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Lauenburg Die geheimnisvollen Möllner Tunnel
Lokales Lauenburg Die geheimnisvollen Möllner Tunnel
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18:31 08.04.2017
Michael Packheiser (Leiter der Möllner Museen, links) und Jürgen Landau besichtigen den Tunnel, der angeblich vom Keller des Möllner Einrichtungsgeschäfts Landau zum Tresorraum der ehemaligen Kreissparkasse führte. Der Keller ist zugänglich und Teil der Verkaufsfläche. Quelle: Fotos: Grombein
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Mölln

Es riecht nach feuchter Erde, die Luft ist kühl. Der Möllner Museumsleiter Michael Packheiser und der Einzelhändler Jürgen Landau blicken im Keller des Einrichtungsgeschäftes in einen dunklen Tunnel, der nach etwa sieben Metern mit Sand zugeschüttet ist. Der Vater von Jürgen Landau wusste genau, wohin er führt: „Ein Tunnel unter der Hauptstraße, der direkt in den Tresorraum der Kreissparkasse führte“, berichtet Landau. Heute befindet sich in dem ehemaligen Bankhaus auf der anderen Straßenseite das Modegeschäft Takko. Eine wilde Geschichte – ohne Frage. Doch die Gerüchte um Tunnel und Schächte unter der Stadt halten sich hartnäckig. Grund genug, den Wissenschaftler Packheiser zum Ortstermin mitzunehmen. Er blickt mit den LN auf die Gerüchte um ein unterirdisches Mölln.

Legende um unterirdisches Gängesystem in mittelalterlicher Stadt – Spurensuche im Keller.

„Das ist alles untertunnelt“ – diesen Satz hat der Museumsleiter schon mehr als einmal gehört. Die Legende um ein unterirdisches Mölln wurde immer wieder befeuert durch tatsächliche Funde: Bei Bauarbeiten wurde etwa ein Tunnel bei der Hauptstraße in Höhe des Reformhauses Waldorf gefunden. „Das war ein Ablauf für Regenwasser unter der Straße“, berichtet Packheiser. Auch auf dem Kirchhügel wurde schon ein tiefer Brunnenschacht entdeckt, so Packheiser. Bei der Treppe am Kurpark, die zum Quellenhof hinaufführt, fand man ebenfalls einen Tunnel. Und auf dem Gelände der ehemaligen Brauerei Wächter soll es einen tiefen Schacht gegeben haben, in dem Eis gelagert wurde.

„Eine mittelalterlich geprägte Stadt hat nun einmal solche Mysterien“, so der Museumsleiter. Der gemauerte Tunnel im Keller Landaus sei wohl älter als der Zweite Weltkrieg. Weiter möchte er sich nicht festlegen. Der Vater von Jürgen Landau berichtete seinem Sohn, dass er nach dem Zweiten Weltkrieg wie selbstverständlich vom eigenen Haus aus hindurchlief, weil es der schnellste Weg auf die andere Seite der Hauptstraße gewesen sei. „Da stand das Gebäude der ehemaligen Kreissparkasse ja noch gar nicht“, sagt Landau. Wo genau sein Vater damals rauskam, weiß er nicht. Es sind nur Erzählungen.

Von einem Gang zum Tresorraum hört Christoph Herbers, Kreissparkassenvorstand, zum ersten Mal. Die Kreissparkasse ist 75 Jahre alt und war bis 1987 in dem Haus Hauptstraße 78 bis 80 ansässig. Am Bauhof habe es noch die Möllner Stadtsparkasse gegeben, die mit der Kreissparkasse fusionierte.

Die Existenz des Tunnels bei Landau ist spannend, sagt Packheiser. Nicht einmal der Ur-Möllner Jürgen Burmeister, Mitglied im Freundeskreis Möllner Museen, weiß davon. Burmeister: „Ein unterirdisches Möllner Tunnelsystem gibt es nicht. Das sind Gerüchte.“ Wenn keiner von dem Tunnel im Keller Landaus weiß, es ihn aber gibt, handelt es sich dann vielleicht doch um einen Geheimgang?

Solche Gänge sind etwa im Mittelalter errichtet worden, um aus einer belagerten Festung zu fliehen. Und so viel steht fest: Mölln war im Mittelalter von einer Mauer umgeben. Ihr Verlauf ist gut im Museum Historisches Rathaus zu erkennen. Auch der Standort des Hauses von Landau ist darauf erkennbar. „Ich glaube sogar, dass wir ein Stück der alten Stadtmauer im Keller haben“, so Landau. Vor dem Kellerfenster in Blickrichtung, wo früher einmal der südliche Turm der Befestigungsanlage stand, liegt ein weiteres Stück Mauer. „So dick ist doch kein normales Fundament“, erklärt Landau.

Packheiser bleibt skeptisch. Doch mit Einverständnis von Landau könne ja einmal ein Archäologe des Landes darauf schauen.

Mölln als Festung

Die Stadtmauer aus dem Mittelalter ist in Mölln nur noch an einem stark verfallenen Haus in der Seestraße, unweit des Hauses von Landau in der Wallstraße, zu erkennen. Doch im Stadtgebiet, etwa in der Mühlenstraße, ist sie mit roten Steinen im Pflaster und einer Inschrift angedeutet. Unweit davon auf einem Innenhof ist das Fundament eines Befestigungsturmes am Boden angedeutet.

fg

Florian Grombein

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