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Die verborgenen Kellerschätze des A. Paul Weber-Museums

Ratzeburg Die verborgenen Kellerschätze des A. Paul Weber-Museums

700 Druckträger sind schwergewichtige Zeugen des bedeutenden Grafikers — Das nach ihm benannte Ratzeburger Ausstellungshaus stammt aus dem 15. Jahrhundert.

Ratzeburg. Manchmal lohnt es sich, in den Keller zu steigen. Das gilt zweifelsohne für das A.-Paul Weber-Museum auf der Ratzeburger Dominsel, denn im Gewölbekeller dieses Hauses werden nicht nur enorme Kunstschätze bewahrt, er ist selbst eine Attraktion.

Ein Museum ist das Gebäude nahe dem Dom erst seit 1973. Der zweigeschossige Walmdachbau am westlichen Ufer des Domsees wurde in der Mitte des 17. Jahrhunderts in traditioneller Fachwerk-Bauweise errichtet. Von der Seeseite her ist dies noch zu erkennen. Im späten 18. Jahrhundert wurde zur Straße hin jedoch eine klassizistische, hell verputzte Fassade vorgesetzt.

Das wunderschön gelegene Grundstück am See war aber bereits viel früher bebaut. In einer Urkunde von 1439 ist von einem Bürgerhaus auf dem Palmberg die Rede, das sich an der Stelle des jetzigen Museums befunden haben dürfte. Experten gehen davon aus, dass ein Teil des noch erhaltenen Gewölbekellers aus dem 15. Jahrhundert stammt.

Und dieser Keller birgt einen ganz besonderen kulturhistorischen Schatz: A. Paul Webers Lithosteine. Da Weber nicht — wie bei Künstlern eigentlich üblich — nach dem Druck einer Auflage die Steine wieder abschliff, blieben über 700 der zum Teil beidseitig verwendeten schweren Druckträger erhalten. Sie bieten in ihrer Fülle und in der Masse von über 20 Tonnen Gewicht einen imposanten Anblick und zusammen mit der Lithowerkstatt einen in dieser Form sonst selten möglichen Einblick in den Herstellungsablauf der Lithographie.

Der erste bekannte Besitzer des Hauses nahe dem Dom und des dazugehörigen Hofes war um 1642 Domherr Ernst Bünsow, 1762 erhielt der adlige Oberhauptmann namens von dem Knesebeck hier eine Dienstwohnung. 1773 erwarb Kammerrat Reinhard das Haus und ließ es renovieren. Anfang unseres Jahrhunderts nannte es der Volksmund nach den jeweiligen Besitzerfamilien „Bouchholtsches Haus“ und nach dem Zweiten Weltkrieg „Nonnigsches Haus“.

1971 erwarb der Kreis Herzogtum Lauenburg das inzwischen ziemlich sanierungsbedürftige Gebäude samt des 7000 Quadratmeter großen Grundstücks, um den Werken A. Paul Webers eine Heimstatt zu geben.

Andreas Paul Weber wurde 1893 in Arnstadt/Thüringen geboren. Schon in jungen Jahren arbeitete er als Gebrauchsgrafiker, Buchillustrator und Karikaturist. Ab 1936 bis zu seinem Tod im Jahr 1980 lebte der Künstler im lauenburgischen Dorf Schretstaken. Dort entstanden viele unpolitische Bilder, aber auch immer wieder Zeichnungen, in denen er den Nationalsozialismus angriff. 1937 wurde er deshalb verhaftet und für mehrere Monate ins Gefängnis gesteckt. Nach Kriegsende schuf Weber erneut kritische Lithographien zu aktuellen Themen. In seinen Bildern nahm er menschliche Schwächen aufs Korn und wies auf Missstände in Politik, Kirche, Justiz, Wirtschaft oder Medizin hin.

Das Museum in Ratzeburg präsentiert einen eindrucksvollen Querschnitt durch das Schaffen dieses Mannes. In seinen 23 Räumen zeigt das Haus mit Seeblick rund 300 Exponate aus Webers umfangreichem Werk. Das weitere Angebot des beliebten und auch im Winter geöffneten Museums reicht von der Nutzung des Archivs und der Fachbibliothek über Sonderausstellungen, Führungen, Vorträge und Unterrichtsgespräche, etwa für Schulklassen, bis hin zu Lithographie-Kursen.

Als das A. Paul Weber-Museum 1973 durch Bundespräsident Gustav Heinemann eröffnet wurde, war der damals 80-jährige Künstler anwesend und zeigte sich sehr gerührt. Dem Haus hat er sich bis zu seinem Lebensende sehr verbunden gefühlt, zumal er an der Renovierung und Ausgestaltung des historischen Baus intensiv mitwirken konnte. Im Dachgeschoss wurde ihm ein eigenes Atelier eingerichtet. Das nutzte er jedoch nur selten.

Norbert Dreessen

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