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Lauenburg Die Turbine von 1925 läuft immer noch
Lokales Lauenburg Die Turbine von 1925 läuft immer noch
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20:44 29.12.2017
Der Lack ist schon mal erneuert worden, die Turbine aber ist noch jene, die hier 1925 in Betrieb genommen wurde, und die seitdem ohne größere Störungen Strom produziert. Quelle: Fotos: N. Dreessen
Schmilau

Aber dafür produziert es Strom und zwar mittels Wasserkraft. Das Wasserkraftwerk Farchau, versteckt in einem Wald, wenige Meter südlich der Stadtgrenze von Ratzeburg gelegen, existiert schon seit fast 100 Jahren. Erbaut wurde es in den Jahren 1924/1925, ans Hochspannungsnetz angeschlossen dann Anfang 1926.

Es gibt ein, wenn auch inzwischen stillgelegtes, Kraftwerk im Süden des Kreises, das kennt jeder: Krümmel sorgte schließlich immer wieder für zahlreiche Schlagzeilen. Im nördlichen Kreisgebiet gibt es ein Kraftwerk, das kennt kaum jemand – und es produziert auch keine Schlagzeilen.

„Wir verfügen hier über die größte Anlage dieser Art in Schleswig-Holstein“, erläutert Dieter Constabel vom Betreiberunternehmen Hansewerk Natur. Absolut gesehen ist es dennoch ein eher kleines Kraftwerk, denn selbst bei vollem Betrieb kann es nur eine Menge an Elektrizität produzieren, die etwa dem Bedarf von 400 Haushalten entspricht.

Dafür arbeitet das Wasserkraftwerk hinter den Backsteinmauern aber sehr umweltverträglich, Emissionen jeglicher Art gibt es nicht. Die Funktionsweise dieser Anlage ist im Grunde recht einfach: Wasser aus dem 180 Quadratkilometer umfassenden Einzugsgebiet des Schaalsees wird über den sechs Kilometer langen Schaalseekanal und zum Schluss durch ein 146 Meter langes Druckrohr in zwei Turbinen geleitet. In diesen Turbinen geraten große Schaufelräder in eine Drehbewegung und wandeln diese Bewegungsenergie mittels Generatoren in elektrische Energie um. Eine der beiden Turbinen, Baujahr 1925, ist übrigens vom ersten Tag an in Betrieb. „Sie läuft nach wie vor ohne größere Probleme“, so Constabel.

Die zweite der alten Turbinen wurde vor einigen Jahren durch ein moderneres Modell ersetzt, zu einem Schaumodell umgebaut und dient bei Bedarf auch mal als Ersatzteilspender für die baugleiche, noch in Betrieb befindliche Turbine. „Schaumodell“ heißt allerdings nicht, dass das Kraftwerk Farchau öffentlich zugänglich ist. Nur gelegentlich werden Gruppen, meist Schulklassen, hindurchgeführt. Auch beim „Tag des offenen Denkmals“ ist das Haus, das ja ein echtes Industriedenkmal ist, geöffnet.

Das Kraftwerk im Schmilauer Ortsteil Farchau dient aber nicht nur der Stromerzeugung, es regelt auch noch die Wasserstände des Schaalsees. Constabel: „Durch die Einhaltung der Mindeststände im Sommer und im Winter kann die Hochwassergefahr verringert werden, außerdem wird ein Umkippen des Sees verhindert.“ Das bedeutet, dass in trockenen Zeiten ohne viel Regen das Kraftwerk nicht mit voller Last gefahren werden kann, um kein zu starkes Absinken des Wasserspiegels zu riskieren.

Wenn die Turbinen aber so richtig in Schwung sind, dann rauschen zehn Kubikmeter Wasser hindurch – jede Sekunde, versteht sich. Das Wasser hat dann ja auch schon 30 Höhenmeter hinter sich. So groß

ist der Unterschied zwischen Schaal- und Küchensee.

Erster Entwurf stammt aus dem Jahr 1909

Wasserkraft zur Stromerzeugung nutzen und so die Industrialisierung fördern – solche Pläne existierten im nördlichsten Bundesland schon seit Anfang des vorigen Jahrhunderts. Im Jahr 1909 gab es den ersten Entwurf für ein Wasserkraftwerk im Schaalseegebiet. Die Kosten waren jedoch zu hoch.

Mit der Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg und den damit verbundenen Gebietsabtretungen wurde die Wasserkraft gegenüber der Importkohle aber wieder interessant. 1923 wurde der Bau des für das Kraftwerk benötigten Schaalseekanals vom Kreistag beschlossen.

Norbert Dreessen

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