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Lauenburg Die „Wundertüte“ von der Gutenbergstraße
Lokales Lauenburg Die „Wundertüte“ von der Gutenbergstraße
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19:12 27.09.2017
Christian Zylla wickelt eine freigelegte Urne mit Frischhaltefolie ein, um sie so sicher bergen und transportieren zu können. Quelle: Foto: Timo Jann
Geesthacht

Matthias Köster steht in einem tiefen Loch. Vermutlich stand vor 3000 Jahren an dieser Stelle ein Baum, den dann ein Sturm umgeworfen hat. Das Loch, das der entwurzelte Ballen in der vorrömischen Eisenzeit in die Erde riss, nutzten die damals am Geesthang lebenden Menschen, um ihre Verstorbenen zu bestattet. Köster gehört zu dem Archäologen-Grabungsteam um Marc Kühlborn. Die Fachleute vermuten in diesem Loch drei, vielleicht aber auch vier oder fünf Urnen. Jetzt heißt es: vorsichtig graben.

Besuch der Grabungsfläche

Im Oktober ist ein „Tag der offenen Tür“ auf der Grabungsfläche geplant, um Interessierten die Gelegenheit zu geben, sich das Urnenfeld anzusehen.

„Wir haben hier ganz unterschiedliche Arten von Bestattungen“, erzählt Kühlborn. „Manchmal ist die Asche der Toten nur lose in die Erde geschüttet, manchmal sind es Urnen, von denen dann einige in aufwendigen Steinpackungen liegen und selbst auch aufwendige Verzierungen haben, während andere eher schlicht sind und nur in Steinkisten stecken.“

Kühlborn und Köster sowie Jeff Brown und Christian Zylla arbeiten im Auftrag des archäologischen Landesamtes Schleswig. Der Grund: Der Acker soll zum Gewerbegebiet werden. Solange aber dort noch Urnen liegen, darf nicht gebaut werden – auch wenn Stadt und Wirtschaftsförderung die Fläche unbedingt erschließen wollen. „Wir haben jetzt etwa Halbzeit der Maßnahme und liegen gut im Plan“, berichtet Kühlborn. Verzögerungen für die Erschließung sind durch die etwa 160000 Euro teure Grabung nicht zu erwarten.

Bisher gab es 240 Funde, 200 sind Bestattungen. Die werden genau vermessen und dann vorsichtig freigelegt. Urnen, die noch in gutem Zustand sind, werden in Frischhaltefolie eingewickelt. „So können wir sie sicher transportieren und im Landesamt unter Laborbedingungen öffnen“, erklärt Kühlborn. Manchmal haben die Metalldetektoren des Teams bereits angeschlagen. „Dann können wir entsprechend der Zeit, aus der die Urnen stammen, von Beigaben aus Eisen oder Bronze ausgehen.“ In einer zerstören Urne wurde bereits eine Holsteiner Nadel entdeckt, mit der die Menschen damals ihr Gewandt verschlossen haben.

Wahrscheinlich wird das Grabungsteam seine Arbeiten im November beenden. Doch vorerst rollt in der kommenden Woche der Bagger erneut an, um weiteren Boden auf der insgesamt 9500 Quadratmeter großen Fläche abzutragen. „Wir haben hier in drei Ebenen Urnen liegen, daher müssen wir den Boden vorsichtig von oben nach unten abtragen, um alles sichern zu können“, erklärt Kühlborn. Und er fügt strahlend hinzu: „Für uns ist das immer eine Wundertüte – wir wissen nie, was zum Vorschein kommt.“

Timo Jann

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