenende an. In einer wahren Tour de Force säuberten, reparierten, renovierten oder verstärkten sie die Nester in Lauenburg (siehe Bericht rechts), in Langenlehsten, Bälau, Alt-Mölln, Anker, Labenz, Klinkrade, Kehrsen, Niendorf/Berkenthin, Schmilau, Kittlitz, Sirksfelde, Krummesse und Breitenfelde. Und das sind noch längst nicht alle. Insgesamt zählt der Nabu 166 Standorte im Kreis Herzogtum Lauenburg, 55 davon waren im vergangenen Jahr besetzt (mindestens vier Wochen lang), „aber leider waren nur 27 Brutpaare erfolgreich“, so Borck.

Das verregnete und kühle Jahr 2017 sorgte nach mehreren erfolgreichen Jahrgängen, in denen die Zahl der aufgezogenen Jungstörche stetig anwuchs, für einen Einbruch. Doch insgesamt ist die Brutentwicklung bei den Weißstörchen – zumindest in Westdeutschland – sehr positiv.

„Insgesamt hat die Zahl der Weißstorchpaare weltweit und auch in Deutschland zugenommen. Es gibt aber regionale Unterschiede“, erklärte Kai-Michael Thomsen gegenüber den LN. Der wissenschaftliche Mitarbeiter des Michael-Otto-Instituts im Nabu, dessen Forschungszentrum für Feuchtgebiete und Vogelschutz im „Storchendorf“ Bergenhusen angesiedelt ist, hielt gestern einen Vortrag im Stadthauptmannshof in Mölln. In Westdeutschland habe die Zahl besonders stark zugenommen. „Das liegt daran, dass immer mehr Störche in Spanien überwintern. Sie kommen besser durch den Winter und haben eine kürzere Zugroute. Deshalb sind die Verluste auf dem Zug und im Winterquartier geringer als bei den Ostziehern. Die Ostpopulation nimmt weniger stark zu – vor allem im Osten des Verbreitungsgebietes (Baltikum, Ukraine, Weißrussland). Bei uns in Deutschland gehen die Weißstorchbestände beispielsweise in Mecklenburg-Vorpommern in den letzten Jahren zurück“, referierte Thomsen.

Als Grund für die nicht nur „gefühlte“ frühere Rückkehr der Störche benannte Thomsen: „Das Zugverhalten des Weißstorchs hat sich in den vergangenen Jahren vor allem auf der Westroute verändert. Ein Großteil der Westzieher überwintert bereits auf der Iberischen Halbinsel und findet dort vor allem auf Mülldeponien und Reisfeldern viel Futter. Diese Vögel sind dann zumeist schon Ende Februar im Brutgebiet. Zunehmend ziehen die Störche aber auch nicht mehr nach Spanien. Sie überwintern bereits in Frankreich oder in Südwest-Deutschland und kommen dann jetzt schon zurück. Man könnte es als Winterflüchter-Verhalten bezeichnen. Außerdem überwintern zunehmend Weißstörche auch bei uns. Weil die Winter immer milder werden, klappt das auch ganz gut.“

Als Hauptgefahren für Störche bezeichnete Thomsen im Brutgebiet die Zerstörung oder Beeinträchtigung des Lebensraumes durch Grünlandverlust, Ausbau der großen Flüsse (Elbe) oder gefährliche Stromleitungen. Für den Zug gelten ebenfalls letztere sowie die Zerstörung von Rastgebieten.

 Joachim Strunk

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